Pacht läuft Ende März aus

Rotkäppchen macht vorerst dicht: Wieder ein Kultladen weniger im Viertel

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Die Tage des Kultlokals Rotkäppchen an der Kreuzung Humboldtstraße und Am Dobben in seiner bisherigen Form sind gezählt. Wieder ein traditionsreicher Laden weniger im Bremer Viertel.

Es ist das Ende eines absoluten Kult- und Traditionslokals im Bremer Viertel: Ende März läuft der Pachtvertrag aus, spätestens dann schließt das Rotkäppchen an der Kreuzung Humboldtstraße, Am Dobben. Im Zusammenhang mit zurückgehenden Gästezahlen, spricht die Betreiberin auch von Gentrifizierung. Der neue Besitzer will indes wieder ein Rotkäppchen eröffnen – saniert oder in einem Neubau. Das berichtet der „Weser Kurier“.

Das Rotkäppchen fügt sich in eine Reihe von alteingesessenen Läden, die in den vergangenen Jahren im Viertel schlossen. Darunter: Moments, Römer und Holtorf. Letztere beiden eröffneten unter gleichem Namen mit neuen Betreibern wieder – so wie es dem Eckbistro nun auch ergehen soll. Das zeigt: es ist reichlich Bewegung drin Viertel. Mit einer Schließung endet jedoch immer auch ein Kapitel und damit ein Stück des bisherigen Geistes – ganz gleich, wie es anschließend weitergeht.

Wie der „Weser Kurier“ berichtet, wechselte das Grundstück samt Flachbau und Kneipe vor zwei Monaten den Besitzer. Käufer war demnach Reza Najmehchi, Bremer Geschäftsmann, Gastronom und Gründer des Restaurants El Mundo. Dort zog er sich kürzlich nach 25 Jahren zurück. „Unser Interesse ist es, an der Humboldtstraße eine Gastronomie zu betreiben. Es wird weiter ein Rotkäppchen geben, vielleicht ein bisschen anders, aber die Gastronomie gehört zu dieser Stelle, und wir sehen dort große Chancen“, so Najmehchi gegenüber der Zeitung.

Obwohl das Gebäude marode sei, strebe der neue Eigentümer nicht zwangsläufig einen Neubau an. Dies sei eine Option, sein Wunsch wäre es jedoch, das Gebäude „im Gespräch mit der Stadt stark zu sanieren und zu Hochglanz zu bringen“, wie Najmehchi dem „Weser Kurier“ sagte. „Entweder reißen wir das alte Gebäude ab und bauen dort mehrstöckig, oder wir modernisieren das jetzige Gebäude.“ Ein Neubau in dieser exponierten Lage, würde laut Bericht auch Baubehörde und Ortsamt zugunsten der Baukultur auf den Plan rufen.

Sein Alter merkt man der Kneipe mit dem alternativen Touch durchaus an. Gemütlich eingerichtet, mit Raucher-Wintergarten und Kunst an den Wänden. Früher habe es einmal fünf Rotkäppchen in Bremen gegeben, das im Viertel sei das einzig übrig gebliebene, wie die Zeitung weiter berichtet. Demnach werde es seit den 90ern von Frauen geführt, zwischenzeitlich aus dem Hause „Médoc“ in der Friesenstraße, seit 2006 u.a. von Karen Piel-Marxcors. 

Die Gäste seien zuletzt jedoch zurück gegangen, weswegen bereits das Frühstücksbuffet gestrichen wurde, so die Betreiberin gegenüber dem „Weser Kurier“. Als Ursache habe sie vor allem Veränderungen im Viertel ausgemacht: eine ältere Nachbarschaft, Abwanderung von Familien Richtung Neustadt. „Man merkt die Gentrifizierung: Früher war das Rotkäppchen einer von wenigen Gastro-Betrieben hier, zuletzt haben am Ostertorsteinweg in zwei Jahren 46 neue Läden aufgemacht,“ so Piel-Marxcors gegenüber der Zeitung.

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