Das neue Team im Gespräch: So wird die Breminale 2018

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Das neue Breminale-Team: Boris Barloschky, Esther Siwinski und Jonte von Döllen (v.l.)

Bremens größtes Festival, die Breminale, steht in den Startlöchern. Bevor es vom 25. bis 29. Juli wieder fünf Tage lang Konzerte, Kunst, Kultur und Kulinarik am Deich gibt, trafen wir das neue Team ebendort. Ein Gespräch über Altbewährtes und Änderungen, neues Design, Nachhaltigkeit und Festival-Bändchen, zusätzliche Bühnen und Sicherheitskonzepte, mehr Subkultur und nächtliches Club-Programm.

Brummte den Bremern sonst meist erst nach fünf Tagen Festival der Kopf, gab es 2018 bereits im Vorfeld Katerstimmung (zum nordbuzz-Bericht). Für Außenstehende merkwürdig anmutende Querelen rund um Personal und öffentliche Förderungen sorgten für eine monatelange Hängepartie. Zwei Wochen vor Festival-Start luden die neuen Veranstalter zum Gespräch an den Osterdeich, die beiden technischen Leiter Esther Siwinski und Boris Barloschky sowie der künstlerische Leiter Jonte von Döllen. Sie folgen der unfreiwillig ausgeschiedenen Susanne von Essen und dem eigentlich ausgestiegenen, als Berater aber weiter aktiven Max Maurer.

„Die Neuerungen finden sich vor allem im Rahmenprogramm" 

Gleich zu Gesprächsbeginn nimmt von Döllen Skeptikern den Wind aus den Segeln. „Man kann eine solide Breminale erwarten, wie sie aus den letzten Jahren noch in den Köpfen ist.“ Und weiter: „Wir haben das Rad nicht neu erfunden, aber das ist auch gar nicht unser Anspruch.“ Man wolle die Strukturen des in den letzten Jahren auf hunderttausende Besucher gewachsene Festival nicht ändern, vielmehr verstehen und zusammen mit den Partnern weiterentwickeln. „Die Neuerungen finden sich dieses Jahr vor allem im Rahmenprogramm. Da konnten wir auf die Schnelle am leichtesten ansetzen.“ Namentlich ist das Festival-Gelände nun in die Breminale am Deich und die im Park aufgeteilt. Die Zelte heißen diesmal so, wie die Radio-Wellen, die sie präsentieren. Nur bei Drei Meter Brettern und Flut ändert sich nichts. Letztere kooperiert nun außerdem mit dem Licht und Luft Bad und schafft eine Strandbühne neben dem Zelt. Dort gibt es tagsüber Kinderaktivitäten und nachts subversive Liveperformances, Theater, Film und DJs, frei kuratiert von der freien Szene.

Offene Zelt-Bühne hinter der Kunsthalle 

„Oben geht es entschleunigt zu und nicht so doll, wie es unten gerne sein darf“ fährt von Döllen bezüglich der Wallanlagen hinter der Kunsthalle fort. Auf der Altmannshöhe steht diesmal eine Bühne extra für kleinsten Besucher, dieser Bereich nennt sich Kinder-Breminale. Abends übernimmt hier der neue Gastro-Partner Urlaub, der dann seine Viertel-Kneipe mit DJs exportiert. Tagsüber gibt es in diesem Bereich Scienceshows mit dem Universum, Angebote der Stadtbibliothek sowie Instrumentenbau. Aber auch Deich wird es weiterhin Kinderprogramm geben. Das Zelt hinter der Kunsthalle, das zuletzt vom Nordwestradio präsentiert wurde, weicht diesmal einer offenen Zelt-Bühne in Kooperation mit Bremen Zwei. „Das ist toll, weil es ermöglicht, das Programm auf dem ganzen oberen Gelände erfahrbar zu machen“, freut sich von Döllen.

Neue Trailer-Bühne für Bremen Next 

Unten am Deich bekommt Bremen Next nun eine Trailer-Bühne mit Ausrichtung zum Deich. „Diese Bühne hat mit den Jahren immer mehr Publikum angezogen, da brauchen wir nun einen größeren Auffangbereich“, erklärt von Döllen. Der Hang wird so zur großen Tribüne. Esther Siwinski ergänzt: „Wir haben das Sicherheitskonzept von den Vorjahren übernommen und noch ausgeweitet. Dazu gehört, dass wir die Bremen Next Bühne gedreht haben, weil zuletzt die Zuschauer auf dem Weg am Wasser stehen blieben. Das Ganze wird nun luftiger gestaltet.“ Außerdem soll es mehr Sicherheitspersonal an den Bühnen und auf Streife geben.

Insgesamt regionaleres Programm 

Ein Stück weiter geht die Viertel-Kneipe Wohnzimmer wieder campen, mit Kicker-Tischen, Schnaps und kleiner Bühne für lokale Acts und DJs. Und die Drei Meter Bretter? „Keiner weiß, wie die diesmal aussehen, das ist geplant“, sagt von Döllen. Die Bühne wird wie immer windschief vom Drei Meter Bretter Kollektiv zusammengezimmert. Das dortige Programm entstand diesmal in Kooperation mit dem Bremer Label Latenz und dem Moyn Moyn Festival bei Oyten. Insgesamt sei das Programm regionaler geworden, berichtet von Döllen. „Mehr oder weniger bewusst, wir hatten wegen des Vorlaufs weniger Zeit. Da habe ich viel auf Strukturen zurückgegriffen, die ich kenne. Von der Infrastruktur her könne auch gar nicht mit den ganz großen Stars gearbeitet werden, dafür sind die Zelte zu wenig massentauglich. Dennoch habe man ein feines, auf Bremen zugeschnittenes Line-up zusammengstellt, gerne mit Homecomern wie Rhonda oder De Fofftig Penns.

„Wir gehen weiter auf die Subkultur zu“ 

Als einer der Gründer der Drei Meter Bretter hat von Döllen ein besonderes Anliegen. „Diese Bühne ist vor sechs Jahren entstanden, weil lokale Bands das Gefühl hatten, dass der Zugang zur Breminale für Subkultur fehlt.“ Daran soll nun auch auf anderen Bühnen angeknüpft werden, wobei der Bezug zur Stadt nicht der Verzicht auf internationale Künstler bedeutet. Im Idealfall bilden die Programmpartner die kulturelle Landschaft Bremens ab, hofft von Döllen. „Wir führen in Zukunft noch mehr Gespräche und gehen weiter auf die Subkultur zu, ohne uns dabei vom Mainstream zu verabschieden.“ Sein Ziel ist es die Subkultur einzufangen und ihr einen Raum zu geben. „Das ist gefühlt in den letzten Jahren zurückgegangen.“

Nachtinale mit Aftershow-Partys in den Clubs 

Ganz neu ist diesmal die Nachtinale. „Auf die sind wir ein bisschen stolz“, so von Döllen. „Ich komme aus der Club-Szene, gehörte ein Jahr zu den Römer-Betreibern.“ Es gehe dabei nicht nur ums Saufen, im Gegenteil, dort werde ein tolles kulturelles Programm gemacht. „Auf dem Gelände gibt es Grenzen, darum haben wir uns Partner für die Aftershow gesucht.“ Dadurch erhoffen sich die Organisatoren einen reibungslosen Abfluss der Besucher. „Die wollen ja dann noch weiter, Feierabend um 0 oder 1 Uhr ist den Leuten zu früh.“ So werde inhaltlich ein Club-Aspekt eingebracht, das geordnete Verlassen des Geländes unterstützt und das Programm bis in die Morgenstunden erweitert. Von Mittwoch bis Samstag kann auf der MS Treue weitergefeiert werden, Freitag und Samstag sind auch Modernes, Römer und Tower dabei. Insgesamt wolle die Breminale mit dem Steintor wieder mehr zusammenwachsen. „Wir haben bei den Gesprächen auch den Willen des Beirats dazu gespürt“, sagt von Döllen. Die Viertel-Gastronomen machen sowieso mit, so verzahnen wir das und sind auch am Thema Müll dran.“

„Uns ist wichtig, dass jeder teilnehmen kann, auch die nächsten 100 Jahre“ 

Dass die Breminale kostenlos ist und dies auch bleiben soll, steht bei den Organisatoren ganz oben auf der Liste. Darum haben sie aus den Vorjahren die Idee der Bändchen übernommen, die es sonst überall bei Festivals mit dem Eintritt gibt. „Damit wollen wir diese Festival-Stimmung erzeugen, die Leute sollen sich gegenseitig fragen, ‚Wo ist dein Bändchen?‘“, sagt von Döllen. Zu haben sind sie für 3 Euro an den Ständen und beim Breminale-Bus. „Wir fänden es schön, wenn sich jeder eins umbindet und so die Breminale supported. Idealerweise hat am Ende jeder eins um und zeigt seine Unterstützung. Uns ist wichtig, dass jeder teilnehmen kann, auch die nächsten 100 Jahre.“

Neues Breminale-Design rund um Bändchen und Plakate 

Rund um die Plakate und Bändchen wurde als Erscheinungsbild ein komplett neues Breminale-Design entwickelt. Aus einer Ausschreibung im Vorfeld ging die Bremer Agentur „Hellllo“ zweier HfK-Absolventen siegreich hervor. „Vorher gab es zehn Jahre lang eine Zusammenarbeit mit ‚Giraffen Toast‘ aus Hamburg“, sagt von Döllen. „Diese Collagen waren total schön, aber wir wollten mal was Neues und mit einer Bremer Agentur zusammenarbeiten. Jetzt war ein guter Zeitpunkt dafür.“ Von der beliebten Rollschuhbahn haben sich die neuen Organisatoren ebenso getrennt, wie von der mobilen Sauna.

Das neue Breminale-Design

Kein Deichbankett, dafür „Supermarkt“ auf der Straße 

Auch das Deichbankett am Sonntag gibt es nicht mehr. Stattdessen ist nun die Bremerin Jule Osten von 11 bis 16 Uhr mit ihrem speziellen Flohmarktformat dabei. Bei dem „Supermarkt“ genannten Happening samt DJ haben Privatleute die Möglichkeit nach vorheriger Anmeldung mit einem Stand an den Start zu gehen. Statt Gebühr ist eine Essensspezialität abzugeben, worüber sich die Infrastruktur finanziert. „Es gibt allerdings ein charmantes Marktreglement“, sagt Siwinski. „Verkauft werden sollen keine defekten Telefone sondern Dinge, die den Verkäufern am Herz liegen, aber zu Hause nicht mehr gebraucht werden.“ Und Barloschky fügt hinzu: „Das ganze Steht unter dem Motto Nachhaltigkeit, wir wollen dem Überflüssigkeitsirrsinn und dem Wegwerfwahnsinn ein Ende setzen.“ Man könne sich das Ganze als eine Mischung aus Flohmarkt, Straßenfest und Hippietreiben vorstellen.

„Aus fallengelassenen Kronkorken wachsen keine Bierbäume“ 

Das Thema Müll findet auch andernorts statt. Zusätzlich zu den 80 Extra-Mülleimern werden diesmal weitere 30 Behälter aufgestellt. „Wir möchten das Thema Müll noch besser in den Griff bekommen“, sagt Barloschky. „Das ist uns ganz wichtig. Es soll so aussehen, wie man es sich den Rest des Jahres wünschen würde.“ Jeden Abend wird der Deich von Müll befreit, an den Getränke-Ständen werden Kronkorken für einen guten Zweck gesammelt. „Aus fallengelassenen Kronkorken wachsen keine Bierbäume“, sagt Barloschky. „Also, Kronkorken in die Tasche stecke nund beim nächsten Getränke-Stand abgeben.“ Um Abfall zu vermeiden, gibt es auch diesmal kein gedrucktes Programmheft, nur kleinere Flyer. Weitere Infos gibt es in der App. Dafür wird auch wieder freies WLAN von Freifunk geschaltet werden.

„Wir haben das Gefühl jetzt gut starten zu können“ 

Während etliches beim Alten bleibt, ist an manchen Stellen die Handschrift des neuen Teams zu erkennen. Für 2019 wünschen sich die Organisatoren einen entspannteren Ablauf. „Wir waren die einzigen, die sich als Veranstalter beworben haben“, so Barloschky. „Allerdings würde ich dafür nicht meinen Arm geben, zwischendurch ist noch Wahlkampf, mal sehen, was der Politik noch so einfällt.“ Ohnehin stehe nun erstmal die Breminale 2018 an, zu der Sewinski, Barloschky und von Döllen wieder mit ähnlich vielen Besuchern wie in den vergangenen Jahren rechnen. Viel mehr sollten es aus Platzgründen allerdings nicht werden. Die Drei heben zum Schluss noch einmal explizit ihre Crew von knapp 100 Leuten hervor, die sich teilweise extra Urlaub nehmen, um mithelfen zu können. Ob es eigentlich noch Auswirkungen der Querelen im Vorfeld gibt? „Nein, wir haben das Gefühl jetzt gut starten zu können“, sagt von Döllen.

In der Übersicht: Breminale-Programm bei nordbuzz

Weitere Infos: www.breminale.de und fb.com/breminale

Auf einen Blick 

Was? Breminale
Wo? Osterdeich und Wallanlagen
Wieviel? Eintritt frei, Support erwünscht
Wann? 25. bis 29. Juli 2018, Mittwoch und Donnerstag bis 0 Uhr, Freitag und Samstag bis 1 Uhr, Sonntag bis 22 Uhr Programm, Gastro jeweils eine Stunde länger

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