Tattoo-Entfernung in Oldenburg

Stichfest auf Zeit – Wenn Laser Erinnerungen löschen

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Mit diesem Laser werden im Studio von Andreas und Britta Lang Tattoos entfernt. 

Jeder fünfte Deutsche hat es bereits getan: sich tätowieren lassen. Blöd nur, wenn irgendwann der auf der Haut namentlich verewigte Partner zum Ex-Partner wird, Motive nicht mehr gefallen oder ziemlich altmodisch geworden sind. Mit einer Laserbehandlung können sich Betroffene von diesen Tattoos verabschieden. Doch wie funktioniert das? Und ist es gefährlich? Wir haben Britta Lang vom Oldenburger Laser-Studio „Endlich ohne“ getroffen und ihren Laser in Aktion erlebt.  

Sechs bis zwölf Laserbehandlungen dauert es im Schnitt, bis ein Tattoo nicht mehr zu sehen ist. Garantieren kann dies aber niemand. Die ehemalige medizinisch-technische Assistentin Britta Lang gab ihren Job im Krankenhaus vor rund einem Jahr auf, um das Laser-Studio „Endlich ohne“ in der Oldenburger Lambertipassage zu eröffnen. Hier bieten sie zusammen mit ihrem Mann Andreas Behandlungen ab etwa 60 Euro an. 

Sie entdeckte das Franchiseunternehmen am Küchentisch, zusammen mit ihrer Mutter. Damals wollte sie ihr eigenes Tattoo los werden. „Wir googeln jetzt einfach mal“, hatte sie zu ihr gesagt und tippte „Tattoo entfernen“ in die Suchzeile. Enter. 399.000 Treffer. Ein paar Wochen später saß sie im Beratungsgespräch und ahnte nicht, dass sie sich bald nicht nur von ihrem eigenen Tattoo, sondern auch von ihren Nachtschichten im Krankenhauslabor verabschieden würde.

Kaum noch zu erkennen: das türkis-schwarze Tribal auf dem Schulterblatt von Britta Lang.

Ihr Tattoo wurde bereits sechs Mal gelasert. Es erzählt von einem früheren Leben. Damals, als Lang mit ihrem ersten Mann zusammen war. Als sie alle Motorrad fuhren und sich für so unglaublich knorke hielten. „Ich war nie so eine Rockerbraut“, sagt sie heute. Immer wieder hatte ihr Mann sie gestichelt: Ein Tattoo? Das traust du dich eh nicht! Doch 1998 war es soweit. Seitdem trägt sie das schwarz-türkise Tribal auf ihrem rechten Schulterblatt. Direkt unter ihrem BH-Träger – und möchte es nur noch loswerden. Oberteile, die das Ergebnis der damaligen Trotzreaktion offenbaren, zieht sie schon lange nicht mehr an. 

Je nachdem welche Farbe das Tattoo hat, kommt bei Britta und Andreas Lang ein anderer Laser zum Einsatz.

„Tätowierungen sind in der sogenannten Lederhaut verkapselt“, erklärt ihr heutiger Mann und Facharzt für Innere Medizin Andreas, „bei der Behandlung wird das Tattoo mit der entsprechenden Gegenfarbe bestrahlt und diese Verkapselung aufgesprengt.“ Das spüren die Kunden deutlich, denn deren Haut wird dabei sehr warm. Lasern fühle sich an, wie ein dickes Gummiband, das immer wieder auf Spannung gezogen wird und anschließend auf die Haut peitscht. Daher wird die tätowierte Stelle vor Behandlungen gekühlt und währenddessen mit minus 30 Grad kalter Luft bepustet. So sei der Schmerz erträglicher. Schmerzfrei ist die Behandlung also nicht. Doch dank der Kühlung und mit ein wenig Motivation sei sie durchaus auszuhalten, sagt Britta Lang.  

Weg mit der Jugendsünde

Dies kann auch Jens Lindner bestätigen. Der 30-Jährige wird derzeit in dem Laser-Studio in Oldenburg behandelt. Seine „Jugendsünde“, wie er sie nennt, trägt er seit zwölf Jahren auf der Innenseite seines linken Unterarms: vier chinesische Schriftzeichen. Es ist eine Übersetzung von seinem Namen. Vermutlich. Was sie wirklich bedeuten, weiß er nicht. Er hat versucht es mit dem Google-Übersetzer herauszufinden. Das Ergebnis war nur sinnloses Zeug. Erst einige Zeit später wurde ihm bewusst, dass diese Zeichen eine sehr individuelle Bedeutung haben können. 

Nachdem er im Netz ein Video von einer Laserbehandlung sah, entdeckte er das Laser-Studio in Oldenburg. Bei seinem ersten Termin war er noch ziemlich aufgeregt. Mittlerweile ist es Routine für ihn. Auch wenn es umso schmerzhafter ist, je näher der Laser Richtung Handgelenk rückt, lässt es sich aushalten, sagt Lindner. Etwa zehn Sitzungen hat der Oldenburger noch vor sich, bevor auf seinem Unterarm wahrscheinlich keine Farbe mehr zu sehen sein wird.    

Erste Erfolge: Bereits nach wenigen Laserbehandlungen ist Lindners Tattoo deutlich blasser.

„Die meisten Kunden möchten ein Tattoo aus anderen Zeiten loswerden“, sagt Britta Lang. Ob der Name eines Ex-Partners, Schriftzeichen oder Tribals – oft würden Menschen nur noch negative Erinnerungen mit den Kunstwerken auf ihrer Haut verbinden. Ein Freund der Laserexpertin habe sich zum Beispiel einen Verlobungsring tätowieren lassen. Doch noch bevor es zur Hochzeit kommen sollte, trennte sich das Paar. Für Lang eine außergewöhnliche Laserbehandlung. „Er war kurz davor aufzuspringen“, erzählt sie, „denn diese Körperstelle ist natürlich sehr (!) empfindlich.“      

Punkt für Punkt: Lasern wie im Kindermalbuch 

Wie funktioniert so eine Laserbehandlung? Lang bedient nicht nur den Laser, sondern sitzt regelmäßig auch selbst auf dem Behandlungsstuhl. So auch heute. Dank der Schutzbrille färbt sich der Behandlungsraum in ihrem Studio komplett rot. Neben ihr surrt ein Kühlungsautomat. Ein grauer Schlauch pustet minus 30 Grad kalte Luft auf ihre Haut. Auf ihr Tattoo. Winzige Härchen stellen sich auf und färben sich weiß. Britta blickt auf ihren Schoß. Mit ihren Händen umfasst sie ihren schwarzen Knautschball, auf dem sie ein Smiley anlächelt. Klack, klack, klack, klack, klack – der Laser setzt die ersten Lichtimpulse. 

Nach der Behandlung ist Britta Langs Tattoo gerötet. 

Mit fünf Lichtreizen pro Sekunde wird das Tattoo bestrahlt. Jedes Mal blitzt es hell auf. Punkt für Punkt. Stich für Stich. Schmerz für Schmerz. Erinnerung für Erinnerung. Sie zuckt zusammen, presst ihre Zähne fest aufeinander. Ihr Kiefer verhärtet sich. Doch schon zehn Minuten später ist alles vorbei. „Es ist nicht gerade angenehm“, erklärt Lang, „aber schon nach wenigen Behandlungen kann man sich über tolle Erfolge freuen.“ Etwa eine Woche lang wird das Tattoo sich noch etwas bemerkbar machen, meistens jucken. Jetzt gilt es die gereizte Stelle zu pflegen. „Es fühlt sich an wie ein Sonnenbrand“, beschreibt Lang den Schmerz. 

Sechs Laserbehandlungen haben das Tribal auf Britta Langs Schulter bereits verblassen lassen:

Jens Lindners Begeisterung für Tattoos wurde von dieser Erfahrung übrigens nicht getrübt. Für Dezember hat er bereits den nächsten Termin bei einem Tätowierer vereinbart. Für ihn ist das Tätowieren an sich viel schmerzhafter, als die Laserbehandlung. Was er sich im Dezember stechen lässt, weiß er noch nicht. Das entscheidet er oft nach Bauchgefühl. Nur chinesische Schriftzeichen schließt er definitiv aus.

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