Teil 1: Es muss sich etwas ändern

Selbstversuch eines Shopaholics: Keine Klamotten online kaufen – bis zum Jahresende

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Symbolische Szene aus "Shopaholic – Die Schnäppchenjägerin". In meinen Schränken türmen sich zwar keine exklusiven Designerstücke aber dennoch jede Menge Klamotten.

Ohren gespitzt und aufgemerkt, denn nun ist es offiziell: Ich habe mir vorgenommen, bis zum Ende des Jahres keine Klamotten mehr im Internet zu shoppen! Das mag für viele von Euch vielleicht lächerlich klingen, ist für mich aber wirklich eine große Nummer. Warum? Auch wenn es mir schwer fällt, es auszusprechen: Ich bin süchtig nach Online-Shopping.

Zur Erklärung: Ich hatte schon immer ein Faible für Klamotten – nicht umsonst wurde ich beim Abi-Ranking in der Kategorie „Modeopfer“ auf den ersten Platz gewählt und habe im Anschluss Mode-Journalismus und Medienkommunikation studiert. 

Zwar ist seitdem eine Menge Wasser die Weser runter geflossen, und ich jage schon lange nicht mehr jedem Modetrend nach, dennoch platzt mein Kleiderschrank – pardon, meine Kleiderschränke – aus allen Nähten. 

Die Gier nach Schnäppchen

Im Laufe der Zeit habe ich mich zu einer regelrechten Online-Schnäppchen-Jägerin entwickelt. So scanne ich jeden Morgen meine Lieblings-Outlet-Stores nach brauchbaren Schätzen. 

Regelmäßig landen Unmengen von Klamotten in meinem virtuellen Warenkorb. Schließlich weiß man ja nicht genau welche Größe passt, deshalb werden einfach drei verschiedene geordert. Und wenn ich schon mal dabei bin, kann ich ja gleich noch das schwarze Top einpacken – davon kann man ja nie genug haben. 

Auf diesem Weg summieren sich die Schnäppchen nicht selten zu einem stolzen dreistelligen Betrag. Aber Gott sei Dank gibt es bei PayPal die Option „in 14 Tagen zahlen“. Mit etwas Glück wird der Betrag also erst fällig, wenn die unpassenden Teile bereits retourniert wurden und die zu zahlende Summe etwas zusammengeschmolzen ist. Ansonsten hab ich ja noch die gute alte Kreditkarte.

Shoppingsucht - laut Spiegel Online ist jeder 20. betroffen

Ungesundes Verhalten mit verheerenden Folgen – nicht nur für mein Konto 

Dass dieses Verhalten nicht nur für mein Konto ungesund ist, dämmerte mir schon lange. Wahrhaben wollte ich es jedoch nicht. Ich bin nämlich nicht nur shopping-süchtig, sondern auch eine ganz große Nummer, was das Verdrängen von Tatsachen angeht. 

Was meinen Gedankenwandel bewirkt hat? Nicht zuletzt das Interview mit der wunderbaren Gitana, die in ihrer Bremer Modemanufaktur nachhaltige, hochwertige und schöne Kleidung herstellt und genau solche Leute wie mich zum Umdenken animieren will: Weg von Fast-Fashion, die von Ketten wie Primark angeboten wird und für deren kostengünstige Herstellung Menschen unter widrigsten Bedingungen arbeiten müssen.

Zeit, die harten Fakten auf den Tisch zu bringen und die negativen Auswirkungen meines unkontrollierten Online-Shopping-Wahns aufzulisten:

Die negativen Auswirkungen für mich 

  • Ich gehe immer mit viel Geld in Vorlage und verliere den Überblick über meine Finanzen. Die Kreditkartenabrechnung erwischt mich nicht selten eiskalt und zum ungünstigsten Zeitpunkt.
  • Ich betreibe einen wahnsinnigen logistischen Aufwand, um meine Pakete abzuholen, die Klamotten anzuprobieren, wieder einzupacken und zur Post zu bringen. Das kostet sehr viel Zeit und Nerven. 
  • Manchmal versinke ich regelrecht im Verpackungs-Chaos, sodass ich niemanden spontan in meiner winzigen Wohnung empfangen kann und mag. Man könnte mich für eine Art Shopping-Messi halten – und hätte damit Recht

Die negativen Auswirkungen für mein Umfeld 

  • Mit dem Online-Shopping trage ich zur prekären Lage des Einzelhandels bei, der seit geraumer Zeit von den vielfältigen Shopping-Möglichkeiten im Internet bedroht wird. Folge: Die Innenstädte sterben aus, weil immer mehr Einzelhändler die Segel streichen müssen. 
  • Dadurch, dass man die Klamotten nicht vor Ort im Laden anprobiert, um herauszufinden, ob sie einem stehen und/oder welche Größe man benötigt, werden gerne mehrere Größen oder Kleidungsstücke zur Auswahl bestellt. Und das natürlich nicht nur von mir. Die Folge: DHL, Hermes, dpd und Co. sind vollkommen überlastet und es fehlt an allen Ecken und Enden an Paketzustellern. 
  • Die Umwelt wird durch die Fahrerei der Paketdienste und der Kunden, die diese abholen und wieder wegbringen sowie durch die benötigten Verpackungs – und Versandmaterialien stark belastet.

Zeit für einen kalten Entzug!

Deshalb ist es jetzt höchste Zeit für einen kalten Entzug! Bis zum Ende des Jahres wird nichts mehr online gekauft. Sollte ich dringend etwas benötigen, wird es im Einzelhandel erstanden.

Mein Ziel ist es, das Geld, das ich bis zum Jahresende spare, nicht nur meiner Urlaubskasse zugute kommen zu lassen, sondern mir ein schönes, nachhaltiges und in Bremen produziertes Stück zu kaufen, das ich nicht in die hinterste Ecke meines Kleiderschranks schleudere, nachdem ich es drei Mal getragen habe. Gerne ein auf mich angepasstes Kleid oder Oberteil von LaGitana oder einen individuellen Kapuzenpullover von Huddy.

Der Entschluss steht also fest. Und dass ich mein Vorhaben öffentlich mache, wird mich hoffentlich zum Durchhalten motivieren.

Wie mein Selbstversuch läuft, ob und welche Entzugserscheinungen er mit sich bringt? Das könnt Ihr bald im zweiten Teil des Experiments lesen.

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