Sechs Fragen vor der „ReUnion“

DJ Acid Maria an den Decks im Shagall: „Ein Track, der einem Trend folgt, fühlt sich fake an“

DJ Acid Maria wird am 12. August bei der ReUnion im Bremer Shagall an den Decks stehen. 

„Aus Liebe zum Techno“ gehen Shagall-Geschäftsführerin Silvia Czaja und ihr Team mit der neuen Veranstaltungsreihe „ReUnion“ an den Start – Ein Wiedersehen mit den großen Techno-Stars der 90er-Jahre. Am 12. August steht DJ Acid Maria an den Decks, vorab haben wir Ihr sechs Fragen gestellt.

Dr. Motte bei der „ReUnion“ im Shagall: Fünf Fragen an die Techno-DJ-Legende

Wir haben mit Acid Maria darüber gesprochen, mit welchen Sounds sie auf die Tanzfläche locken wird, was einen „guten“ Track eigentlich ausmacht und wie es ist, als „weibliche DJ“ – wie sie es nennt – in den Clubs aufzulegen.

nordbuzz: Moin Angelika alias DJ Acid Maria. Am Samstag legst Du bei der „ReUnion“ auf. Was erwartet die Bremer auf der Tanzfläche?

DJ Acid Maria: Zur Tanzfläche kann ich nicht so viel sagen, da habe ich aber großes Vertrauen zu den Menschen an der Tür vom Shagall (lacht). Ich lege elektronische Tanzmusik mit einem Hang für Knistern, analoge Synthesizer-Sounds und groovende Eigenartigkeit auf. Es soll ein Sog entstehen, sodass die Leute Lust haben, sich dazu zu bewegen und sich in einer Sound-Wolke befinden.

nordbuzz: Du warst als Resident im legendären Münchener Ultraschall unterwegs und hast in Chicago, Tokio oder auch Istanbul aufgelegt. Jetzt geht’s in den Norden. Was verbindest Du mit der Hansestadt?

Acid Maria: In Bremen war ich als DJ schon häufiger, zum Beispiel sehr früh mit Steve Bug, der damals noch als Friseur in Bremen lebte und den ich Anfang der 1990er auf Ibiza kennengelernt habe. Wir spielten unter anderem zusammen im Tunnel. Kürzlich war ich nicht weit entfernt von Bremen im noch beschaulicheren Worpswede. Ich kann mich sehr für das Nordische erwärmen und freu mich schon drauf.

nordbuzz: Die Bremer freuen sich auf Deinen ziemlich experimentellen Sound. Was macht einen guten Track denn Deiner Meinung nach aus?

Acid Maria: Eine Form von rollendem Groove, der Mischung aus Knistern, analogem Sound, Einfallsreichtum und Konversation zwischen den einzelnen Teilen eines Tracks, das sind so die Bestandteile. Mir gefällt keine absichtsvolle Komposition, die einem bestimmten Trend folgt oder keine Haltung hat. Das fühlt sich marktorientiert, corporate – einfach fake an. 

„DJane? Ich bin eine weibliche DJ!“

nordbuzz: Am Samstag bist Du die erste Frau am DJ-Pult. Seit Ende der 90er Jahre engagierst Du Dich mit der Plattform female:pressure für die Sichtbarkeit von Frauen in der Welt des Elektros. Was bedeutet es heute, als DJane in den Clubs dieser Welt aufzulegen? 

Acid Maria: Ich persönlich schätze den Begriff DJane nicht. Warum braucht eine abgekürzte Berufsbezeichnung aus zwei Buchstaben denn eine Verniedlichung? Jede Künstlerin und jeder Künstler will doch gerne, dass ihr beziehungsweise sein Werk spezifisch zur Kenntnis genommen wird. Das Frau- oder Mannsein sollte nicht den Blick auf das Werk verstellen. Ich bin eine weibliche DJ!

nordbuzz: Ist die Welt an den Decks denn eine Männerdomäne?

Acid Maria: Es ist leider immer noch so, dass kein repräsentativer Anteil Frauen die Top Slots spielt, sondern es eine deutliche männliche Dominanz gibt. Auch auf großen Festivals fehlt leider oft die Beteiligung von Frauen. Das führt dann dazu, dass weibliche Werke weniger Einzug in Archive erhalten und dadurch auch weniger wahrgenommen werden. Spätestens seit female:pressure hat das Argument "man würde ja super gerne Frauen für sein Festival oder seinen Club buchen, aber man findet ja keine“ ausgedient. Wer Schwierigkeiten hat Künstlerinnen zu finden, ist weiterhin herzlich eingeladen, die Plattform als kostenlose Recherchemöglichkeit zu nutzen.

nordbuzz: Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Gibt es einen Ort, an dem Du in Deinem Leben auf jeden Fall noch auflegen möchtest? 

Acid Maria: Irgendwie ist dieser Beruf so sehr mit Reisen verbunden, dass ich vor allem daran denke, in welche Gegenden ich gerne noch fahren möchte. Dazu gehört sicherlich Georgien. Ich war auch schon lange nicht mehr in Japan und Mexiko, zwei Länder, für die ich ein schweres Faible habe. Und für den ganzen afrikanischen Kontinent.

Das „ReUnion“-Lineup im Shagall

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Die „ReUnion“ ist Ende Mai, im Shagall gestartet. Nach dem Auftakt mit Dr. Motte (27. Mai) legen bis Ende des Jahres dort George Perry (10. Juni), Steve Mason & Jens Mahlstedt (22. Juli), Acid Maria (12. August), Westbam (16. September), Jam (4. November) und Marusha (2. Dezember) auf. Bei den Veranstaltungen sind unter anderem die DJs Frithjof und Ricci dabei. Weitere Infos gibt es unter www.shagall.de.

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