Ein Klassiker, endlich hip

Korn: Warum Dorfkinder schon immer wussten, was cool ist – irgendwie

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Die Nork-Gründer Johann Dallmeyer, Lars Galling und Ann-Katrin Dallmeyer sorgen dafür, dass Korn auch außerhalb vom Dorf endlich akzeptiert wird.

Noch schaut er ein bisschen neidisch auf den Gin, der gute alte Korn. Denn Gin, lange in der Schmuddelecke der Spirituosen-Gesellschaft verortet, hat sich längst gemacht. Ist hip geworden. Gehört zum guten Ton, hat sich in der Schickeria etabliert, hat seinem Billig-Fusel-Image ein erhaben-bourgeoises Antlitz verpasst. Darf nirgends fehlen. Und der Korn? Versucht das auch. Dabei hat er das eigentlich gar nicht nötig. Korn war schon immer cool – irgendwie. Nur hat das südlich von Kassel niemand gewusst. Und in den Großstädten auch nicht.

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Hip. Was heißt das eigentlich? Auf dem Laufenden sein, zeitgemäß, dem Modetrend entsprechend. Trifft auf Gin zu, keine Frage. Was früher üble Bückware war, höchstens von der Queen und einigen Unverbesserlichen geschätzt, wird seit einigen Jahren in jeder erdenklichen Darreichungsform kredenzt. Und auf Korn? Eher nicht so, lautet meistens die Antwort.

Aber warum? Ganze Generationen von Dörfern wurden und werden doch mit dem Zeug sozialisiert. Mitbringsel auf jeder Party – eine Flasche Korn. Serviert im stilvollen weißen Plastikbecher, als klassischer Longdrink mit Cola obendrauf – und ab dafür. Im Mikrokosmos Dorf war das zeitgemäß und dem Modetrend entsprechend. War es auch lecker? Ansichtssache.

Korn – eine Art sozialer Kit

Die Geschäftsmodelle sämtlicher Großraum-Discos beruhten darauf, die trinkwillige Dorfjugend mit Korn zu versorgen. Cola-Korn für 'ne Mark – ein Klassiker. Mit Koma-Saufen wurde es nicht so eng gesehen (ein Zustand, der sich glücklicherweise etwas geändert hat). Auch im Angebot, der FaKo, oder – zumindest in der Ecke Hemmoor, wenn man Sänger Thees Uhlmann glauben darf – Korn & Sprite.

Korn war weit mehr, als nur der Stoff, um schnell besoffen zu werden (Zugegeben: In erster Linie ging es darum). Korn war eine Art sozialer Kit, den sich jeder leisten konnte und Menschen jeder sozialen Schicht gemeinsam an die Theke brachte. Eine Runde Cola-Korn im Party-Zelt auf der Wiese des Bauern seines Vertrauens war immer drin – für eine Runde Cocktails, hätte sie es gegeben, wäre vermutlich ein Kredit fällig gewesen. Ob das Zeug nun hip, cool oder sonstwas war, stand gar nicht zur Debatte. Das Party-Leben auf dem Dorf war so gesehen recht einfach – und es war gut.

Missionieren, Überzeugen, den Stein mit stetem Tropfen höhlen

Und plötzlich sollte damit Schluss sein, kaum dass man das Dorf verlassen hatte? Plötzlich wurde man in Uni-Städten ausgelacht, sobald man eine Eloge auf die bis dato unbestrittenen Vorzüge des Korns hielt? Wer cool sein wollte, musste seine Jugendliebe leugnen. Und auf Importe aus der Heimat setzen. Oder: Missionieren, Überzeugen, den Stein mit stetem Tropfen höhlen.

Auf einmal das: Korn wurde salonfähig. Zahlreiche Mikrobrennereien stellten fest, dass das Geschäft mit handgemachtem Gin bestens läuft. Warum nicht also auch die gleiche Masche mit Korn fahren? Ob Berliner Brandstifter, Nork aus Bremen, der Burgen Korn aus Schlitz, Vollkorn vom Bodensee oder The Ostholsteiner – das Angebot ist da, die Nachfrage wächst.

Das Dorfkind-Herz jubelt

Das Dorfkind-Herz jubelt da natürlich. Nicht unbedingt, weil es jetzt Edel-Cocktails auf Korn-Basis zu Mondpreisen auch außerhalb des heimischen Osterfeuers gibt. Nein, ganz einfach deswegen, weil Korntrinken endlich das ist, was es schon immer war. Irgendwie cool, vielleicht anders cool, aber cool.

Und dem ach so gehypten Gin sei hiermit gesagt: Du warst nie von Geburt an cool, niemand hat dich tablettweise zu Wolfgang-Petry-Hits über knallvolle Tanzflächen balanciert. Wenn Du zu Partys mitgebracht wurdest, dann nur, weil in Papas Schnapsschrank nix anderes mehr da und der Gastgeber scheiße war. Und du, Weinbrand, kannst dir daran gerne mal ein Beispiel nehmen. Wir warten.

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