In der Steilkurve der Sixdays Bremen

Ohne Bremsen gegen die Wand: Bahnradfahren im Selbstversuch

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nordbuzz-Redakteur Tobias Picker hat sich für seinen Selbstversuch auf ungewohntem Terrain bewegt - in der Steilkurve der Sixdays-Bahn.

Einfach aufs Rad steigen und seine Runden drehen: Bei den Bremer Sixdays sieht das immer so einfach aus, wenn die Profis durch das Rund der ÖVB-Arena brettern. nordbuzz-Redakteur Tobias Picker musste in seinem Selbstversuch auf der Bahn jetzt aber feststellen: Der Schein trügt, und plötzlich ging ihm ganz schön der Stift, als er ungebremst auf die gewaltige Steilkurve zurollte. Hier sein Bericht.  

Von wegen, Fahrradfahren kann man nicht verlernen. Dann setzt Euch doch mal auf so ein Bahnrad mit Blick auf die Steilkurve. Bei den Bremer Sixdays in der ÖVB-Arena ist das sogar eine richtig steile Steilkurve – im 53-Grad-Winkel. Da bekommt man schon ein wenig das Gefühl so einiges am Fahrradfahren wieder verlernt zu haben. 

Vorher einige Tipps von echten Sixdays-Teilnehmern, hier sieht Tobias Picker noch entspannt aus. Im Hintergrund: Die 53-Grad-Steilkurve.

Entsprechend groß ist meine Verwunderung, während ich mich im Rund der ÖVB-Arena zitternd auf das Rad setze und Trainer Achim mehr rhetorisch und mit einem gefühlten Augenzwinkern frage, ob ich irgendwas beachten muss. „Nö“, antwortet Achim knapp, „häng Dich einfach an mein Hinterrad“. Moment mal. So einfach kann das doch nicht sein. Immerhin sitze ich hier auf einem Fahrrad ohne Bremsen, bei dem auch noch die Pedale fixiert sind. Heißt: Ich darf nicht aufhören zu treten, da die Pedale nicht aufhören werden sich zu drehen. Und einfach die Füße von den Pedalen nehmen, ist auch leichter gesagt als getan: Meine speziellen Radrennschuhe sind nämlich zu allem Überfluss noch an die Pedale fixiert. Und da soll ich nichts beachten, während wir auf die 53-Grad-Kurve der Parkettbahn zurollen?

Das Rad rollt, ob ich will oder nicht

„Häng Dich einfach an mein Hinterrad“, sagt Trainer Achim, bevor er Picker in die Steilkurve leitet.

Kalter Schweiß und ein wenig Übelkeit, dann kommt die Kurve, und sie wird steiler und steiler. Ohne Mist: Von außen mag das total unspektakulär aussehen. In echt jagt mir die Kurvenfahrt aber ganz schön das Blut durch die Bahnen, als sich die Wand neben mir auftürmt. Wie im Katastrophenfilm, wenn die gewaltige Flutwelle oder die massive Staubwolke auf die entsetzten Protagonisten zurollt. Ich bin noch ganz am unteren Teil der Bahn, doch die Kurve ist schon hier so steil und ich stehe so aufrecht auf der Bahn, dass ich das Gefühl habe, jeden Moment die Haftung verlieren zu müssen. Wie im Comic, wenn die Trickfigur beherzt gegen die Wand gedonnert wird und nun ganz langsam an der Mauer nach unten rutscht. Meine Sorge allein ist, dass ich nicht langsam abrutschen werde, sondern mit einem saftigen Klatschen auf die Seite falle – die Füße, wie gesagt, an die Pedale fixiert, die Pedale wiederum im Rhythmus der Geschwindigkeit sich weiterdrehend.

Volle Bahn - macht die ersten Runden nicht einfacher 

Und plötzlich ist die Kurve geschafft, ich bin heil, das Rad läuft weiter – ob ich will oder nicht. Ich habe nach dieser ersten Kurvenerfahrung ein starkes Bedürfnis, einfach anzuhalten. Kannste ja aber vergessen, die Bremsen fehlen und das Rad wird weiterlaufen, so oder so. Die nächste Kurve kommt, die nächste Kurve geht vorbei. Ich lag diesmal zwar etwas entspannter an der Wand, doch ich merke schon jetzt und nach den nächsten drei oder vier Kurven besonders, wie mir etwas schwindelig wird. Ich verliere auch die Orientierung. Keine Ahnung, welche der Kurven ich gerade passiert habe, alles dreht sich.

Plötzliche Euphorie: Nächstes Jahr mach‘ ich ernst

Es dauerte nicht lange, bis die Sache richtig Spaß machte.

Und dann passiert das Unglaubliche, das Unvorhergesehene: Es fängt an, Spaß zu machen. Mit ordentlich Schwung rausche ich in die Kurve, kann die Wand schon viel höher anfahren als vorher, spüre die Euphorie und frage mich, warum ich mich eigentlich nicht für die das Jedermann-Rennen der Bremer Sixdays angemeldet habe. Es bringt Bock und die Atmosphäre muss riesig sein, wenn die Ränge noch mit Publikum besetzt sind. Nächstes Jahr dann. Allerdings: Bis dahin muss ich noch ordentlich trainieren, denn die Nummer ist richtig anstrengend. Je höher man die Steilwand anfährt, desto anstrengender wird es, denn die Geschwindigkeit muss stimmen, um am Ende eben nicht doch irgendwann die tragische Comic-Figur zu geben.

nordbuzz-Selbstversuche

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