Wie Oma

Rentner-Hobbys im Test: Sind Stricken, Malen & Einkochen wirklich so langweilig?

+
Welches der Hobbys taugt am meisten?

Do-it-yourself ist nicht erst seit gestern in. Jeder Hipster, der etwas auf sich hält, hat schon mal ein Plattenregal gebaut oder einen Turnbeutel genäht. In den letzten Monaten bin ich in aber vor allem über drei Selbstmach-Trends gestolpert: Stricken, Malen und Einkochen. Das klingt wahlweise eher nach Oma oder Schulkind und nicht nach netten Freizeitbeschäftigungen. Genau deshalb habe ich mich gefragt, warum sich so viele für diese Tätigkeiten begeistern und einen Selbstversuch gestartet.

Stricken: Es hat mich wirklich Nerven gekostet!

Der nächste Schal ist schon in Arbeit.

Für Handarbeiten wie Häkeln, Sticken und Stricken hatte ich in der Schule nie viel übrig. Dauert zu lange und das Ergebnis sieht nie so aus, wie man es eigentlich haben wollte. So wäre mir eigentlich nie eingefallen, irgendwas zu stricken.

Doch im vergangenen Winter wollte ich gern einen Schal. Eigentlich ganz einfach, sollte man meinen. Er sollte aber eine bestimmte Farbe haben, ganz aus Wolle sein, und trotzdem bitte nicht kratzen. Meine Verzweiflung führte mich irgendwann in ein Fachgeschäft für Wolle. Nach einer fachkundigen Beratung hatte ich petrolfarbene, babyweiche Wolle und die passenden Stricknadeln im Sack. Ein Buch für Strickanfänger bestellte ich mir online dazu.

Natürlich war der Anfang schwer. Allein die richtige Haltung der Nadeln überforderte mich zunächst. Das Anschlagen der Maschen ist ziemlich einfach. Das Stricken der ersten Reihen dagegen weniger. Ständig habe ich von vorne angefangen, weil ich Maschen fallen gelassen hatte, rechts statt links gestrickt habe, oder plötzlich zu viele Maschen da waren. Es hat mich wirklich Nerven gekostet, das erste ganz einfache Strickstück fertigzustellen. Beim Abnehmen von der Nadel musste mir am Ende sogar jemand helfen.

Mit etwas Routine kehrte dann die Entspannung ein. Heute sitze ich, zumindest wenn es auf den Winter zugeht, gern mit Strickzeug in der Hand vorm Fernseher. Das verhindert, dass ich ständig zum Handy greife oder parallel mein Notebook laufen habe. So komme ich deutlich entspannter im Feierabend an und schlafe später besser ein. Gleichzeitig ist man ziemlich produktiv und kann sich über kuschelige Schals und Mützen freuen, die sonst keiner hat. Aktuell habe ich den dritten Schal des Winters 2016 in Arbeit, und hoffe, es irgendwann auch mal bis zu richtigen Socken zu schaffen. Kleiner Tipp: Falls Ihr selbst mal stricken wollt, könnt Ihr auch Anleitungen auf Youtube anschauen, und müsst nicht extra ein Buch kaufen.

Einkochen: Ketchup für die Zombie-Apokalypse

Zwei Gläser vom selbstgemachten Ketchup sind noch übrig.

Ich gebe es zu, Einkochen klingt wirklich nach einer Rentner-Beschäftigung. Juckt mich aber nicht. Ständig sehe ich in Foodblogs leckere, eingekochte Sachen. Alles Mögliche wird da in Gläser gesteckt und haltbar gemacht. Klassischerweise denkt man dabei an Marmeladen, Obst oder saure Gurken. Man kann aber auch Fonds, Grillsoßen oder Kuchen selbst herstellen und haltbar machen. Weil ich der Geschichte und vor allem meinen eigenen Einkoch-Künsten nicht so ganz traue, starte ich mit einem einfachen Rezept und rühre ein eigenes Ketchup zusammen. Tomaten, Sellerie, Pastinaken, Zwiebeln und Knobi in einen Topf werfen und leicht kochen lassen. Wenn alles weich ist, wird die Masse fein püriert und bis zur gewünschten Konsistenz weiter geköchelt.

Mit verschiedenen Gewürzen, Sojasoße und Salz würzen und am Ende nach Geschmack süßen. Eigentlich genügt es, das heiße Ketchup in sterilisierte Gläser zu kippen und es in den zugeschraubten Behältern abkühlen zu lassen. Weil meine Oma es mir so empfohlen hat, vertraue ich aber nicht nur auf diesen Effekt, sondern koche mein Machwerk zusätzlich im Ofen ein. Dazu gibt man Wasser auf ein etwas höheres Backblech, stellt die Gläser darauf und schiebt das Ganze in den Ofen. Sobald in den Gläsern kleine Bläschen aufsteigen, den Ofen ausdrehen und die Gläser abkühlen lassen.

Bevor sich jemand beschwert: Beim Durchforsten verschiedener Einkoch-Foren (ja, die gibt es!) habe ich gelernt, dass jeder seine eigene Technik hat. Funktioniert wahrscheinlich alles und meine Vorgehensweise, ist nicht unbedingt die beste.

Für mich war das Ganze so oder so eine ziemliche spannende Sache. Ständig bin ich zum Ofen gerannt, um zu sehen, ob es im Glas schon blubbert. Als alles fertig und wieder ausgekühlt war, habe ich sofort ein Glas geöffnet, nur um zu hören, ob das typische Knack-Geräusch entsteht. Am Ende bin ich überrascht, wie einfach es ist, Nahrung auf diese Weise haltbar zu machen. An der Rezeptur des Ketchups muss ich zwar noch etwas schrauben, aber wenn die Zombie-Apokalypse kommt, habe ich immerhin einen Vorrat, der tatsächlich nach Tomaten schmeckt.

Ausmalen für Erwachsene: Ich bin gestresst von einem Malbuch

Das Ergebnis beim ersten Ausmal-Versuch.

Noch vor wenigen Monaten meldeten Hersteller von Buntstiften, dass sie mit der Produktion kaum nachkämen. Grund waren nicht etwa mangelnde Rohstoffe oder besonders kreative Kinder, sondern Erwachsene, die sich zur Entspannung massenhaft Malbüchern widmeten. Fand ich ziemlich seltsam. Als ich mich im Bekanntenkreis umhörte, gaben nur wenige verschämt zu, selbst dem kindlichen Hobby nachzugehen. Die, die es taten, waren aber begeistert!

Ich beschloss, dem Ausmalen eine Chance zu geben und wühlte in einem Onlineshop durch das unfassbar große Angebot an Erwachsenenmalbüchern. Was man so alles ausmalen kann! Mandalas, Tiere, Gärten, Bauwerke und sogar Schimpfwörter. Ich entschied mich für ein Buch mit dem Titel „Animorphia“ von Kerby Rosanes, weil sich das Buch optisch von den anderen abhob und etwas mehr Raum für tatsächliche Kreativität versprach.

Das eigentliche Highlight waren aber die Buntstifte! Ich gönnte mir einen riesigen Metallkasten mit 36 verschiedenen Farben. Ein Kindheitstraum wurde wahr! Weil mir das Ganze irgendwie peinlich war, startete ich den ersten Ausmalversuch, als ich alleine zuhause war. Stifte raus, Malbuch auf und los geht’s. Ich wagte mich erst mal nur an ein einseitiges Motiv. Tatsächlich schaltete sich mein Hirn beim Malen ziemlich aus. Weder die Arbeit oder andere nervige Themen geisterten noch durch meine Hirnwindungen.

Doch mein anfänglich positives Urteil schlug schnell um. Schon beim zweiten Bild war ich schnell genervt. Für mich hat es ziemlich wenig mit Kreativität zu tun, wenn ich vorgegebene Bilder mit Farben fülle. Außerdem hatte ich immer das Gefühl, ein angefangenes Bild auch in einem Zug fertigstellen zu müssen. Der Effekt: Ich war gestresst von einem Malbuch! Auf Dauer machte mich das Gekritzel sogar irgendwie aggressiv. Also, falls noch jemand ein Malbuch braucht, ich hätte da eins abzugeben. Aber die grandiosen Buntstifte gebe ich nicht wieder her!

Fazit: Kann man mal machen!

Warum Selbstmachen so beliebt ist, kann ich verstehen. Man schafft Zeit für sich. Dabei arbeitet man nicht, ist aber trotzdem produktiv. Vermutlich mag ich deshalb auch die hippen Malbücher für Erwachsene nicht. Sie haben für mich absolut nichts mit Kreativität oder Produktivität zu tun. Ich finde sie einfach stumpf. Beim Einkochen und Stricken werde ich sicherlich bleiben. Beides entspannt mich irgendwie und bietet für mich einen persönlichen Mehrwert. Kann man mal machen!

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare