Gedanken zum 4. Advent

Hey Weihnachtsmarkt: Nichts für ungut, aber Du nervst!

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Immer wieder erstaunlich, wie viele Menschen freiwillig auf den Weihnachtsmarkt gehen.

Der Weihnachtsmarkt. Jeden Tag nach Dienstschluss habe ich das „Vergnügen“, mir dieses besinnliche Treiben auf dem Heimweg aus nächster Nähe anschauen zu dürfen. Moment, besinnlich? Völliger Quatsch! Denn natürlich gibt es nichts Scheußlicheres, als den klassischen deutschen Weihnachtsmarkt.

Wie lässt sich der Horror einer in der Vorweihnachtszeit eh schon mit Menschen vollgestopften Innenstadt noch steigern? Klar, der verbliebene Platz wird mit lieblos auf rustikal getrimmten Holzbuden zugepflastert, in denen Alkohol verkauft wird. Denn sobald irgendwo Alkohol verkauft wird, bilden sich unweigerlich Grüppchen von Menschen, die diesen, wohl einem niederen Instinkt folgend, konsumieren müssen. Oder zumindest das, was nach stundenlangem Warmhalten noch davon übrig geblieben ist.

Das ist dem Weihnachtsmarktbesucher aber herzlich egal. Denn wenn diese Glühwein-Plörre, die völlig zu recht an elf von zwölf Monaten im Jahr nicht getrunken wird, nur unzureichend ballert, wird einfach die nächste Rutsche bestellt. Auf den Preis kommt es dabei überhaupt nicht an. Warum? Weil alles, wirklich alles, auf dem Weihnachtsmarkt absolut und komplett ohne Legitimation absurd überteuert ist. Offenbar absorbiert das Mikroklima des Weihnachtsmarkts das menschliche Empfinden zum Verhältnis von Geld und dem zu erwartenden Gegenwert des jeweiligen Konsumguts.

Sehr viele Menschen mit sehr vielen kalten Füßen stehen freiwillig in der Kälte

Wie anders ließe es sich erklären, dass erwachsene(!) Menschen ohne mit der Wimper zu zucken 3,50 Euro für eine Bratwurst zahlen, die seit Stunden auf dem Rost vor sich hin vegetiert, bevor sie lauwarm in ein ausnahmslos aus trockenen Krümeln bestehendes Brötchen-Imitat gepresst wird. Übrigens sind das genau die Menschen, die im echten Leben nichts besseres zu tun haben, als sich über die angeblich ach so schlechte Qualität des Essen im Speisewagen der Bahn zu echauffieren.

Und so sieht es dann aus, auf diesem ach so besinnlichen Weihnachtsmarkt: Sehr viele Menschen mit sehr vielen kalten Füßen stehen freiwillig in der Kälte, im Regen oder in beidem gleichzeitig herum, schmieren sich wahlweise Senf ans Revers oder kippen sich, dank diverser Rempler ihrer Mitmenschen, den klebrigen Inhalt ihrer kitschigen Pfand-Becher über die Hände, während um sie herum, um das Elend perfekt zu machen, Tonnen an weihnachtlich angehauchten Staubfängern über den Tresen gehen, untermalt von Perlen der Musikgeschichte aus der Vorhölle.

Schrottwichteln deluxe

Und weil der heimische Horror vielen offenbar nicht gruselig ist, werden ernsthaft Busreisen zu den Hochburgen der vorweihnachtlichen Grausamkeit organisiert. Was ist nur los mit den Menschen? Wer setzt sich bei vollem Bewusstsein in einen Bus, fährt stundenlang eingepfercht durchs triste Dezember-Halbdunkel, um dann vor den landauf landab immer gleichen Buden das obligatorisch-verwackelte Erinnerungsfoto zu machen? Schrottwichteln deluxe, ehrlich.

Die gute Nachricht: Der ganze Spuk hat definitiv immer irgendwann ein Ende. Die schlechte: Er kommt ganz bestimmt wieder.

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