Brutzel-Tipps vom Profi

Grill-Experte Helms im Interview: „Mein Grill ist eine kreative Reste-Vernichtungs-Maschine“

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Wir haben uns Brutzel-Tipps vom 42-jährigen Grill-Experten geholt.

Kaum steigen die Temperaturen, wird der Grill vom Dachboden gekramt und angeheizt: Es ist Grillsaison. Doch das Ergebnis lässt oft zu wünschen übrig ... Trockenes Putenfleisch liegt neben angekohlten Würstchen und labbrigem Gemüse – na toll! Damit es das nächste Mal besser schmeckt, haben wir beim Grillexperten Mike Helms nachgefragt, wie es richtig geht. Der 42-Jährige betreibt zusammen mit seinem Partner Niki Eden „DQ Garden” in Friedrichsfehn. 

nordbuzz: Moin Mike! Mit welchem Equipment starte ich am besten in die Grillsaison? Billiger Dreibeiner von der Tanke – oder muss es die Deluxeversion sein? 

Mike Helms: Wer ein gutes Ergebnis will, braucht auf jeden Fall einen Grill mit Deckel. Bei vie­len wird das Rost oft mit Fleisch vollgepackt, das Putenfleisch ist nachher immer trocken, und es geht hektisch zu. Das passiert Dir mit geschlossenem Deckel nicht, denn so kann man verschiedene Temperaturzonen aufbauen und Umluft erzeugen.

nordbuzz: Der Student ohne Kohle hat mit der Billigversion also verloren? 

Mike: Wer einfach nur seine Bratwurst und Nackensteaks grillen möchte: kein Problem. Aber für mich ist gute Qualität beim Grillen einfach total wichtig – da bin ich schon etwas pingelig. Und das bekommt man mit einem einfachen Grill nicht hin.

nordbuzz: Nächste Equipmentfrage: Kohle oder Gas? 

Mike: Wir verkaufen fast nur Gasgrills. Damit hat man viel schneller Erfolge und kann die Temperatur sehr gut regeln: einfach einstellen, wie beim Backofen. Zudem kann auch spontan gegrillt werden.

nordbuzz: Das Vorurteil der Kohleverfechter: Fleisch vom Gasgrill schmeckt nicht. 

Mike: Auch beim Gasgrill kann der typische Rauchgeschmack erzeugt werden. Dafür gibt es Zubehör. Mit sogenannten Räucherchips bringt man ganz verschiedene Aromen hervor – von mild bis kräftig. Wer nicht auf Kohle verzichten will, der sollte zum Keramikgrill greifen. Der hält mit nur einer Handvoll Kohle unglaublich lange die Wärme. Das ist auch der einzige Grill, der sich in der Sterneküche durchgesetzt hat.

„Bei der Grillfleisch-Suche ist es wie bei Weinliebhabern: Man arbeitet sich hoch”

nordbuzz: Für viele kann es momentan gar nicht genug Rauchgeschmack sein. Stichwort: Smoker. Was sagst Du zu dem Trend? 

Mike: Für mich ist das kein Trend. Viele, die ganz normal grillen, denken, das wäre etwas Besonderes. Aber die meisten mögen den Geschmack gar nicht, weil er viel zu extrem ist.

nordbuzz: Oft scheitert es beim Grillen schon an den Zutaten, oder? 

Mike: Ja, besonders gutes Fleisch zu bekommen, ist wirklich schwie­rig. Das ist wie bei Weinliebha­bern: Man arbeitet sich hoch. An der Supermarkttheke gibt es meist nur das eine und das schmeckt – oder eben nicht.

nordbuzz: Woran erkenne ich denn gutes Grillfleisch? 

Mike: Bei Herstellern, die sich darauf spezialisiert haben, fängt es schon mit hochwertigem Tierfutter an. Dadurch sind das Fleischgewebe sowie der Geschmack, Geruch und auch das Gefühl beim Kauen nachher ganz anders. Wer sich langsam rantastet, erkennt auch die Unterschiede.

„Auf einem guten Grill kann man alle möglichen leckeren Schweinereien machen”

nordbuzz: Und wenn ich es dann gefunden hab, ab auf den Grill und Vollgas? 

Mike: Wichtig ist: Das Fleisch wird nur zwei Mal gedreht. Und die Ruhephase muss lang genug sein. Am Anfang braucht man sehr hohe Tempe­raturen fürs Röstaroma, das können schon so 280 Grad sein. Denn je schneller ich die Röstaromen erzeuge, desto mehr Zeit habe ich, das Fleisch ruhen zu lassen, so eine Viertelstunde lang. Bei mir muss ein gutes Mediumsteak eine Kerntemperatur von 55 Grad haben.

nordbuzz: Zum Schluss dann mit Bier ablöschen? 

Mike: Nein (lacht), das macht man nicht. Einige wollen das zwar nicht hören, aber das ist total ungesund.

nordbuzz: Gibt‘s andere Grill-„Todsünden”? 

Mike: Eigentlich nicht. Wer eine Idee hat, sollte sie einfach ausprobieren. Mein Grill ist auch eine kreative Reste-Vernichtungs-Maschine. Man kennt das ja: Hier noch ein paar Scheiben Salami über, da noch etwas Gemüse ... Daraus wird dann ein leckerer Flammkuchen oder eine Pizza vom Grill.

nordbuzz: Pizza vom Grill? 

Mike: Ja, dafür gibt es einen Pizzastein, der einfach aufs Rost gelegt wird – schmeckt nachher wie in der Pizzeria, dauert nur fünf Minuten, und der Grill wird nicht mal dreckig. Oder wenn meine Kinder mal Obst übriglassen, belege ich einen Flammkuchen damit, ein paar Nüsse und Honig drauf, ab auf den Grill und raus kommt leckerer „Kuchen” zum Kaffee.

nordbuzz: Dann brauche ich ja gar keinen Backofen mehr. 

Mike: Wer weiß, dass ein Grill auch zum Backofenersatz sein kann, versteht, warum manche Mo­delle recht teuer sind. Wir hatten schon Hummer, Austern und Jacobsmuscheln auf dem Rost: Auf einem guten Grill kann man alle möglichen leckeren Schweinereien machen.

nordbuzz: Gibt es noch einen Profitipp, wie man den Kram nach dem Gelage wieder sauber bekommt? 

Mike: Das Gute an einem Grill mit Deckel ist: zumachen, Temperatur voll aufdrehen und warten. Wenn kein Rauch mehr aufsteigt und nichts Glänzendes mehr im Grill zu sehen ist, kann ich den Rest super einfach mit einer Bürste ablösen – fertig.

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