Verschmutzung durch Hundekot

Achtung Tretminen: Bremen hat haufenweise Ärger

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Gut gemeiner Hinweis - an den sich längst nicht alle Hundebesitzer halten mögen.

In Bremen liegt nicht das Glück auf der Straße, sondern ein braunes Ärgernis: An gefühlt jeder zweiten Ecke finden sich Hinterlassenschaften von Hunden, deren Herrchen oder Frauchen es nicht geschafft haben, ein entsprechendes Kot-Beutelchen zu zücken und den Unrat anschließend zu entsorgen. Eine Bußgeldstrafe von 35 bis 70 Euro scheint viele Besitzer nicht zum Bücken zu animieren. Würden kostenlose Tütenspender und Entsorgungseimer helfen? nordbuzz-Autorin Sandra Graeve hat sich Gedanken gemacht.

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„Aber auf die Hundehaufen passt ihr bitte selbst auf!“ hörte ich erst kürzlich meine Nachbarin rufen, deren Jungs grade mit den Tretrollern vor ihr her flitzten. Nicht viel später berichtete mir ein Kollege, dass sein Dreijähriger in der Dunkelheit auf dem Grünstreifen vor der Familienwohnung regelmäßig wie ein Storch im Salat liefe, weil er so große Angst habe, in Kothaufen zu treten. 

Wenn selbst schon der Nachwuchs öfter zur Achtsamkeit bezüglich brauner Tretminen als zur Vorsicht im Straßenverkehr ermahnt werden muss, ist es nicht mehr zu leugnen: Bremen hat ein Problem. Und zwar ein stinkendes, dass sich durch alle Stadtteile zieht. Natürlich fällt das Ärgernis im Viertel und anderen eng bebauten Stadtteilen mit wenig Grünflächen „gehäuft“ ins Auge. Doch sogar vor der Bremer Bürgerschaft, mitten auf dem Marktplatz, finden sich dann und wann tierische Hinterlassenschaften. 

Sogar vor der Bremer Bürgerschaft bleiben die Haufen liegen.

In der letzten Woche habe ich mir den „Spaß“ gemacht und immer mal Hundehaufen fotografiert, die mir auf auf meinen Streifzügen durch Bremen begegneten. Und ja: Es gibt Würdevolleres, als sich auf dem Gehweg hinzuknien und mit dem Handy an Sch***haufen heran zu zoomen. Mein Fazit: Hätte ich tatsächlich jeden einzelnen Haufen abgelichtet, könnte ich dieses Jahr zu Weihnachten ein dickes Fotoalbum der ganz besonderen Sorte verschenken.

Doch woher kommt die hartnäckige Weigerung mancher Hundebesitzer das Geschäft ihres Lieblings zu beseitigen? Für ältere Leute, die sich eh schon mit Rollator und vor die Tür schleppen müssen, um ihren alten, grauen Dackel etwas Frischluft zu gönnen, hat man ja noch Verständnis aber für alle anderen?

Unappetitlich! Egal ob im Viertel...
...oder in Schwachhausen

Antrag auf kostenfreie Tütenspender wurde vom Senat abgelehnt

Viele Hundehalter meckern darüber, dass es in Bremen – anders als in anderen Deutschen Städten – keine kostenlosen Tütenspender und nur wenige „Hundekotbehälter", sprich Abfalleimer für Hundekot, gibt. 2014/2015 wurde der  Senat per Petition dazu aufgefordert, in ausreichender Zahl Tütenspender und Mülleimer für die Hundekotentsorgung im Stadtgebiet aufzustellen. 

Der Petitionsausschuss lehnte den Antrag zusammenfassend aus folgenden Gründen ab:

  • Im Stadtgebiet stünden über 3.000 Abfallbehälter zur Verfügung, die seit dem 1. Januar 2014 zur Entsorgung von Hundekot genutzt werden dürften (Änderung des Abfallortsgesetzes (§21)).
  • Zusammen mit den circa 350 bereits vorhandenen Hundekotbehältern sei dies schon ein sehr großes Angebot.
  • Die Ausgabe von Plastiktüten im Zusammenhang mit der Aufstellung von Hundekotbehältern berge ein hohes Missbrauchsrisiko. 
  • Wenn zuverlässig sichergestellt werden solle, dass in den Ausgabestellen stets Tüten vorhanden sind, sei der finanzielle und logistische Aufwand zu hoch. 

(Quelle: www.openpetition.de)

Kostenlose Tüten hin oder her: Letztendlich bleibt es nun mal die Pflicht des Frauchens oder Herrchens, den durch sein Tier entstandenen Dreck wegzumachen. Wer dieser Aufgabe nicht nachkommt, kann dies auch nicht mit fehlenden Tüten oder Abfallbehältern entschuldigen.

Das Schlimmste an der Situation ist eigentlich, dass durch das rücksichtslose Verhalten einiger Menschen der Hass auf Hunde und auch Hundehalter geschürt wird.

Initiative gegen Hundekot in Deutschland „ighid“

Aus diesem Grund rief Betriebswirt Burkhard Küppers die Initiative gegen Hundekot in Deutschland, kurz „ighid“, ins Leben. Küppers möchte mit seinem Projekt die Hundehaufen im öffentlichen Raum reduzieren und so zu einem friedlichen Miteinander von Menschen mit und ohne Hund schaffen. 

Seine Strategie ist ziemlich simpel und setzt auf drei Schlüsselelemente:

  • Verbesserung der Infrastruktur
  • Kommunikation
  • Sponsoren gewinnen

Wie das Ganze funktioniert, zeigt das Pilotprojekt mit der Stadt Tönisvorst. Die Kampagne veranschaulicht, was eine Stadt gemeinsam bewegen kann. 

Zur Verbesserung der Infrastruktur setzte Tönisvorst auf die Beteiligung der Bürger. Diese konnten angeben, an welchen Stellen sie sich Tütenspender wünschten. Nach Auswertung der rund 600 Rückmeldungen wurden elf neue Tütenspender installiert. Da niemand einen gefüllten Hundekotbeutel kilometerweit tragen möchte, wurden außerdem zehn neue Entsorgungsbehälter aufgestellt. Auch die Zahl der Ausgabestellen für kostenlose Tüten setzte die Stadt hoch. 

Den Punkt „Kommunikation“ ging die Tönisvorst folgendermaßen an: Die Bürger können sich Schilder mit Aufschriften wie „Kacktüte vergessen? Einfach klingeln, wir beißen nicht!“ herunterladen und ausdrucken. Anwohner, die so ein Schild beispielsweise am Gartenzaun anbringen, signalisieren, dass sie im Notfall gerne mit einer Tüte aushelfen. 

Menschen mit Rollator oder Rollstuhl, denen das Bücken schwerfällt oder unmöglich ist, können sich im Ordnungsamt oder in den Bürgerbüros kostenfrei einen „Hundekotgreifer" abholen.

Die Kosten für die Umsetzung des Projekts musste nicht die Stadt selbst tragen, sondern wurden von Sponsoren übernommen.

Mehr zur Initiative gegen Hundekot in Deutschland und dem Projekt Tönisvorst gibt es hier.

Tönisvorst ist den Weg des Umdenkens gegangen und ist mit dem Endergebnis sehr zufrieden. 

Zwar wird auch eine solche Vorzeige-Stadt wie Tönisvorst das Problem mit den Häufchen nicht zu 100 Prozent lösen. Dennoch ist es ein schönes Beispiel, was passiert, wenn man aufeinander zugeht und gemeinsam nach Lösungen sucht, statt sich aus der Verantwortung zu ziehen.

Ob so eine Aktion auch in Bremen funktionieren würde? Nutzt doch die Kommentarfunktion und teilt uns Eure Gedanken zu dem Thema mit!


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