„Bittere Nachricht“

Arcelor-Mittal: Kurzarbeit im Bremer Stahlwerk - Bovenschulte reagiert

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Im Juni 2019 demonstrierten Mitarbeiter von Arcelor-Mittal in der Bremer Innenstadt.

Das Bremer Stahlwerk von Arcelor-Mittal senkt wegen der schwachen Nachfrage die Stahlproduktion. Ab Anfang 2020 soll Kurzarbeit angemeldet werden. Nun gibt es erste Reaktionen auf die Ankündigung.

  • Arcelor-Mittal kündigt Kurzarbeit in Bremer Stahlwerk an
  • Bremer Bürgermeister Bovenschulte: bittere Nachricht
  • Bremen: Hochofen wird stillgelegt

Kurzarbeit bei Arcelor-Mittal: Bremer Politik reagiert

Update, 17. Oktober: Das Bremer Stahlwerk von Arcelor-Mittal senkt wegen der schwachen Nachfrage die Stahlproduktion. Ab Anfang 2020 soll Kurzarbeit angemeldet werden. „Der Anfang vom Ende?“, so lautete dazu die Reaktion eines Lesers in den sozialen Medien. 

Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) meldete sich über Facebook zu Wort und schrieb, die Ankündigung von Kurzarbeit komme angesichts der schwierigen Lage in der Stahlindustrie zwar nicht vollkommen überraschend, sei aber natürlich trotzdem „eine ganz bittere Nachricht für die Beschäftigten und ihre Familien“. 

Stahlarbeiter in Bremen müssen auf Einkommen verzichten

Mindestens ein Drittel der Belegschaft werde einen Einkommensverlust von zehn Prozent hinnehmen müssen. Die Stahlindustrie, so der Bürgermeister, sei mit ihrer Einbindung in die langen industriellen Wertschöpfungs- und Beschäftigungsketten „für die Sicherung der Leistungs- und Innovationsfähigkeit unserer Wirtschaft insgesamt unverzichtbar“. 

Allein an der Bremer Hütte hingen unmittelbar und mittelbar fast 20.000 Arbeitsplätze. Bovenschulte fordert „faire Wettbewerbsrahmen für alle Marktteilnehmer im In- und Ausland“. Es bedürfe eines nationalen Zukunftsfonds, aus dem der ökologische Umbau der Stahlindustrie und die Weiterentwicklung und Umsetzung der erforderlichen Zukunftstechnologien wie Wasserstoff ko-finanziert werden könne, so der Bürgermeister.

Arcelor-Mittal: kein wirksamer Handelsschutz

Die Ministerpräsidenten der stahlproduzierenden Bundesländer seien sich einig, dass „dringender Handlungsbedarf“ bestehe. Dafür wollten sie sich beim Bund einsetzen. Der Stahlkonzern beklagt, dass hohe Importmengen zu niedrigen Preisen „als Ergebnis von Handelsumleitungen“ nach Europa kommen, beispielsweise aus China. 

Bisher gebe es keine wirksamen Handelsschutzmaßnahmen gegen die Stahleinfuhren aus Ländern außerhalb der EU. Im Juni hatten rund 1.500 der 4.000 Mitarbeiter von Arcelor-Mittal in der Innenstadt demonstriert und mehr Unterstützung aus der Politik gefordert. 

Bremer Stahlwerk: Mitarbeiter verzichten auf vier Prozent Lohn

Nach Angaben der Konzernleitung wird ab der nächsten Woche einer der beiden Hochöfen im Bremer Stahlwerk auf unbestimmte Zeit stillgelegt. Die Produktion in der Kokerei und im Warmwalzwerk soll herunterfahren werden. Bereits seit Juli verzichtet die Belegschaft auf vier Prozent des Lohns. 

Joachim Schuster, Europaabgeordneter der Bremer SPD, sagte: „Die angekündigte Kurzarbeit im Bremer Stahlwerk zeigt, dass die EU-Kommission die Lage in der Stahlindustrie völlig falsch einschätzt. Wir befinden uns nicht in einer Konjunkturflaute, sondern in einer ernsthaften Krise.“ Die EU müsse dringend den Außenschutz gegen Billigimporte verstärken und eine CO2-Abgabe für importierten Stahl einführen. Schuster: „Die Kommission muss jetzt zügig Taten folgen lassen.“

Arcelor-Mittal: Kurzarbeit im Bremer Stahlwerk

Erstmeldung, 16. Oktober: Das Auftragsvolumen ist offenbar noch einmal drastisch gesunken. Der Konzern beklagt dass, hohe Importmengen zu niedrigen Preisen „als Ergebnis von Handelsumleitungen“ nach Europa kommen. Es gebe bis heute keine wirksamen Handelsschutzmaßnahmen gegen die Stahleinfuhren aus Ländern außerhalb der EU. 

Arcelor-Mittal jedenfalls fordert eine Klimaschutzabgabe auf Importe, in vergleichbarem Maße wie für die europäische Produktion, um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten.

Arcelor-Mittal legt Hochofen in Bremen still

Zurück nach Bremen: Ab der nächsten Woche wird laut Management einer der beiden Hochöfen auf unbestimmte Zeit stillgelegt. Auch in der Kokerei oder dem Warmwalzwerk will das Unternehmen die Produktion deutlich herunterfahren, heißt es weiter. 

Die Konzernleitung will die Belegschaft Anfang November in vorgezogenen Betriebsversammlungen über weitere Schritte informieren. Die Belegschaft wiederum verzichtet seit Juli freiwillig auf vier Prozent des Lohns. Das Stahlwerk beschäftigt rund 4.000 Mitarbeiter.

je/gn

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