Konzerte, Partys, Open Airs

Neuer Pier-2-Betreiber: Olli Brock vom Tower übernimmt – und hat viel vor

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Olli Brock vor dem Pier 2.

Das Pier 2 hat einen neuen Betreiber. Olli Brock, der bereits den Musiklub Tower, die Viertelkneipe Malenchen und die Konzertagentur Cult Pro betreibt, übernahm die Geschäfte zum neuen Jahr von Mitgründer Heiner Hellmann. Neben zahlreichen Konzerten in der Halle sollen auch Open Airs und vielleicht sogar Festivals im Außenbereich folgen.

Die 1996 im Bremer Hafen gestartete Location ist die ehemals größte privat betriebene Veranstaltungshalle Norddeutschlands – mit Stehplätzen und durchschnittlich 120.000 Besuchern bei 70 Events pro Jahr. „Das sind mal eben 2.500 Leute mehr, als im Tower“, sagt Olli Brock. „Ich habe Respekt vor der Aufgabe und bin mir der Größe bewusst.“ Als Veranstalter ist er solche Größenordnungen längst gewöhnt, hat zahlreiche Konzerte im Pier 2 oder auch der ÖVB Arena organisiert.

Mehr als eine Konzert-Location 

Die ehemalige Industrie-Halle im Hafen ist jedoch mehr als eine reine Konzert-Location. Denn das Pier 2 hat in der Vergangenheit entscheidend dazu beigetragen, den industriell geprägten Stadtteil Gröpelingen kulturell zu beleben und als Aushängeschild bekannter zu machen. Es hat mit seiner urbanen Nutzung ein Freizeitangebot geschaffen und die Stadt an den Fluss herangerückt. Das betonen Christiane Gartner vom Verein „Kultur vor Ort“ und Stadtteilmanager Lars Gerhardt.

„Das Pier 2 war ein wichtiger Motor für Gröpelingen, wie ein gallisches Dorf mittendrin“, so Gartner. Auch sei immer eine Innovationskraft vom Pier 2 ausgegangen, sagt Gerhardt. „Ich habe schon viel von Olli gehört und bin gespannt auf neue Akzente.“ Damit kommt der Halle auf dem früheren AG Weser Gelände im Getreidehafen , die Heiner Hellmann und seine Mitstreiter 1996 für eine Million D-Mark kauften und noch einmal gut zwei Millionen investierten, eine ganz besondere Bedeutung zu.

Der neue und der alte Betreiber im Pier 2: Olli Brock und Heiner Hellmann.

Brock ist sich dieses Erbes bewusst. Dass er nun übernimmt, liegt am Rückzug von Hellmann. „Ich komme in die Jahre. Um Kontinuität zu gewährleisten braucht man einen Nachfolger“, sagt der 63-Jährige. „Mein Favorit hat zugeschlagen und das Pier 2 nun gepachtet.“ Er selbst bleibt als Berater und Verpächter erhalten und übernimmt vielleicht hier und da noch ein paar Funktionen. Sein Willkommensgeschenk an Brock: Eine Schirmmütze mit dem Pier-2-Logo. Damit hat der nun nicht nur symbolisch den Hut auf. 

„In der Musikszene gut vernetzt, Konzertgänger, Musikpromoter“ 

Nicht unschuldig am langen Atem des Pier 2 ist indes das Modernes. Das Neustädter Konzert- und Club-Zentrum betreiben Hellmann und sein Partner Edu Woltersdorf ebenso lange. „Wir sind finanziell anfangs auf dem Zahnfleisch gegangen. Ich habe das Pier 2 gemacht und Edu das Modernes“, so Hellmann. „So haben wir die ersten zehn Jahre überstanden.“ Dabei blieb das Veranstaltungszentrum als Dienstleister nach eigenen Angaben immer neutral, hatte kaum ein eigenes Image. Hellmann sieht gute Chancen fürs Pier 2, durch Brock an Charakter zu gewinnen. „Mit 45 Jahren ist er ein junger Kerl, in der Musikszene gut vernetzt, selbst Konzertgänger und aktiver Musikpromoter.“ Das sei er selbst nie gewesen. Für gute Perspektiven spricht demnach ebenfalls, dass die Anzahl der Hallen in Bremen übersichtlich und der Markt gut aufgeteilt sei.

Als 1996 alles begann, hatte Brock seine ersten Konzerte im Woodys. Die Verbindung zu Pier 2 und Modernes ist entsprechend lang. 2008 stieg er beim Tower ein und mauserte sich mit Cult Pro Events neben Koopmann Concerts und Revue zu einem der drei Top-Veranstalter Bremens. Die Chance auf ein zweites Standbein habe ihn nun dazu bewogen, Betreiber eines solchen Kalibers zu werden. „Der Job als örtlicher Veranstalter wird von großen Agenturen immer mehr bedroht“, so Brock. Band-Manager würden lokale Akteure übergehen. Ebenso wie der Ankauf von Hallen, sei dies im Trend bei überregionalen Agenturen und habe ihn zuletzt bei Mark Forster getroffen. „Das ärgert mich nun weniger, weil sie jetzt trotzdem nicht mehr an uns vorbeikommen.“

Den traditionell problematischen Sommermonaten mit ihren Freiluftkonzerten und Festivals will Brock eigene Veranstaltungen dieser Art entgegensetzen. Es gebe schon ein paar Ideen, den Sommer zu beleben, darunter ein Café und ein fortgesetztes Engagement beim Gröpelinger Sommer, ebenso wie Open Airs. Dafür gebe es bereits lose Anfragen. „Es klingt nicht unmöglich und auch die Waterfront ist dafür offen, denke ich“, so Brock. Diverse Gespräche mit den Mitbewerbern Koopmann und Revue hätten sie als Bremer Veranstalterszene zusammenwachsen lassen. 

„Aktuell dabei, eigene Veranstaltungen zu entwickeln“ 

Es gab sogar zunächst die Idee, das Pier 2 zu dritt zu übernehmen, doch die anderen beiden hätten sich anders entschieden. „Auch, weil sie wissen, dass sich so am wenigsten ändert.“ Dies betrifft im Übrigen auch den Pool an etwa 100 Tresenkräften und die Mitarbeiter der Haustechnik. Beide Veranstalter hatten sich bereits für ein Open Air mit Seeed und den Beatsteaks vor dem Pier 2 zusammengetan. Brock selbst hatte dort 2007 das Fest van Cleef mit Hamburger Musikern veranstaltet. Auch künftig wäre ein Festival denkbar, sagt der neue Chef. Nur, dass die Sause nachts drinnen weitergehen könnte.

Konkreter sind indes die Überlegungen, auch unregelmäßige Tanzveranstaltungen wie Elektro- oder Kopfhörer-Partys stattfinden zu lassen. „Wir sind aktuell dabei, eigene Veranstaltungen außerhalb des Konzertbetriebs zu entwickeln“, so Brock. „Für Details ist es aber noch zu früh.“

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