Beim Training zum „Crow-Mountain-Survival“ in Bremen

Nimm das, Schweinehund! Selbstversuch beim OCR-Training auf dem Stadtwerder

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OCR-Training in Bremen: Beim ATS Buntentor habt ihr die Möglichkeit dazu.

Dreckig, nass, kalt. Drei Wörter, die mir in den Sinn kommen, während ich in ein Becken gefüllt mit 5.000 Liter Schlamm springe. Hastig versuche ich, mich durchzukämpfen. Gar nicht so einfach, wenn über dem Becken noch ein Netz gespannt ist. Was mache ich hier eigentlich? Ich bin beim OCR-Training! Aber der Reihe nach. Von Leoni Hentschel

Sonntagmorgen, Nieselregen – und ich befinde mich auf dem Gelände des Sportvereins ATS Buntentor in Bremen. OCR-Training ist das Stichwort. Eine Sportart, die auch in Deutschland immer mehr Anhänger findet. Weil nicht einfach nur gelaufen wird. Weil die Strecken mit Hindernissen gespickt sind, die es in sich haben. Weil es quer durch die Natur geht. „Tough Mudder", „Strong Man" oder „Lakerun" – davon habt Ihr vielleicht schon gehört. So krass geht es in Bremen nicht zur Sache. Aber ganz ehrlich: Mal eben so im Vorbeigehen werdet Ihr diesen Hindernislauf nicht absolvieren. Außer, Ihr seid zufällig Tim Krüger.

Der 30-jährige betreibt den OCR-Sport (Obstacle Course Racing) seit 2016 – und nimmt sogar an den Europameisterschaften teil. Außerdem ist er zusätzlich auch „klassischer“ Langstreckenläufer, eine echte Sportskanone also. Mit ihm zusammen absolviere ich ein öffentliches Training für den 1. Crow Mountain Survival, eine Veranstaltung, die am 23. September stattfinden wird.

Als Video: Mein erster OCR-Kontakt!

Zum Start: 5.000 Liter Schlamm

Bevor wir loslegen, erklärt mir Tim, was genau hinter der Extremsportart steckt. Hört sich faszinierend und gleichermaßen anstrengend an. Für mich als Rookie soll es zunächst auf die 4-Kilometer-Strecke gehen. Ich bin sehr erleichtert, das zu hören. Die Hindernisse haben unter anderem Namen wie „Badewanne“, „The Beach“ und „Reifenwechsel“. Noch kann ich mir nichts darunter vorstellen. Meine anfängliche Skepsis entwickelt sich jedoch immer mehr zur Neugier.

Wir starten auf dem Gelände vom ATS Buntentor, auf der Sportanlage Kuhhirten/Stadtwerder. Ziemlich ahnungslos laufe ich neben Tim im Regen her, auf dem Weg zum ersten Hindernis. Ein Hindernis, das es in sich hat. Vor uns steht ein Becken, gefüllt mit 5.000 Litern Schlamm. Darüber ist zu allem Überfluss ein Netz gespannt. Jetzt weiß ich zumindest, was sich hinter dem Namen „Badewanne" verbirgt...

Nachdenken? Fehlanzeige!

Tim springt hinein, kriecht auf allen Vieren durch das Becken und hat dabei mächtig Spaß. „Jetzt du!“ sagt er. Ich überlege einen Moment, packe dann all meinen Mut zusammen und springe auch in den Schlamm. Das Adrenalin packt mich sofort. Dazu kommt der Ehrgeiz – ich will da unbedingt durch! Und irgendwie gelingt mir das dann auch. Von oben bis unten mit Schlamm bedeckt, aber dennoch mit einem Grinsen im Gesicht, krieche ich aus dem Becken. Jetzt kann es losgehen!

Wir laufen weiter in Richtung Werdersee, natürlich auch durch das Wasser. Nachdenken? Fehlanzeige! Immerhin geht der ganze Schlamm von meinen Klamotten ab. Das dürfte wohl das Hindernis „The Beach“ gewesen sein. Weiter geht es über eine freie Rasenfläche. Beim Crow Mountain Survival wird dort allerdings ein „lebendiges Hindernis“ sein. Tim erklärt: „Dort werden mehrere Rugby-Spieler stehen und rangeln. Da muss man sich dann irgendwie durchkämpfen.“ Wie kommt man bloß auf solche Ideen? „Die kommen mir nachts im Bett, dann schreibe ich die schnell auf, damit ich sie nicht wieder vergesse“, sagt Tim.

Mittlerweile sind wir an einem Hügel angekommen, dem Krähenberg. Dort gilt es, mehrfach hoch und wieder runter zulaufen. Daher auch der Name „Crow-Mountain-Survival“. Es ist das höchste Hindernis der Strecke. Hier ist definitiv Beinarbeit gefragt. Ich muss zugeben, dass ich so langsam etwas aus der Puste bin. Aber aufgeben? No way!

Ich freue mich bereits auf den Muskelkater am nächsten Tag

Das Hindernis „Reifenwechsel“ steht an, bei dem ich einen Reifen 400 Meter weit rollen muss. Klingt ganz okay, ist aber echt nervig. Während der Strecke muss ich die ganze Zeit gebückt laufen, um den Reifen zu rollen. Während ich das tue, freue ich mich bereits auf den Muskelkater am nächsten Tag.

Ich laufe weiter durch Büsche, krabble durch Reifen und springe über Hürden, bis wir bei einer Kletterwand ankommen. Bei einer Kletterwand ohne jegliche Halterungen, Griffe oder sonstwas. „Da musst du jetzt rüber“, sagt Tim. Er macht es vor.

Ich versuche mein Glück – und scheitere sofort

Bei ihm sieht irgendwie alles so einfach aus. Ich versuche mein Glück – und scheitere sofort. Auch die nächsten beiden Versuche gehen ordentlich in die Hose. Schließlich hilft mir Tim. Denn auch beim „echten“ Wettkampf dürft Ihr Euch gegenseitig helfen. Es geht weiter mit Balancieren auf der Slack Line, was wirklich Spaß macht. Ich komme nach jedem Hindernis mehr in die Sportart rein. Es ist unglaublich, wie schnell ich den Ehrgeiz entwickle, jedes Hindernis schaffen zu wollen.

Dann kommt ein Gerüst zum Hangeln. Mir wird etwas mulmig zumute, meine Arme sind schließlich nicht sehr trainiert. Aber ich versuche es. Tim hat recht, als er sagt, letztlich sei alles nur Kopfsache. Wer den nötigen Ehrgeiz hat, entwickelt die Kraft von alleine. Und so habe ich auch dieses Hindernis erfolgreich gemeistert.

Es geht darum, den inneren Schweinehund zu überwinden

Die 4-Kilometer-Runde liegt nun hinter uns. Während es immer noch regnet, joggen wir wieder zurück Richtung Vereinsheim. Mein Fazit? Positiv! Natürlich hat mir nicht jedes Hindernis gefallen, aber darum geht es ja auch nicht unbedingt. Es geht darum, den inneren Schweinehund zu überwinden. Ich überlege bereits, auch am nächsten Training teilzunehmen. Aber jetzt brauche ich nur noch eins: eine lange Dusche!

Übersicht: OCR-Training und Crow Mountain Survival

Der ATS Buntentor richtet den „1. Crow Mountain Survival", einen OCR-Hindernislauf, am Sonntag, 23. September, 2018 aus. Start und Ziel befinden sich auf der Sportanlage Kuhhirten/Stadtwerder, der Wettkampf verläuft über das Sportgelände und die angrenzenden Bereiche beidseitig des Werdersees zwischen der Fußgängerbrücke am Deichschart und dem Friedhof Huckelriede. Neben den Läufen über 4, 8 und 12 Kilometer soll es auch einen Teamwettkampf für vier Personen über 4 Kilometer geben. Die nächsten öffentlichen Trainingstermine finden am 29. Juli und 12. August, jeweils um 10 Uhr, statt. Jeder Teilnehmer zahlt 10 Euro für das Training mit anschließendem Essen in der Gaststätte. Alle Infos zum 1. Crow Mountain Survival findet Ihr auch hier.

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