Bundesweite Polizei-Aktion

Razzia gegen Kindesmissbrauch: Durchsuchung in Bremen - Fallzahlen steigen dramatisch an

Der Missbrauchsskandal von Bergisch Gladbach erschüttert Deutschland. Jetzt fand eine bundesweite Razzia statt. Auch in Bremen durchsuchte die Polizei ein Objekt.

  • Bundesweite Razzia gegen Kindesmissbrauch: Auch eine Durchsuchung in Bremen.
  • Durchsuchung steht in Zusammenhang mit Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach.
  • Missbrauchs-Fälle in Deutschland werden häufiger verfolgt.

Bremen/Köln – Die Polizei hat eine Wohnung in Bremen durchsucht. Als Teil einer bundesweiten Razzia gegen Kindesmissbrauch sind in zwölf Bundesländern Objekte durchsucht worden. Die Durchsuchung in Bremen hängt offenbar mit dem Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach zusammen. Gegen mehr als 84 Beschuldigte wird bereits ermittelt, ein Ende ist nicht in Sicht. nordbuzz.de berichtet über die bundesweite Razzia.

Stadt in Deutschland:Bremen
Fläche:326,7 km²
Bevölkerung:547.976 (30. Apr. 2012)
Vorwahl:0421
Bürgermeister:Andreas Bovenschulte

Razzia gegen Kindesmissbrauch in Bremen: Zusammenhang mit Missbrauchsfall Bergisch Gladbach

Die Polizei durchsuchte am Dienstag, 1. September, bundesweit die Wohnungen von 50 Tatverdächtigen, die im Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall Bergisch Gladbach* stehen. Der Münchner Merkur berichtet ebenfalls über die gigantische Aktion. Insgesamt sind 60 Objekte in zwölf Bundesländern durchsucht worden, so der Kölner Kriminaldirektor Michael Esser in einer Pressekonferenz am Mittwochvormittag. Rund 1.000 Einsatzkräfte der Polizei, darunter Spezialeinheiten, sind zum Einsatz gekommen. 48 männliche und zwei weibliche Tatverdächtige wurden bei der bundesweiten Razzia vorläufig festgenommen.

Die Polizei stellte 2.000 Asservate, also möglicherweise für die Gerichtsverhandlung wichtige Beweise, sicher. Ermittler nahmen Tresore und viele elektronische Datenträger mit. Die Tatverdächtigen stehen laut Polizei Köln allerdings nicht in Verdacht, selber Kinder missbraucht zu haben. Zuständig für den Fall sind die „Besondere Aufbauorganisation (BAO)“ – kurz „Berg“ – unter Leitung von Michael Esser sowie die bei der Kölner Staatsanwaltschaft angesiedelte Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime (ZAC). Zwar leben die meisten Tatverdächtigen in Bayern, aber auch in Bremen ist eine Wohnung durchsucht worden.

In Bremen ist eine Wohnung durchsucht worden – reicht der Missbrauchs-Komplex bis in den Norden? (nordbuzz.de-Montage)

Razzia gegen Kindesmissbrauch in Bremen: Zahl der Missbrauchs-Fälle steigt an

Die Bremer Razzia steht in direktem Zusammenhang zu dem Komplex Bergisch Gladbach. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt die Bewohner, illegale Missbrauchs-Videos besessen und verbreitet zu haben. Weitere Details über die Bremer Durchsuchung wurden bei der Pressekonferenz am Mittwochvormittag nicht bekannt. Über ihre Ermittlungsmethoden gab die Polizei jedoch erstaunlich viel preis.

Michael Esser, Kölner Kriminaldirektor der Ermittlungsgruppe „Berg“ berichtete von Künstlicher Intelligenz (KI), die beim Durchsuchen von Kurznachrichten-Diensten geholfen hat, relevante Inhalte im Bereich der Kindesgefährdung zu finden. Die Aktion am Dienstag sei die größte im Zusammenhang mit dem Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach gewesen.

Deutschlandweit werden über 200 Menschen beschuldigt, in diesen Skandal verwickelt zu sein. Im Vergleich zum Jahr 2019 sind die registrierten Missbrauchs-Fälle in Deutschland und Bremen im Jahr 2020 angestiegen. Bundesweit wurden im Jahr 2019 insgesamt 15.701 Fälle polizeilich erfasst, im Jahr 2018 waren es noch 14.410 Fälle, meldet das Bundeskriminalamt.

Polizei-Einsätze in Bremen: Missbrauch, Diebstahl, Feuerteufel – Verbrechen im Norden

In Bremen sind im Jahr 2019 insgesamt 137 Fälle von Kindesmissbrauch registriert worden. Im Jahr 2018 waren es 81. Wegen Missbrauchs-Videos wurde in Bremen in 121 Fällen ermittelt, berichtet butenunbinnen.de. Dass die Zahlen gestiegen sind, muss laut Angaben des Bundeskriminalamts nicht gleichbedeutend mit einem reellen Anstieg der Verbrechen sein.

Es gebe aber deutlich mehr Hinweise auf Straftaten dieser Art. Die Strafe für Kindesmissbrauch kann zwischen drei Monaten und zehn Jahren Gefängnis liegen. Wer Missbrauchs-Videos besitzt, kann bis zu drei Jahre ins Gefängnis kommen. Wer sie verbreitet, muss mit bis zu zehn Jahren Freiheitsentzug rechnen.

Die Bremer Polizei verfolgt viele andere Verbrechen, in denen sie ermittelt. Allein im August und September 2020 musste sie einen Feuerteufel im Bremer Norden jagen und sich mit dreisten Kinderwagen-Diebinnen in Burglesum auseinandersetzen. Dazu kommen noch viele weitere Aufgaben, beispielsweise Verkehrssünder am Osterdeich oder brutale Porsche-Fahrer im Viertel. / *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/Roland Weihrauch/dpa/picture alliance

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