Bugfoundation

Gesund, nachhaltig, lecker: Zwei Bremer erobern mit Insekten-Burger-Startup den Markt

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Max Krämer und Baris Özel (v.l.) sind gebürtige Bremer und Gründer des Insekten-Burger-Startups Bugfoundation.

Insekten-Burger, ernsthaft? Insekten-Burger, ernsthaft! Zwei Bremer wollen mit ihrem Startup Bugfoundation nicht weniger, als unsere Ernährung revolutionieren – nachhaltig, gesund und lecker. Seit der Verkauf verarbeiteter Krabbeltiere dieses Jahr in Deutschland legalisiert wurde, reißen sich Handel und Gastronomie um die beiden sympathischen Mitdreißiger und ihre Produkte. Wir trafen die Gründer Baris Özel und Max Krämer bei der Markteinführung im Juni in Bremen.

Man kann sie getrost als Durchstarter der Food-Innovation bezeichnen, diese beiden sympathischen Kerle. Baris, 31, und Max, 32. Derart gehypt sind ihre Bugfoundation-Burger-Patties aus den Larven der Buffalowürmer schon vor dem Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“. Dabei ist ihnen das gar nicht so lieb. Zumindest diese Bezeichnung. „Wir vermeiden den Begriff Hype“, sagt Baris auf der Klub Dialog Bühne in den Pusdorf Studios. „Wir wollen das ganze schließlich nachhaltig betreiben.“ Nachhaltig sind die Bug-Buletten selbst jetzt schon. Die artgerechte Züchtung der Larven ist eine ziemlich Ressourcen schonende Angelegenheit. Zehn Mal weniger Futter und bis zu 100 Mal weniger Treibhausgas-Emissionen sollen im Vergleich zur Produktion von Rindfleisch anfallen. Das Ganze kommt ohne den Einsatz von Antibiotika aus und gesund sind die Patties obendrein – reich an Protein und ungesättigten Fettsäuren sowie frei von künstlichen Zusatzstoffen. Klingt erstmal zu schön, um wahr zu sein. Aber nochmal: Insekten-Burger, ernsthaft? Wie kommt man überhaupt auf so eine Idee?

Insekten-Burger-Startup Bugfoundation zu Gast bei „Die Höhle der Löwen“ auf VOX 

+++ Update: Am Dienstag, 18. September sind die beiden Bugfoundation-Gründer bei der Startup-Show „Die Höhle der Löwen“. Ob Baris Özel und Max Krämer aus Bremen einen der begehrten Investoren-Deals für ihre Insekten-Burger bekommen, seht Ihr ab 20.15 bei VOX.

„Die Höhle der Löwen“-Teilnehmer: Wie kamen die Bugfoundation-Gründer auf die Idee mit den Insekten-Burgern?

Während sich Baris und Max auf Reisen durchs ganze Land befinden, um ihr Startup zu promoten, erzählen sie, wie alles angefangen hat. Denn mit einer Reise begann auch die Geschichte der Bugfoundation. Rückblick: „Wir sind beide in Bremen geboren und in Osterholz-Scharmbeck zur Schule gegangen“, erzählt Max. „Damals trug ich noch Dreadlocks und Baris Goldkettchen.“ Weil beide im Unterricht störten, seien sie zusammengesetzt worden. „Dass das hilft, war ein Trugschluss“, sagt Baris und lacht. „Seit der neunten Klasse sind wir Bestfriends. Lange vor den Insekten-Burgern war unser erstes gemeinsames Business der Verkauf von Playmobil auf dem Flohmarkt.“ Baris ging irgendwann fürs BWL-Studium nach Osnabrück, Max blieb in Bremen und studierte Geografie. „Als wir uns zwischendurch zwei Auslandssemester samt Weltreise gönnten, aßen wir in Südostasien das erste Mal Insekten“, erinnert sich Max. „Manches war echt lecker, manches weniger.“

Insekten-Burger-Startup Bugfoundation nimmt bei „Die Höhle der Löwen teil“: „Wollen Insekten-Burger alltäglich machen“

Das geschmackliche Potenzial verloren sie nach diesen Erlebnissen nie aus den Augen. In seiner Bachelor-Arbeit kam Max schließlich auf das Thema zurück und beschäftigte sich mit den ökologischen und gesundheitlichen Aspekten von Insekten im Vergleich zu Rindfleisch. „Dabei bin ich auf viele Vorteile gestoßen – immer im Austausch mit Baris.“ Für die beiden lag es nahe, mehr daraus zu machen. Im Februar 2014 ging schließlich Bugfoundation an den Start. „Foundation heißt Fundament und das ist es auch, was wir machen“, erklärt Max. „Wir wollen Insekten-Burger in Europa alltäglich machen.“ Zunächst opferten beide aus ihren WG-Zimmern heraus ein paar Stunden pro Woche für ihre Mission. 2016 eröffneten sie schließlich ihr Büro, inzwischen haben sie drei Mitarbeiter.

Lange vor der „Die Höhle der Löwen“-Teilnahme: Bugfoundation schuf erste Insekten-Burger in Bremen

Burger lagen zur Gründerzeit von Bugfoundation allgemein im Trend, in Deutschland durften Insekten jedoch nicht verarbeitet werden. Doch davon wollten sie sich ihre Motivation nicht madig machen lassen. „Wir hatten beide keine Ahnung, haben uns online Insekten bestellt, in ein Bremer Kochlabor eingemietet und sind erstmal grandios gescheitert“, so Max. Also meldeten sie sich beim Deutschen Institut für Lebensmittelforschung und rannten offene Türen ein. Gemeinsam wurden 300.000 Euro europäische Fördermittel des Food 2020 Programms eingeholt und mehrere internationale Forschungsprojekte auf der gesamten Wertschöpfungskette durchgeführt. „Damit haben wir die Grundlagen gelegt und uns dann mit Vermarktungs- und Rechtsfragen beschäftigt“, fährt er fort.

Schon vor „Die Höhle der Löwen“ wussten Bugfoundation-Gründer ums Potenzial ihrer Insekten-Burger

„Als wir so weit waren, kamen wir im Oktober 2015 in Belgien auf den Markt“, berichtet Baris. Im Juli 2017 folgten die Niederlande, direkt flächendeckend in zehn Städten. Mit dieser Erfahrung aus dem Ausland, warteten sie nun darauf, auch in Deutschland durchstarten zu können. „Dass es irgendwann losgeht wussten wir, nur nicht wann“, sagt Max. Doch was war überhaupt das Problem? „Die Novel Food Verordnung regelt, welche Lebensmittel auf den Markt dürfen“, erklärt Max. „Als sie geschrieben wurde, hatte man noch nicht an Insekten gedacht, darum fehlte der Bereich.“ Schließlich wurde zu Beginn 2018 nachgebessert und es konnte auch hierzulande mit Bugfoundation-Burgern losgehen.

Insekten-Burger bei „Die Höhle der Löwen“: Bugfoundation-Gründer vom frühen Erfolg überrascht

Dass es im neugierigen Holland klappt, hieß noch lange nicht, dass Insekten-Burger auch in Deutschland funktionieren, da waren sich die Bugfoundation-Gründer sicher. „Doch das Verbot hat uns motiviert“, sagt Baris. „Auch, weil es in Belgien und den Niederlanden so gut lief. Mit dem Ziel vor Augen und der gesetzlichen Blockade war es ein großer Ansporn.“ Max muss zugeben: „Als es dann soweit war, wurden unsere Erwartungen tausendfach übertroffen. Wir sind immer schon Optimisten, aber so eine Nachfrage haben wir einfach nicht erwartet.“ Und Baris pflichtet bei: „Letztendlich war dieser Weg über das Ausland Gold für uns.“

Baris und Max berichten beim Klub Dialog in den Pusdorf Studios von ihren Insekten-Burgern.

Bugfoundation setzt mit Insekten-Burgern aufs richtige Pferd: Gesunde Ernährung ist Trend-Thema

Doch was macht denn nun den Reiz von Insekten-Burgern aus? Bisher war das große Krabbeln nicht eben als Delikatesse für den europäischen Gaumen bekannt. „Etwas Neues probieren ist wie im Urlaub sein“, sagt einer ihrer Burger-Brater bei der Verköstigung am Rewe-Markt in der Westerstraße zu einem Neugierigen. Mehr Auswahl und Ausgewogenheit wollen die beiden Gründer in die Ernährung bringen – und das scheint zu fruchten. Gesunde und bewusste Ernährung sind ohnehin Trend-Themen. Allerdings: „Wir wollen nicht mit erhobenem Zeigefinger den Fleischverzicht predigen, sondern Alternative bieten und eine nachhaltige Balance in der Ernährung schaffen“, betont Max. Ihre ausgemachte Zielgruppe sind dabei Flexitarier und bewusste Konsumenten. Ein Klientel, das bereit sein dürfte den gehobenen Preis von 5,99 Euro für sechs Mini-Patties von Bugfoundation zu bezahlen. Denn derzeit können sie die Insekten noch nicht günstiger anbieten als herkömmliches Fleisch.

„Die Höhle der Löwen“: Bugfoundation produziert Insekten-Burger in den Niederlanden

Ihren Ursprung haben die Bugfoundation-Patties in den Niederlanden, produziert wird in der Nähe von Den Haag, die Larven wachsen in Ermelo heran. Vier bis sechs Wochen dauert die Züchtung, bevor die Insekten schließlich langsam heruntergekühlt werden und wie in der Natur bei Temperatursenkung einschlafen. Die hohe Anzahl auf kleinem Raum ist dabei nicht etwa „Massentierhaltung“ sondern entspricht dem natürlichen Habitat, wie Baris erklärt. „Insekten fühlen sich in diesem Zustand wohl. Insofern ist die Züchtung ethisch vertretbar und eine echte Alternative zu Fleisch.“ Zwischen 300 und 1.000 Buffalowürmer im Frühstadium sind je nach Bulettengröße schließlich in einem Burgerpatty enthalten. Die Zubereitung erfolgt zu Hause in der Pfanne oder im Ofen. Skeptiker blenden beim ersten Probieren vielleicht erstmal die Vergleichbarkeit mit Mehlwürmern aus. Und siehe da: Ein wirklich schmackhafter, nussiger Geschmack entfaltet sich und macht Lust auf mehr. Ungefähr 2.000 essbare Insektenarten soll es übrigens geben.

Bisher alle Zügel selbst in der Hand: Bis zur „Die Höhle der Löwen“ alle Bugfoundation-Anteile bei den Gründern

Der Supermarkt in der Bremer Neustadt ist ziemlich genau der 100., in dem die Insekten-Burger der Bugfoundation nun zu finden ist. Und tausende weitere stehen in der Warteschlange, sagt Max. Doch die Produktion soll Stück für Stück wachsen, um Fehler zu vermeiden. Dass es Max‘ Stamm-Laden ist – reiner Zufall. „Witzigerweise hat der Geschäftsführer bei mir angerufen, nicht umgekehrt.“ Am Tag nach der Bremer Markteinführung und dem Auftritt beim Klub Dialog, geht es direkt mit einem Event in Osnabrück weiter. Die beiden Selfmade-Unternehmer sind gefragte Speaker, halten oft Vorträge, Präsentationen, Pitches. Geschäftspartner gibt es übrigens nicht. Baris und Max halten sämtliche Zügel selbst in der Hand. Während Baris im Büro die Stellung hält, arbeitet Max im Bremer Homeoffice oder pendelt.

Die beiden Selfmade-Unternehmer sind gefragte Speaker, halten oft Vorträge, Präsentationen, Pitches – wie hier beim Klub Dialog.

Plan der Insekten-Burger-Gründer von Bugfoundation vor die „Die Höhle der Löwen“: „Gesund und stabil wachsen“ 

Auf einer Messe in Berlin verteilten sie kürzlich 5.000 Insekten-Burger-Portionen. An ihrem Stand bildete sich eine 40-Meter-Schlange. Ihr Posteingang quillt über. Doch Baris sagt: „Wir wollen gesund und stabil wachsen, damit wir das auch noch länger machen können.“ Eine nationale Listung im Supermarkt lehnten sie darum auch ab und beteuern ganz in Ruhe und ohne Eile vorgehen zu wollen. Dennoch soll im Laufe des Jahres weiteres Personal eingestellt und neue Bugfoundation-Produkte ins Sortiment aufgenommen werden. „Es wird keine Wurst, so viel kann ich schonmal verraten“, sagt Baris und schmunzelt. Voraussichtlich Ende des Sommers sollen dann auch Gastro-Betriebe hinzu kommen. Kein Wunder, das Feedback ist nach eigenen Angaben überragend. Die Leute seien beim ersten Probieren vor allem positiv überrascht, ihre Erwartungen träfen zu 100 Prozent nicht ein. „Die häufigste Rückmeldung bei Verköstigungen ist: ‚Kann ich noch eins haben‘“, sagt Baris und muss wieder lachen. „Das in den Gesichtern zu sehen ist das Schönste!“

Bugfoundation bei „Die Höhle der Löwen“: Mit Insekten-Burgern steil gehen, obwohl der Wurm drin ist 

Ein bisschen Abenteuer, ein bisschen Exotik und ziemlich viel „lecker“ steckt in den Bugfoundation-Burgern. Damit das noch mehr Menschen mitbekommen, setzen sie ihre Reise fort. Die beiden Gründer, die Insekten auf die Karte packen. Mit Burgern steil gehen, obwohl der Wurm drin ist. Und obwohl Insekten essen hierzulande bisher eher als Dschungelcamp-Mutprobe denn als ernsthaftes Nahrungsmittel bekannt ist. Trendsetter sowie Botschafter in Sachen Nachhaltigkeit und Gesundheit – so könnte man Max und Baris bezeichnen. Klar müssen sie sich am aktuellen Hype messen lassen. Auch, wenn sie den Höhenflug selbst nicht als solchen bezeichnen. Ebenso an ihrer Vision die Ernährung europaweit zu revolutionieren. Zukunftsfähig wirkt das Konzept. In Asien hat Insekten essen eine lange Tradition. Und wenn es so weiter geht, werden sie womöglich eines Tages zu „Ehren-Burgern“ ihrer Heimatstadt Bremen.

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