Alternative Konzepte

Notenvergabe in Corona-Krise: Wie Bremer Schüler bewertet werden

Die Coronavirus-Krise stellt nicht zuletzt Schulen bundesweit vor große Herausforderungen. Wie vergeben Bremer Lehrer Noten, wenn Klassen in Quarantäne sind?

Bremen – Das Schulhalbjahr neigt sich dem Ende zu, die Leistungsbewertung in Form von Noten und Zeugnissen steht bevor. Diese gestaltet sich vor dem Hintergrund der Coronavirus-Krise mehr als schwierig. Denn der Unterricht wurde und wird immer wieder durch Quarantäne, Lockdown und Distanzlernen unterbrochen. Wie also wollen die Bremer Lehrer eine leistungsgerechte Bewertung vornehmen?

Stadt in Bremen:Bremen
Fläche:326,7 Quadratkilometer
Bevölkerung:547.979 (30. Apr. 2012)
Bürgermeister:Andreas Bovenschulte
Vorwahl:0421

Bremen Schulen vor Corona-Herausforderungen: Notenvergabe im Wechselunterricht

Vielerorts würde auf Alternativen zurückgegriffen werden, um auch Aufgaben, die zu Hause bearbeitet wurden, bewerten zu können. Hierüber spricht Christian Radke, stellvertretender Schulleiter der Neuen Oberschule Gröpelingen (NOG). Nach den Sommerferien sei am NOG bereits jede Klasse in Quarantäne gewesen, eine Reaktion auf zahlreiche Corona-Infektionen. Ende November wurde deswegen auf Wechselunterricht umgestellt.

Realität Distanzlernen: Viele Bremer Schüler müssen aufgrund der Corona-Situation von zu Hause aus Aufgaben bearbeiten – insofern die technischen Möglichkeiten gegeben sind.

Das bedeutet konkret, dass jede Klasse in drei Gruppen unterteilt wird. Zwei dieser Gruppen sind immer abwechselnd mal in der Schule, mal zu Hause. Die dritte Gruppe wiederum, die sich aus Schülern zusammensetzt, die im elterlichen Haus keine guten Lernbedingungen vorfinden, ist permanent in der Schule. Laut Radke habe sich dieses System bewährt. Nichtsdestotrotz würde die diesjährige Leistungsbewertung eine enorme Herausforderung darstellen.

Corona erfordert Distanzlernen – Bremer Schüler nutzen „Its Learning“

Radke weiß jedoch Beispiele zu skizzieren, im Rahmen dessen es möglich sein soll, Aufgaben fürs Distanzlernen so zu konzipieren, dass die Ergebnisse bewertbar seien. Im Unterrichtsfach Mathematik könne Schülern der Auftrag gegeben werden, eigenständig ein Erklärvideo zu produzieren, in dem der Rechenweg zu einer linearen Funktion erklärt wird. Die entsprechenden Clips können beim Lernportal „Its Learning“ hochgeladen werden.

Selbiges gilt für den Fremdsprachenunterricht, ein zuvor eingeübter Dialog auf Englisch oder Französisch könne von Schülern auf dem iPad eingesprochen werden. „So eine zu Hause erbrachte Leistung kann dann schon in die Note fürs Halbjahreszeugnis einfließen“, wird Radke vom Weser-Kurier zitiert. Manch eine Form, Wissen abzufragen, sei zu Hause jedoch nur schwer praktizierbar. „Einen Vokabeltest in Distanz stattfinden zu lassen, ist sehr schwierig – man weiß ja nie, ob Schüler die Vokabelliste nicht einfach neben das Tablet legen“, heißt es vom stellvertretenden Schulleiter.

Widerspenstige Schüler, Unklarheit über Tablet-Nutzung – Corona erschwert geregelten Unterricht

Doch gibt es auch Schüler, die keinen Zugriff auf technische Hilfsmittel wie Laptop oder Tablet haben. „Wir haben Kinder, die haben nicht mal ein eigenes Zimmer, manche haben kein WLAN, manche kein Papier“, spricht eine Lehrkraft der Wilhelm-Olbers-Oberschule in Bremen-Hemelingen über die prekäre Situation mancher Schüler. „Wir sollen digitales Distanzlernen machen, aber einige Kinder laden ihre bearbeiteten Aufgaben einfach nicht hoch, auch dann nicht, wenn man die Eltern nochmal anruft“, weiß die Bremer Lehrerin von trotzigen Schülern zu berichten.

An der Wilhelm-Olbers-Oberschule seien entsprechende Tablets erst kurz vor Weihnachten angekommen, ein gemeinsames Einüben der Nutzung sei vor den Ferien deswegen nicht mehr möglich gewesen. Die Lehrerin ist sich auch sicher, dass Ungerechtigkeiten durch die verschiedene Bedingungen im elterlichen Haus entstehen. Grundsätzlich berichten Lehrkräfte von der Hürde, Testaufgaben zu formulieren, da aufgrund der vielen Wechsel zwischen dem Lernen zu Hause und in der Schule nur schwer einzuschätzen sei, auf welchem Wissenstands die Schüler überhaupt sind.

Bremen setzt Präsenzflicht an Schulen weiter aus

Nicht zuletzt deswegen übt Barbara Schüll von der Bildungsgewerkschaft GEW Bremen massive Kritik an der derzeitigen Situation von Schülern: „Man will so tun, als ob alles normal an den Schulen weiter läuft.“ Dies sei lediglich eine Illusion, viele Bremer Schüler hätte auch in Zeiten der Coronavirus*-Krise keinen Zugang zu WLAN. Darüber hinaus sei „Its Learning“ aufgrund der starken Nutzung zwischenzeitlich immer wieder zusammengebrochen. Das digitale Lernportal kann nämlich von allen Lehrern und Schülern in Bremen genutzt werden.

Aktuell stellt die Ausgabe von Halbjahreszeugnissen die Bundesländer vor echte Herausforderungen. Wie die Stadt Hamburg die Zeugnisvergabe im Corona-Lockdown* meistert, berichtet 24hamburg.de. Mit Blick auf den Sommer fordert Schüll, das Verfahren für Abschlussprüfungen frühzeitig festzulegen. Denn im Sommer 2020 wurden bei Schülern, deren Leistungen nach dem ersten Lockdown schwächelten, die Noten hochgestuft. „Viele Zeugnisse mussten zweimal ausgestellt werden, für Abschlussprüfungen gab es bis zu drei Termine, für die jeweils andere Aufgaben formuliert werden mussten“, blickt Schüll zurück und will aus den Fehlern der jüngeren Vergangenheit lernen. Übrigens: Die Stadt Bremen hat beschlossen, die Präsenzpflicht an Schulen vom 11. bis 15. Januar weiter auszusetzen. *nordbuzz.de und 24hamburg.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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