Stepptanz-Schnupperstunde 

Für flinke Füße: Ein Selbstversuch beim Irish Dance

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Mathias Weber leitet eine Irish-Dance-School in Bremen und Oldenburg.

Synchrone Fuß-Akrobatik in Zweierreihen, irische Volksmusik und das typische Klackern – wer an den irischen Stepptanz denkt, hat meist sofort diese Bilder im Kopf. Auch wenn die Musikrichtung nicht jedermanns Sache ist, fasziniert die meisten vor allem das Timing, dass die Tänzer an den Tag legen. Das kann ja nicht so schwer sein, denk ich mir naiv. Zwei Minuten, nachdem mein Schnupperkurs beginnt, werde ich eines Besseren belehrt, und wie.

Die wohl bekanntesten Vertreter des Irish Dance sind die Profis von Riverdance. Seit ihrem Auftritt als Pausenfüller beim Eurovision Song Contest 1994 sind sie weltberühmt und verbinden in ihrer Show die Geschichte des irischen Stepptanzes mit modernen Einflüssen. Mit ihren Tourneen haben die Profis der Beliebtheit des Tanzstils weltweit einen kräftigen Schub verpasst.

Doch wie schaffen die es, „nur“ mit Tanzschritten so einen Sound zu erzeugen? Und kann das wirklich so schwer sein? Mir bleibt nur eins: Ich muss es selbst ausprobieren. Ein vollkommener Neuling bin ich auf der Tanzfläche nicht. Zugegeben, mittlerweile beschränkt sich das bei mir eher auf Freestyle im Club oder Standard beim Ball. Aber zu Schulzeiten war das anders. Jahrelang war ich in einer Jazz-Dance-Gruppe aktiv. „Peinliche“ Auftritte auf dem Schützenfest, Sportveranstaltungen und Geburtstagen inklusive – typisch Dorfmädchen halt. Mal sehen ob mir das beim Irish Dance weiter hilft.

Die sechs Mädels aus dem Oldenburger Kurs trainieren einen Abend pro Woche für Auftritte wie bei der Christmas-and-more-Messe in Bremen.

Ich lande bei der Irish Dance School von Matthias Weber. Ein Abend in der Woche trainiert er seine sechs Mädels in Oldenburg. „Diese Gruppe steht noch relativ am Anfang“, erzählt mir der Tnazlehrer, „daher fangen wir erstmal mit Softshoes an.“ „Kein Klackern?“, denke ich und bin etwas enttäuscht. Denn die Soft-Variante sind enge Schlappen, ähnlich wie Ballettschuhe und machen gar keine Geräusche. Und dass sei auch gut so, erklärt mir Mathias. Gerade zu Beginn müssten sich die Füße erstmal an die Steppschuhe und vor allem an die richtige Fußstellung gewöhnen. „Leider verbinden die meisten Menschen Irish Dance nur mit dem typischen Geräusch. Aber es gibt auch so viele schöne Softshoe-Tänze“, betont Mathias Frau Alex. Nun gut, dann halt erstmal die stille Variante. Von mir aus.

Bevor es in die Hardshoes geht, braucht es jede Menge Übung.

Die Schnupperstunde startet wie jeder Sportkurs erstmal mit dem Aufwärmen. Der Fokus liegt hier natürlich auf den Füßen. Kreisende und streckende Bewegungen bringen unsere Quadratlatschen in Schwung. Dann geht es an einen Grundschritt: Side-Steps. „Die nächsten Schritte wirst Du nicht hinbekommen“, warnt mich Mathias vor, „mach einfach mit den Übungen weiter.“ Hm, okay. Während ich abwechselnd mit den Füßen Kreise in die Luft ziehe, legen die anderen Mädels die ersten Schritte auf's Parkett. Ihre Oberkörper bleiben dabei stets kerzengerade, sie bewegen sich kaum. Ihre Arme hängen leicht angespannt neben dem Körper herunter. Sieht irgendwie ziemlich anstrengend aus. Scheint es auch zu sein, denn die freundlich lächelnden Gesichter wandeln sich in hochkonzentrierte Mienen. Diese strenge Körperhaltung ist beim Irish Dance ein wesentliches Merkmal. Später merke ich: Neben den vielen Schritten noch passende Moves mit den Armen? – Kein Chance! Selbst wenn ich wollen würde, das funktioniert gar nicht.

Meine Fußstellung – eine Katastrophe!

Mathias Weber kramt fürs Training die auffälligen Pünktchen-Socken hervor. 

Eigentlich dreht sich beim Irish Dance also wirklich alles um die Füße. Mit seinen bunten Pünktchen-Socken tut Mathias sein Bestes, um die volle Aufmerksamkeit seiner Gruppe gen Fußboden zu lenken. „Das ist der Eyecatcher, den es braucht“, lacht er. „Schau mir einfach ganz genau auf die Füße. Ich zeig dir den Schritt erstmal ganz langsam.“ Bevor er mir die erste Schrittfolge vorführt, erklärt der Experte mir die richtige Fußstellung, die Grundlage überhaupt. Erstmal den rechten Fuß vor den linken stellen, dann den vorderen um etwa 45 Grad nach links drehen und den hinteren nach rechts drehen. Fertig ist „Cross-Over“ und „Turn-Out“. Puh, ganz schön unbequem. Zuletzt noch „Pull-Up“, also nur auf den Ballen stehen – wie eine Ballerina. „Im Stepptanz tanzen wir fast nur auf den Ballen“, erzählt mit Mathias, „es gibt nur ganz wenig Schritte, bei denen man nicht so steht.“

Während ich versuche mit meinem verkreuzten Beinen die Balance zu halten wird mir klar, warum ich hier in Socken und nicht in den harten Steppschuhen stehe. Kaum vorstellbar, wie sich das hier in den Hardshoes mit der sperrigen Sohle anfühlen muss. Und dann geht’s los. „Springen, laufen, stehen, freies Bein – und nochmal“, zählt Mathias an. Okay, sieht jetzt nicht unglaublich schwer aus. Nach ein paar Versuchen klappt es ganz gut. Doch grazil ist anders. In meinem Kopf zähle ich laut mit, setzte einen Fuß vor den anderen und versuche ja mein Gleichgewicht nicht zu verlieren. Doch meine Fußstellung? Eine Katastrophe! Und das in Steppschuhen? No Way!

Kurzum: Den anspruchsvollen Tanz einmal selbst zu testen, war wirklich eine Erfahrung wert. Mathias ist echt ein netter Typ und vor allem kompetenter Tanzlehrer. Aber für mich ist das einfach nichts. Da setz ich mich doch lieber mit einem Guinness in den Irish Pub am Waffenplatz und lausche der Livemusik, um einen irischen Abend zu verbringen. Aber in die Steppschuhe kriegt mich keiner. Sorry!

Nach den Grundschritten in Softshoes überlasse ich die Hardshoe-Einheit lieber den Profis und schaue zu.

Wer nun neugierig geworden ist und Irish Dance selbst probieren möchte, hat im Februar Gelegenheit dazu. Denn Mathias bietet dann an allen Freitagen jeweils von 17-18 Uhr einen kostenlosen Probe-Workshop im Proberaum in der Kulturetage in Oldenburg an. Mehr Infos dazu bekommt Ihr hier. 

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