Durch Ostfriesland

Auf Kanutour: Natur pur mit Paddel und Pedal – nordbuzz hat’s getestet

+

Samstagmorgen, 10 Uhr: Die Vorfreude auf meine allererste Kanutour im Südlichen Ostfriesland ist wegen der schlechten Wettervorhersagen merklich gedämpft. Als wir in Leer an der Paddel-und-Pedal-Station ankommen, herrschen grauer Himmel und Schwüle. Unser Guide Arno meint, dass wir – optimistisch gesehen – wohl ziemlich nass werden. Wann es tatsächlich anfing zu regnen, welchen Kreaturen wir begegnet sind und was die Kanutour taugt, lest Ihr im nordbuzz-Test. 

Nachdem die Schwimmwesten angezogen sind, gehen wir zu unseren Kanus, die etwa 300 Meter entfernt an der Anlegestelle in Leer-Loga bereits am Wasser liegen. Dort zeigt uns Arno, wie man die Paddel halten muss und welche Dinge man ansonsten zu beachten hat, um möglichst gut voranzukommen.

Einstieg und Start

Danach lassen wir die Boote zu Wasser und er­halten die wohl wichtigste Einweisung der ganzen Reise: Arno zeigt uns, wie das Ein- und Aussteigen funktioniert, ohne das Boot zum Kentern zu bringen. Außerdem werden die verschiedenen Sitz­positionen vorgeführt. Ich entscheide mich aufgrund meiner Größe für die aufrechte Position mit ausgestreckten Beinen. Der echte Kanut kniet eher und hat so mehr Kontrolle über das Kanu, aber egal: Ich sitze im Boot und bin auf dem Wasser.

Es ist ein zunächst doch eher befremdliches Gefühl. Das Kanu ist zwar sehr stabil gebaut, reagiert aber im Wasser sehr schnell auf Gewichtsverlagerungen. Nachdem alle Boote – insgesamt drei Kanus mit sechs Erwachsenen plus ein Kind – im Wasser sind, lassen wir sie langsam in die Strömung treiben. Wir haben uns für die Kombitour Leer-Stickhausen entschieden. Ein kurzes Stück geht es dort über die Leda, bevor wir in die Jümme einbiegen.

Reise durch das sonnige südliche Ostfriesland

Inzwischen scheint die Sonne – obwohl Donner und Unwetter vorhergesagt wurden. Wir fahren tideabhängig, allerdings mit der hereinkommenden Flut im Rücken. Für die Laien: Auch ohne ein großes Paddelgenie zu sein, kommt man gut voran. Ich sitze mit dem Kind und einer drachenbooterprobten jungen Dame im Kanu, die kräftig mitpaddelt. Mir bleibt dadurch Zeit, mich auf das Steuern zu konzentrieren.

Natur pur mit Paddel und Pedal: Der nordbuzz-Kanutour-Test in Bildern

Das Wetter und das aufgrund der Ebbe freilie­gende Ufer am Anfang der Fahrt sind einfach atem­beraubend schön. Man sieht Wasservögel, Schafe und kann einfach mal die Seele baumeln lassen. Der Wahnsinn – ich bin völlig unvorberei­tet und ohne große Erwartungshaltung morgens gestartet und inzwischen komplett begeistert. Auch dem “jungen Passagier” scheint es so zu gehen. Während das kleine Mädchen ab und zu paddelt und ansonsten Schilfrohre und sonsti­ges Treibgut ins Kanu hievt, begleitet uns für kurze Zeit eine Bisam­ratte am Rande der Uferböschung im Wasser, bevor sie abtaucht und in ihrem Bau verschwindet.

Pause und Sichtung des „süd-ostfriesischen Krokodils”

Ich habe schnell jegliches Zeitgefühl verlo­ren. Das Handy ist in einer wasserdichten Tonne verstaut, und die Uhr habe ich zu Hause gelassen. Auch die Entfernung ist schwer einzu­schätzen, wenn man vorher noch nie mit dem Kanu gefahren ist. Es ist wunderbar ruhig, wir hören nur das Plätschern der Paddel, ein paar Tiere und den Wind, der ab und an von vorn kommt – dann kann es schon mal anstrengender werden. Gut, dass gerade eine Pause ansteht. Arno holt einiges an Proviant aus seinem wasserfesten Seesack. Nach geschätzt einer guten Stunde Bewegung schmeckt es vorzüglich. Plötzlich bleibt uns der Bissen vor Schreck im Hals stecken: Auf unsere Kanus schwimmt ein länglicher Körper zu, der zwei Nasenlöcher und Augen zu haben scheint. Ist das ein süd-ostfriesisches Krokodil? Nach kurzer Panik stellt sich das gefährliche Raubtier als alter Stamm heraus, der durch die Jümme treibt. Aber der Gedanke, dass wir eine neue Spezies entdeckt haben, fühlte sich kurzfristig sehr gut an.

Handgezogene Fähre und Ankunft am Zielort

Ein weiteres Highlight der Tour ist die “Pünte”, eine handgezogene Fähre, an der wir gemütlich vorbeischippern. Auf der gesamten Strecke sind uns insgesamt drei Motorboote begegnet. Die Größe­ren können schon einen ordentlichen Wellengang erzeugen, was uns an Bord des Kanus ein wenig nervös werden lässt. Aber auch diese “gefährliche Klippe” haben wir umschifft, ohne nass zu werden.

Nach rund zweieinhalb Stunden Fahrt und etwa 14 Kilometern zurückgelegter Wasserstrecke sind wir am Ziel. Vor dem Anleger geht es noch einmal unter einer Brücke durch – die engste Stelle, durch die wir manövrieren mussten. Ins­gesamt ist die Steuerung ohne Weiteres machbar, auch wenn wir uns die Uferböschung einmal etwas näher angeschaut haben als geplant. Auch das Aussteigen ist mit der Hilfe von Arno kein Pro­blem. Nach kurzer Verschnaufpause geht es mit dem Rad wieder zur Startstelle zurück. Wir haben uns für die kürzeste Strecke entschieden und sitzen kaum im Auto, schon schüttet es wie aus Kübeln, es blitzt und donnert – Glück gehabt!

Fazit 

Wer die Seele baumeln lassen und die Natur genießen möchte, ist bei Paddel und Pedal im Südlichen Ostfriesland genau richtig. Wir waren inklusive Pause über drei Stunden auf dem Wasser unterwegs, ohne dass es zu anstrengend gewesen wäre. Insgesamt muss man für die Kombi-Tour etwa fünf Stunden einplanen. Auch sportlichere und tideunabhängige Rundstrecken stehen zur Auswahl. Mit der Kombination aus Kanu- und Fahrradfahrt ist eine solche Tour eine runde Sache. Grüßt mir das Krokodil!

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.