Vanicello-Likör made in Bremen: Hanseatischer Sizilianer nach geheimem Familien-Rezept

+

Mitten in der Hansestadt entsteht nach geheimem sizilianischem Familienrezept in Handarbeit Vanicello, „die erste Bremensie mit Migrationshintergrund“. So nennen die Gründer Giuseppe „Pino“ Cervello und Dirk Lüdtke ihren Likör und wollen damit Kulturen verbinden. Wir haben die Mitvierziger bei der Abfüllung besucht und erzählen die Geschichte ihres Startups.

Als Bremensie werden laut Wikipedia unter anderem Spezialitäten bezeichnet, die sich unverwechselbar auf Bremen beziehen. Nichts anderes haben Pino und Dirk mit ihrem Vanicello und seiner bewegten Geschichte geschaffen – wenn auch mit einem multikulturellen Hintergrund. Mitten in Bremen im TAU wird er hergestellt und abgefüllt, dieser süßlich-herbe, 23,7-prozentige Likör. Und dabei haben die beiden privat mit Alkohol gar nicht so viel am Hut. Wie kam also der Vanicello von Sizilien nach Bremen?

„Auf Sizilien mixt jeder seinen eigenen Likör“ 

Pino ist gebürtiger Bremerhavener und wuchs teils in der Pizzeria seines Vaters, teils auf Sizilien auf, wo seine Ahnen in der Hauptstadt Palermo ihren Ursprung hat. „In der Familie hat sich das Likör-Rezept durch Generationen getragen“, sagt Pino. „Auf Sizilien mixt jeder seinen eigenen Likör für sich und seine besten Freunde.“ Wenn es für Pino über die Autobahn von Sizilien zurück nach Bremen ging, befanden sich im Gepäck stets diverse Mitbringsel. Öl, Apfelsinen und besagter Likör. Ebenjener sorgte zu Hause für viel positive Rückmeldungen von Bekannten. Um nur einem solch kleinen Kreis vorenthalten zu bleiben, sei der Likör jedoch zu gut, befanden Pino, der sonst einem Büro-Job nachgeht, und sein Kompagnon Dirk. Kurzerhand gründeten sie die Lamela GbR zur Herstellung des Vanicello. Vani- steht dabei für Vanille und -cello ist an den berühmten Zitronen-Likör Limoncello angelehnt.

Giuseppe „Pino“ Cervello und Dirk Lüdtke bei der Vanicello-Abfüllung im TAU.

„Wir wollen zeigen, dass auch gute Sachen aus dem Ausland kommen“ 

„Wir sind quasi übereinander gestolpert“, sagt der Mediengestalter, der irgendwann mehr machen wollte, als nur Werbung. Und so entstand eines Tages die Idee ihn richtig auf die Beine zu stellen und unter professionellen Bedingungen zu produzieren, diesen Likör, von dem schon Pinos Onkel beim Kartenspielen im Schatten der Zitronenbäume immer eine Flasche auf dem Tisch stehen hatte. Doch den beiden Gründern geht es bei Vanicello nicht um guten Likör allein. „Wir wollen zeigen, dass auch gute Sachen aus dem Ausland kommen, um es mal salopp zu sagen“, erzählt Pino in Anspielung auf die aktuellen gesellschaftlichen Verhältnisse.

„Zwischen Sizilien und Bremen liegen etwa 2.500 Kilometer“ 

Ausländische Kultur nach Bremen bringen. Etwas eigenes daraus machen. Einen hanseatischen Sizilianer. Und so finden sich auf dem Etikett des Vanicello denn auch das sizilianische Wappen neben der Bremer Speckflagge. Für Pino ist es eine Verbindung zweier Heimaten und ihrer Kulturen. „Es ist auch ein geografischer Brückenschlag zwischen zwei extremen Punkten im Norden und Süden von Europa“, fährt Pino fort. „Zwischen Sizilien und Bremen liegen etwa 2.500 Kilometer.“

Säuerlich von der Zitrone, weich durch die Vanille 

Diese kulturelle Fusion spiegelt sich nach Meinung der beiden Gründer ebenso in Bremens hanseatischer Tradition wie im Geschmack des Vanicello wider – säuerlich von der Zitrone, weich durch die Vanille. In dieser fruchtig-sauren Kombination wird die Zitrus- durch die Kapselfrucht aufgefangen und abgemildert. Hanseatische Werte, ein Thema, das Pino und Dirk am Herzen liegt. „Die Hanse ist ein Beispiel für positive Neugier Fremdem gegenüber“, sagt Pino. „Das ist etwas, das wir verkörpern und wofür wir stehen. Daher ist der Vanicello ein richtiges Bremer Produkt.“

Zur Produktion wird neutraler, 96-prozentiger Alkohol verwendet 

Ein Kollege brachte zur Herstellung schließlich die Kulturküche bei der Weserburg auf dem Teerhof ins Gespräch. Als die Jungunternehmer so weit waren, hatte sich der Verein jedoch bereits verabschiedet und die Nachfolger übernahmen. „Das TAU wollte Startups unterstützen“, sagt Dirk. „Eine gute Basis für uns, selbst hätten wir Schwierigkeiten gehabt, eine Küche mit industriellen Standards aufzubauen.“ Zur Produktion wird neutraler, 96-prozentiger Alkohol verwendet, der Geschmack entsteht durch das Einlegen der Zutaten. 

„Bei Sonnenschein und dem guten Geschmack muss man aufpassen“

„Früher kam die Trinkstärke durch Zufall zustande, wir haben experimentiert und festgestellt, dass rund 24 Prozent gut passen“, erklärt Pino. „Das ist kein Labberwasser.“ Und Dirk ergänzt grinsend: „Bei Sonnenschein und dem guten Geschmack muss man durchaus ein bisschen aufpassen.“ Beide sehen Alkohol jedoch als Genussmittel und stehen nicht dafür, sich am Wochenende einen hinter die Binde zu kippen. „Ich bin quasi in der Pizzeria groß geworden, wo Wein, Grappa und Co. so herumstanden“, sagt Pino. „Darum war Schnaps vielleicht uninteressant für mich.“

Ausschank als Plattform zur Verbreitung 

Von der Produktion gehen die selbst abgefüllten und beklebten Flaschen direkt zu den Gastro-Partnern. Als da wären die Weinbar Malbec im Viertel, Medio am Wall, die Aperitivo Bar im alten Kiefert-Pavillon in der Markthalle Acht und einige andere. „Tatjana Rettig, eine Koryphäe der Bremer Szene, hat extra für uns eigene Rezepte und Drinks aus dem Ärmel geschüttelt,“ sagt Pino und freut sich. Ein eigener Vanicello-Shop ist zunächst nicht geplant. Stattdessen soll primär der Ausschank als Plattform zur Verbreitung genutzt werden. Mancherorts sind die Flaschen auch direkt erhältlich, so auch bei der Aperitivo Bar in der Markthalle Acht.

Als Prosecco-Spritz-Variante, mit Tonic oder auch Grapefruit 

„Die Gastronomen arbeiten ganz unterschiedlich mit dem Likör“, sagt Pino. Etwa als Prosecco-Spritz-Variante, mit Tonic oder auch Grapefruit. „Durch den fruchtig erfrischenden Charakter hebelt der Vanicello die Gegensätze aus“, erklärt Dirk. „Ein Kunde will Vanicello für seine Patisserie verwenden und Eis, Torten und Cremespeisen damit erstellen.“ Bei der Partnersuche gehen sie bewusst behutsam vor, um handlungsfähig zu bleiben. „Einkaufen, einlegen, abfüllen, bekleben, Verwaltung, das läppert sich“, gibt Dirk zu bedenken. Die Zutaten stammen aus dem lokalen Handel, mitunter in Bio-Qualität. Im Sommer soll sein Vater frische Früchte aus Sizilien mitbringen, sagt Pino.

Diese „Bremensie mit Migrationshintergrund“ dürfte sich weiter herumsprechen 

Und auch sonst sind die beiden Gründer umtriebig. So trat Vanicello schon als Sponsor einer Fußballmannschaft der Wilden Liga in Bremen auf, versüßte Besuchern einer expressionistischen Vernissage die Augen- mit Gaumenfreuden oder tauchte unter dem Motto „mein Duft, mein Club, mein Drink“ mit einer Foto-Session in die Parfum-Welt ein. Auch dem Gentlemen‘s Club blieb das Getränk nicht verborgen. „Die Jungs haben eine Vorliebe für süße Liköre und den Vanicello in der Markthalle Acht probiert“, berichtet Pino. „Sie waren begeistert, vielleicht kommt es ja mal zu einer Zusammenarbeit.“ Diese „Bremensie mit Migrationshintergrund“, sie dürfte sich weiter herumsprechen. „Die Bremer Gastro-Szene ist wie eine Familie“, sagt Dirk. „Alle kennen sich.“ Und Pino fügt hinzu: „Wir machen das aus Liebhaberei, sind experimentierfreudig und freuen uns immer über neue Ideen.“

Weitere Infos unter www.vanicello.de

Auch interessant 

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare