Nichtraucher – ein Selbstversuch

Sieben Monate rauchfrei: Herrentitten sind keine Option!

Nichtraucher zu sein, war für mich lange völlig uninteressant! Ich habe sehr gerne geraucht: Mit 17 fand ich’s cool, mit Mitte 20 angemessen lässig. Jetzt bin ich Mitte 30, seit fast sieben Monaten rauchfrei und es gibt noch immer Situationen, in denen ich mir gerne eine anstecken würde – aber ich tue es nicht. Rauchen ist tödlich, das dürfte sich herumgesprochen haben. Für einen Teenager ist das kein Argument, klar. Die sind weit entfernt von Arztbesuchen und Horrordiagnosen. In meinem Alter Raucher zu sein, ist dagegen einfach nur dumm! Im Ernst: Wer sich die nachgewiesenen Giftstoffe in den Hals dampft, spielt mit beim Krebs-Roulette – rien ne va plus – wer will das schon?! Ich nicht, ich bin clever genug, vom Tisch zu gehen. Im ersten Teil dieses Selbstversuchs habe ich fünf Tipps für angehende Nichtraucher ausprobiert, im zweiten Stück über die anhaltenden „Qualen“ nach drei Monaten ohne Nikotin berichtet. In diesem dritten Teil geht es endlich bergauf – mit Sport!

Nach vier Monaten wurde mein Experiment tatsächlich zur Routine: Rauchen stand einfach nicht mehr zur Diskussion. Der Stolz, der Versuchung auch in den kniffligsten Situationen widerstehen zu können, war einem fast gleichgültigen Schulterzucken gewichen. Das heißt nicht, dass ich keinen Bock mehr auf Kippen hatte, nein, aber mein Geist wollte dem Nichtraucher offenbar keinen Beifall mehr klatschen. Alle anderen übrigens auch nicht: Bekam ich von Freunden anfänglich noch regelmäßig 'ne Hohe Fünf und aufbauende Worte wie „Respekt, geil man, zieh' durch“, war mein Verzicht nun für alle Standard, nichts Besonderes. Ich rauchte einfach nicht mehr – fertig. 

Ja, die Momente, in denen das Zigaretten-Jieper-Barometer heftig ausschlug, wurden weniger, aber gleichzeitig fehlte mir der spürbare Benefit des Nichtrauchens. Denn was wird einem im Internet nicht alles versprochen: Schönere Haut, weniger Kurzatmigkeit, mehr schmecken und vor allem ein „gesünderes Körpergefühl“. Von Wegen, stimmt alles nicht oder aber es hat bei mir einfach nicht funktioniert! Okay, ich kann jetzt besser riechen, aber das ist zumeist eher kein Geschenk. Im echten Leben stinken deutlich mehr Dinge, als dass sie gut duften – da wünscht man sich oft genug den eingequalmten Zinken zurück – egal.

Ich war ganz schön fett geworden: Neun Kilo zu viel!

Irgendwie ging es also nicht mehr voran. Stillstand. Und der ist ja bekanntlich der Tod – dann könnte man ja genauso gut wieder rauchen. Wobei Stillstand nicht uneingeschränkt korrekt ist, denn an Gewicht hatte ich in etwa vier Monaten des Rauchverzichts ordentlich zugelegt.Unter uns: Ich war ganz schön fett geworden! Ich hatte das gar nicht so recht bemerkt, bis Hosen tatsächlich nicht mehr passten, Hemden spannten und sich unter meinen T-Shirts sichtbar Brüste abzeichneten – Herrentitten! Ich bekam Herrentitten!!! Ich war bis dato immer ein recht drahtiger Typ und auch wenn ein kleiner „Wohlstandsbauch“ nicht übermäßig sexy ist, gehen solche Rundungen für mich mit Mitte 30 halbwegs klar – ist in Ordnung. Herrentitten sollte dagegen niemand haben, Herrentitten sind keine Option!

Von Panik getrieben in den Sportlerwahn

Ein lange nicht getätigter Blick auf die Waage bestätigte zudem den Anfangsverdacht – neun Kilogramm zu viel! Zur Veranschaulichung: Das kommt in etwa so, als hätte mir jemand neun Liter Milch an den Körper genagelt – neun Liter!!! Panikgetrieben fasste ich den Entschluss, zwingend etwas dagegen zu unternehmen. Gleich am nächsten Tag raffte ich mich auf: Joggen. Zunächst drei Kilometer – eine unfassbare Qual, doch ich blieb dran. Mehrmals die Woche ging ich fortan laufen, machte Sit-Ups, Liegestütze und ich spielte wieder mehr Tennis. Unter #HerrentittenSindKeineOption protokollierte ich mein Training auf Twitter, der Hashtag war mein Mantra, mein Ansporn. Und endlich tat sich wieder etwas: Ich wurde spürbar fitter, meine Lauf-App spuckte regelmäßig neue Rekorde aus, ich verlor Kilos und jetzt kommt's: das Nichtrauchen ergab endlich wieder einen Sinn. Zum einen, weil ich mit meinem früheren Rauchkonsum vermutlich nicht zehn Kilometer joggen könnte, ohne dass meine Lunge kollabiert, zum anderen, weil Sport tatsächlich hilft, die Lust aufs Rauchen merklich zu reduzieren – zumindest geht mir das so.

Ich bin jetzt fast sieben Monate Nichtraucher, die letzten drei davon wieder sportlich aktiv und die Momente, in denen ich an den Genuss einer Kippe denke, sind deutlich, deutlich weniger geworden. Klar, der Faktor Zeit spielt gewiss auch eine entscheidende Rolle, aber mein Ehrgeiz lässt momentan einfach keinen Platz für Raucherpausen. Der Wunsch, schon bald einen Halbmarathon laufen zu können, ist aktuell größer als das Verlangen, mir täglich eine Schachtel Marlboro durch die Lunge zu hacken. Verrückt und ich bin vermutlich gut damit beraten, aus diesem Sport-Hype keinen Wahn/keine neue Sucht werden zu lassen, aber wenn's hilft…

Es funktioniert

Ich fühle mich jedenfalls deutlich besser, vielleicht verspüre ich sogar dieses „gesündere Körpergefühl“, das angehenden Nichtrauchern im Internet versprochen wird, mag sein. Sicher ist indes: Es funktioniert wirklich, Sport hilft mir beim Versuch, mit dem Rauchen aufzuhören. Ach ja… und meine Herrentitten sind auch weg.

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