Getränke für die Massen

„3 Wodka, 2 Bier und Deine Handynummer“: Selbstversuch als Thekenkraft beim Ferdinands Feld

+
Tausende Festival-Gänger, die alle was zu trinken brauchen. Und da kommt nordbuzz-Autorin Lara Schmidt ins Spiel.

Wie würdest Du Dich fühlen, wenn 10.000 Menschen gleichzeitig was von Dir wollen? Und natürlich ist jeder von diesen 10.000 so besonders, dass er eine Mische mit noch viel mehr Liebe und einem extra Schuss mehr verdient hat. Klar. nordbuzz-Autorin Lara Schmidt hat beim Elektro-Festival Ferdinands Feld 2017 auf dem Flugplatz in Rotenburg (Wümme) hinter der Theke gearbeitet und durfte somit den steigenden Alkoholpegel von Anfang bis Ende miterleben. Hier ihr Bericht.

11 Uhr: Wenn das Gesundheitsamt klopft

Das Ferdinands Feld Festival umfasst insgesamt vier Bühnen. Für jeden Elektro-Festival-Gänger ist etwas dabei. Große Nummer. Klar, dass da auch Ordnung herrschen muss – auch an meinem Arbeitsplatz, an dem ich mich am Vormittag einfinde. Heißt: Das Gesundheitsamt ist da. Prima. Gleich die erste Hürde. Zum Glück läuft alles glatt und ich kann die Fragen zufriedenstellend beantworten. Puh. Also rein ins Spektakel. Nach und nach kommen dann schließlich auch die Gäste. Und tatsächlich laufen die ersten Stunden erstaunlich reibungslos. Nette Kollegen, gutes Wetter, lachende Gäste. Zum Nachmittag hin wird es allerdings immer verrückter.

16 Uhr: Der Pegel steigt, und ich brauche eine Fantasie-Handynummer

„Ein Wooodka-Jägi“ lallt mir jemand zu. Ich fragte extra noch einmal nach und siehe da, es bleibt dann doch bei einer Wodka-E-Mische. Solche Bestellungen kommen immer mal wieder vor. So wie das kuriose Phänomen des Schöntrinkens: Meine Kollegin wurde mit Komplimenten überhäuft, mein Kollege von Damen besonders angelächelt und auch ich bekam gegen Mitternacht ein nettes Liebes- und Rendezvous-Angebot eines Soldaten. Mit Hilfe einer falschen Handynummer meinerseits ging die Situation für alle in diesem Moment zufriedenstellend auseinander (Lieber Soldat, falls Du das lesen solltest und Dich erinnern kannst: Entschuldige). 

Immerhin einen entspannten Sonnenuntergang gibt es von meinem Arbeitsplatz aus zu sehen.

Auch Dramen um Damen mit ihren Freunden sind allerorts zu beobachten. Korrigiere: Ex-Freunden. Eine Beobachtung, die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist: Zwei Knutschende bei uns am Tresen. Ein Pärchen, offenbar – das denken wir zumindest. Kurze Zeit später kommt dann aber die echte Freundin des Typen zu uns und das Drama nimmt seinen Lauf. Weggucken kann man da natürlich nur schwer, aber als völliger Stalker abgestempelt werden, will man ja auch nicht. Ich putze also einfach noch einmal unauffällig den nahe gelegenen Tresen. Da haben alle was von, denke ich mir.

2 Uhr: Feierabend

Müdigkeit und schmerzende Füße werden zum Ende hin immer akuter. Man sollte eins niemals unterschätzen: Service-und Thekenjobs sind definitiv anspruchsvoll und anstrengend. Das habe ich an diesem Tag durchaus gelernt. Nach 16 Stunden dann mein wohlverdienter Feierabend, die Fahrt zurück nach Bremen und mein Bett. Endlich. Mein persönliches Fazit für diesen Tag: Es macht Spaß und es ist witzig, was für unterschiedlichen Menschen man hinter und vor der Theke so begegnet. Gleichzeitig ist es echt eine Herausforderung, cool und gelassen zu bleiben – besonders nach so vielen Stunden und gerade wenn betrunkene Gäste anstrengend werden. Ab jetzt gebe ich bei meinen Bestellungen definitiv gerne mal das eine oder andere Trinkgeld mehr.

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare