Nächstenliebe sieht anders aus

„Heiliger Krieg“ in Bremen eskaliert: Un-christlicher Mietstreit in Hemelingen eskaliert

Die Bremische Evangelische Kirche setzt eine afrikanische Gemeinde auf die Straße. Hinter der Worshipper-Kündigung steckt ein undurchsichtiger Mietstreit.

  • Bremische Evangelische Kirche schmeißt afrikanische Worshipper-Gemeinde raus.
  • Das Gemeindehaus in Bremen-Hemelingen soll nun an Kopten verkauft werden.
  • Bremens Christen streiten über Mietverhältnis und Kaufoptionen.

Bremen – Wo vorher noch zu lauter Musik getanzt und zu Gott gebetet worden ist, kehrt nun erstmal Stille ein. Eine christliche afrikanische Worshipper-Gemeinde sitzt seit dem 1. September auf der Straße. Die Bremische Evangelische Kirche (BEK) hat Pastor Sunday Raphael Olabisi und seine Gemeinde rausgeschmissen. Der dahinterstehende Mietstreit wirft viele Fragen auf. nordbuzz.de hat sich den Konflikt unter Christen angesehen.

Stadt- und Ortsteil von BremenHemelingen
Fläche:29,77 km²
Bevölkerung:43.765 (2016)
Ausländeranteil:20,3 %
Arbeitslosenquote:10,6 %

Bremen: Evangelische Kirche setzt afrikanische Worshipper-Gemeinde auf die Straße

Pastor Olabisi und seine knapp 200 Mitglieder große Gemeinde haben vom Jahr 2018 bis September 2020 in Bremen-Hemelingen eine Herberge mit Leben gefüllt. In dem ehemaligen Gemeindehaus der evangelischen Versöhnungsgemeinde war es in dieser Zeit ungewohnt lebendig und laut. Gemeinden der Worship-Bewegung feiern ihre Gottesdienste im wahrsten Sinne des Wortes, dazu gehören Gesang und Musik.

Ob sie deswegen auf die Straße gesetzt wurden, ist unklar. Klar ist, dass ihr Mietvertrag ausgelaufen ist und sie das Gebäude nicht kaufen können – obwohl Kaufinteresse und genügend finanzielle Mittel vorhanden seien. Darüber berichtete taz.de am 1. September.

Dicke Luft unter Bremens Christen: Die Worshipper-Gemeinde ist von der evangelischen Kirche vor die Tür gesetzt worden.

Die Bremische Evangelische Kirche (BEK) hat das Miet- und Nutzungsverhältnis beendet und sich für einen anderen Nachmieter entschieden. Das Gebäude soll in Zukunft von der koptisch-orthodoxen Kirche genutzt und an sie verkauft werden. Der Plan sorgt für Irritation bei den Bremer Worshippern und Pastor Sunday Raphael Olabisi, weil sie das Gebäude kaufen wollten. Nun stehen Gemeinde und Olabisi vor großen Problemen. Olabisi wohnt mit fünf Kindern in der Küsterwohnung des Gebäudes. Seine Gemeinde wird so schnell keinen neuen Ort für ihren Gottesdienst finden.

Bremen: Mietstreit eskaliert – afrikanische Worshipper-Gemeinde vor ungewisser Zukunft

Das Bremer Gemeindehaus wurde der Worshipper-Gemeinde „TWC FULFILLMENT CENTRE INTL BREMEN“ über die ZwischenZeitZentrale (ZZZ) vermittelt. Die Worshipper zahlen dort monatlich 650 Euro Miete, und sie wollen das Gebäude auch kaufen. Das würde 420.000 Euro kosten. Geld, was die Gemeinde habe, so Pastor Olabisi.

Die Bremische Evangelische Kirche plant nun anders. Sie will an die Kopten verkaufen. Deren Priester sei auch bereits eingezogen. Für Olabisi ein schwerer Schlag. Erst im Jahr 2018 ist seine Gemeinde aus einer Lagerhalle neben einem Swingerclub in das Gemeindehaus in Hemelingen gezogen. Im neuen Gemeindehaus haben sie seitdem viele frohe und musikalische Gottesdienste gefeiert.

Nun also der Rauswurf. Für Ärger sorgten auch die Gespräche zwischen BEK, Worshipper-Gemeinde und ZZZ. Im Dezember 2019 hatte man sich zu Verhandlungen bei der BEK getroffen. Dort wurde man recht kalt im Flur am Kaffeeautomaten empfangen. Daniel Schnier von der ZZZ erinnert sich an das Gespräch. Er glaubt nicht, dass die BEK Olabisi und ihn ernst genommen hätten und vermutet, dass die evangelische Kirche nie vorhatte, das Gebäude an die Worshipper zu verkaufen.

Bremen: Kopten oder Worshipper – wer kauft das Gemeindehaus der evangelischen Kirche in Hemelingen?

Die Bremische Evangelische Kirche wies darauf hin, dass die Verhandlungen mit den Kopten bereits fortgeschritten seien. Ein Kaufangebot der Worshipper sei bei ihnen nie eingegangen, so Matthias Dembski von der BEK. Daniel Schnier hingegen sagt, dass die Worshipper-Gemeinde „mehrfach auf ihr Kaufinteresse“ hingewiesen habe. Zudem sei unklar, ob die Kopten überhaupt einziehen. Dort habe man das Geld noch nicht zusammen. Das irritiert besonders deshalb, weil die BEK eine „tragfähige Finanzierung“ als für den Kauf notwendig bezeichnete.

Daniel Schnier übt derweil harte Kritik an der BEK. Die Worshipper-Gemeinde sei nie ernst genommen wurden. „Das ist Abwehr unter dem Deckmantel des zuhören“, sagte Schnier. Zudem kritisierte er die mangelnde Transparenz der BEK. Rassismus wirft er ihnen nicht vor. Nun steht allerdings ein unmittelbares Problem an: Wo können die Worshipper um Pastor Olabisi in Zukunft beten, tanzen und musizieren? Ein Facebook-User kommentiert das ganze Dilemma hoffnungsvoll: „Vielleicht hat Jesus ja noch etwas viel schöneres mit den worshippern vor!“, schreibt der Nutzer am 2. September unter einem Beitrag der Gemeinde.

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa/picture alliance

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