Ein Six-Pack in 90 Tagen?

Selbstversuch Waschbrettbauch: Nebenbei zum Hollywood-Körper?

+
Selbstversuch Waschbrettbauch: Der Anfang sowie das das Resultat nach 30 und nach 90 Tagen.

Als Hollywood-Star Christian Bale vor vielen Jahren zum ersten Mal als Batman auf der Kino-Leinwand zu sehen war, staunte ich nicht schlecht. Kurz zuvor hatte ich den Schauspieler noch in „The Machinist“ gesehen, abgemagert, schwächlich – und nur einige Jahre später: Batman? Unglaublich. Wie kann man seinen Körper so schnell transformieren? Kann ich das auch? Und wie lange bräuchte ich dafür, mir einen veritablen Hollywood-Körper anzutrainieren? Schaff' ich es bis zum Waschbrettbauch? Fragen über Fragen. Ich hab' das einfach mal ausprobiert.

Die Bedingungen

#pickerpumpt. Der Selbstversuch Waschbrettbauch im Laufe der Zeit:

Ich bin kein Hollywood-Star, klar. Ich habe keine millionenschwere Gage in Aussicht, keinen persönlichen Koch, der mir zur rechten Zeit meine durchgetakteten Mahlzeiten serviert, keinen Privat-Trainer, der mich aufpumpt. Ich muss mich selbst zum Sport aufraffen, muss jeden Tag ganz normal zur Arbeit gehen, und habe zudem auch noch den einen oder anderen sozialen Kontakt, den es trotz Trainings zu pflegen gilt. Wenn ich den Selbstversuch Waschbrettbauch mache, dann so, dass es mir jeder beliebige Typ nachmachen könnte. Wie erreiche ich mein Ziel also trotz meines ganz normalen Alltags? Wichtig: Das Ganze muss in einem gesund Rahmen bleiben, und auch irgendwelche mutmaßlich schädlichen Präparate möchte ich nicht zu mir nehmen. Das muss auch so gehen.

Selbstversuch im Selbstversuch: Elektrische Muskelstimulation im Test.  

Das Fitness Loft Bremen in der Neustadt nimmt mich für meinen Selbstversuch Ende September unter seine Fittiche. Die Gesundheitsexperten meinen, bei meiner bisherigen körperlichen Konstitution müsste ich das in zwölf Wochen schaffen. 90 Tage bis zum Waschbrettbauch, klingt gut. Doch der Preis ist hoch. Fast tägliches Training, und eine strenge Ernährung, die ich mir so sicher nicht freiwillig ausgesucht hätte. Tatsächlich schlugen meine Pumper-Ambitionen schnell in eine brutale Diät um.

Das Grundproblem

Am Anfang war das „Fass“.

Zitat eines einfühlsamen Kollegen, als ich ihm das Vorher-Nachher-Ergebnis nach zwölf Wochen zeige: „Gut, vorher warst Du halt auch ein Fass.“ Zugegeben, ich war schon mal schlanker als zum Start im September. Kennen wir ja alle, man lässt sich halt auch gern mal gehen. Hätte ich gewusst, wie viel Arbeit ich mir später damit machen würde, hätte ich in den Monaten zuvor sicher auf die eine oder andere Tafel Schokolade verzichtet. Jetzt muss das Fett weg, das ist die oberste Prämisse bei meinem Trainingsplan – und das größte Problem.

Denis und Rouven vom Fitness Loft Bremen, ihres Zeichens tiefgründig geschult in Fitness-, Präventions-, Orthopädie- und Gesundheitsfragen, erklären mir gleich zu Beginn, wie es nicht gehen wird: Denn Fettverbrennung und gleichzeitiger Muskelaufbau sind praktisch widersprüchlich. Um den Speck loszuwerden, muss ich mich unterkalorisch ernähren, heißt: Weniger Energie zu mir nehmen, als ich am Tag verbrauche. Andersrum beim Muskelaufbau: Hier bräuchte mein Körper mehr Kalorien als ich ihm in der ganzen Zeit des Selbstversuchs zumuten kann. Zeitweise habe ich in enger Absprache mit den Trainern im Fitness Loft sogar nur 500 Kalorien am Tag zu mir genommen.

Das birgt dann sogar die Gefahr, dass mein Körper zur Energiegewinnung das Muskeleiweiß angreift. Statt sich zum Schrank zu transformieren geht es also sogar darum, nicht noch schwächer zu werden. Denis und Rouven erstellen mir aber einen Trainings- sowie einen Ernährungsplan, der ausreichend Tricks enthält, um den Abbauprozess zu verhindern.

Das Ergebnis

Die deutlich abgespeckte Version nach 90 Tagen. 

Fast jeden Tag war ich in der Mucki-Bude, habe nach Feierabend an den Hanteln gepumpt und mich mit Intervall-Sprints ausgepowert. Es war brutal. Da sollte ich doch ein gewisses Ergebnis von mir selbst erwarten können. Und doch: So ein Waschbrettbauch ist ja auch relativ. Das ist vielleicht meine Erkenntnis des Jahres, während ich vor dem Spiegel stehe und taste, fühle. Da ist das Ding. Ich spüre den Schildkrötenrücken, das ultimative Symbol männlicher Eitelkeit. Nur zu sehen ist er lediglich in Ansätzen. Ärgerlich, ging die Fettverbrennung am Ende doch nicht schnell genug? 

Nackte Zahlen: In zwölf Wochen habe ich starke 13 Kilogramm Körpergewicht verloren: Von 88 runter auf 75. Das sieht man. Eine Power-Diät war aber nicht unbedingt das Ziel des experimentellen 90-Tage-Programms. Es fehlt schlicht noch an Muskelmasse, die ich mit der jetzigen Ausgangssituation aber sicher flott dazugewinnen kann – relativ. Fest steht für mich: Ich bleib da jetzt dran, bis der letzte Speck verbrannt ist. Und ich werde weiter darüber berichten.

Fazit: Für wen solch ein Programm geeignet wäre - und für wen nicht

Hier findet Ihr alle nordbuzz-Selbstversuche.

Mit dem erreichten Ergebnis bin ich insofern zufrieden, als dass der Aufwand und die Qual doch geringer waren, als ich zuerst vermutet hätte. Das schlimmste war die Planung: Ernährung nach dem Intermittent-Fasting-Prinzip mit täglich 16-stündigen Fasten-Perioden erfordert eine gute Vorbereitung. Denn mal eben in der Mittagspause zum Bäcker zu gehen fällt flach. 250 Gramm Proteinhaltiges zum Frühstück, 150 Gramm Kohlenhydrathaltiges ohne Weizen plus 75 Gramm Proteinhaltiges zum Mittag und 100 Gramm Proteinhaltiges als Abendessen - und viel Gemüse. Das alles in einem Zeitrahmen von acht Stunden, um hinterher die 16-stündige Fastenzeit zu ermöglichen. 

Vor allem eines ist bei einem solchen Plan nicht möglich: Gemeinschaftlichkeit. Ich selbst musste dabei kaum auf jemanden Rücksicht nehmen. Ein Familienvater hätte sicher mehr zu leiden. Bei mir konzentrierte sich die größte Einschränkung auf soziale Kontakte nach der Arbeit. Gemeinsam ins Restaurant oder auf ein Bier zum Feierabend war schlicht nicht möglich. Alles, was ich dann noch zu mir nehmen durfte, war Wasser oder ungesüßter Tee. Auf Partys sorgte das zwar immer wieder für Gesprächsstoff, ging mir aber nach einer Weile auch gehörig auf den Zeiger. Wer es eilig hat, ist mit solch einem Programm aber sicher gut bedient. Dann hat man es schnell hinter sich, wenn man nicht so auf harte Workouts steht. Mir haben sie tatsächlich sogar Spaß gemacht. Man überrascht sich ja immer wieder selbst.

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare