nordbuzz blickt hinter die Kulissen

Fünf Fragen an regionale Gründer: Knobi-Killer, Marmelade, Bio-Shop & App-Game

Die Gründer von Papa Türk, vekoop, Daily Marmelade und Spairs (von oben links nach unten rechts)

Die Gründer-Szene in Bremen und Oldenburg wächst stetig. Reichlich kreative Köpfe wagen mit genialen Ideen den Sprung in die Selbstständigkeit. nordbuzz hat hinter die Kulissen von Startups geschaut und vier Gründern fünf Fragen gestellt.

Ob der Knobi-Killer-Drink von Papa Türk, Brotaufstrich-Abonnements von Daily Maremalde, der Online-Shop für vegane Lebensmittel vekoop oder das App-Game „Spairs“ als Hör-Memory – in Bremen und Oldenburg gehen der Kreativwirtschaft die Ideen nicht aus. Wie haben mit vier Gründern gesprochen und Interessantes aus dem Nähkästchen erfahren. Was die Startups im Einzelnen anbieten, wer dahinter steckt, wie es dazu kam, warum ausgerechnet in Bremen und Oldenburg gegründet wurde und wie die Ziele aussehen, all das verraten die Gründer nordbuzz in fünf Antworten.

„Irgendwann als Sponsor aufs Werder-Trikot und Mesut Özil zurück an die Weser holen"

Was ist Papa Türk? 

Wir von Papa Türk produzieren und vertreiben chlorophyllinhaltige Erfrischungsgetränke, die wir liebevoll als „Kussbrausen“ bezeichnen und die den Zusatznutzen haben Essensgerüche zu neutralisieren. Unser erstes Produkt haben wir speziell als Getränk zum Döner Kebap, Deutschlands beliebtesten Fast-Food, entwickelt. Wenn man das Getränk dazu verzehrt, hat man etwa eine Stunde danach dauerhaft keine Knobi-Fahne mehr. Mittlerweile vertreiben wir drei verschiedene Geschmacksrichtungen, die aber alle den gleichen Zusatznutzen versprechen. Daneben gibt es noch Papa Shisha mit Shisha-Doppelapfel Geschmack und die Papa Kola.

Wer steckt hinter Papa Türk? 

Gründer sind Jan Plewinski und Roman Will. Aktuell arbeiten sechs Festangestellte bei uns, plus ein paar freie Mitarbeiter. Gesellschafter sind unter anderem noch die Sparkasse Bremen und DS Produkte von Ralf Dümmel aus „Die Höhle der Löwen“.

Wie kam es dazu und wie läuft es? 

Seit Anfang 2014 sind wir Vollzeit an dem Projekt dran. Zuvor lief die Produktentwicklung gemeinsam mit einer auf Lebensmitteltechnologie spezialisierten Hochschule. Wir waren schon vor Produkteinführung eng verbandelt mit einem erfolgreichen türkischen Händler, der uns dann den Einstieg speziell in die Bremer Döner-Gastro erleichtert hat. Noch in 2014 ist zum Kebapmarkt mit dem Lebensmitteleinzelhandel Edeka ein weiterer Vertriebskanal dazugekommen. Im weiteren Verlauf konnten wir sowohl die Handels- als auch Gastrolistungen langsam und stetig immer weiter ausbauen, bis wir 2016 durch die Teilnahme an der Sendung „Die Höhle der Löwen“ nochmal einen etwas größeren Sprung gemacht haben. 

Die Papa-Türk-Gründer Jan Plewski und Roman Will in der VOX-Sendung „Die Höhle der Löwen“.

Wir waren vor der Aufzeichnung extrem aufgeregt, weil es bei der Sendung ja schon in zwei Richtungen gehen kann. Wenn es schlecht läuft, blamiert man sich vor vier Millionen Leuten. Jedes Augenzucken wird von zwölf Kameras eingefangen und wenn man Pech hat, eben auch in der Sendung gezeigt. Letztendlich ist es für uns aber sehr gut gelaufen und der Werbeeffekt ist schon enorm. Wir haben seitdem jede Menge neue Kunden wie z.B. Metro und Selgros hinzugewonnen und mehr als 1,5 Mio. Einheiten verkauft. Die Zusammenarbeit mit DS Produkte und Ralf Dümmel ist auch eine große Hilfe. Wir profitieren nicht nur von deren Handelsbeziehungen, sondern auch im Bereich Produktion und Qualitätsmanagement haben wir die Produkte nochmal extrem verbessern können. Papa Türk schmeckt heute komplett anders als zum Zeitpunkt der Markteinführung vor drei Jahren.

Warum ist Papa Türk in Bremen aktiv? 

Jan und ich sind gebürtige Bremer und haben das Ganze erstmal nebenberuflich gestartet. Als dann alles immer mehr wurde, haben wir uns entschlossen, unsere Jobs an den Nagel zu hängen und uns nur noch auf das Projekt zu konzentrieren. Es war aber eigentlich immer klar, dass wir das von Bremen aus weiterführen wollen. Hier sind wir sehr gut vernetzt – speziell im türkischen Großhandel – und es gab von Anfang an gute Förderungsmöglichkeiten für uns, beispielsweise das Brut-Programm von der Bremer Aufbaubank und der EU.

Wohin soll es mit Papa Türk gehen? 

Nachdem wir unser gesamtes Geschäft durch die Teilnahme an „Die Höhle der Löwen“ auf die nächste Stufe heben konnten, wollen wir nun zum einen die bereits aufgestoßenen Verkaufskanäle Gastronomie, Handel, B2B-Online und B2C-Online für unsere Getränkeprodukte weiter erschließen und festigen und zum anderen unser Produkt technisch weiterentwickeln. Geplant sind Fruchtgummis mit dem gleichen Atem erfrischenden Zusatznutzen in verschiedenen Geschmäckern. Außerdem reizt uns immer wieder der Gedanke, in Bremen nochmal einen eigenen „etwas außergewöhnlichen Kebapladen“ zu eröffnen. Der Verlauf ist aber noch offen. Langfristig wollen wir irgendwann mal als Sponsor aufs Werder-Trikot und Mesut Özil wieder zurück an die Weser holen!

Weitere Infos unter www.papatuerk.de 

Die Idee zu Daily Marmelade entstand in der Studenten-WG 

Was ist Daily Marmelade? 

Angefangen hat alles mit dem weltweit ersten Marmeladen-Abo, das es bei uns auf der Webseite zu kaufen gibt. Wer ein Abo bei uns abschließt, bekommt monatlich ein Glas Marmelade zugeschickt. Die Auswahl übernehmen wir und der Empfänger erhält so jeden Monat eine kleine Überraschung. Mittlerweile ist Daily Marmelade auch ein Online-Shop für besondere Brotaufstriche geworden. Aufgrund vieler Kunden-Nachfragen, haben wir ihn vor einiger Zeit ins Leben gerufen. Dort bieten wir weitere Sorten, herzhafte Brotaufstriche und Honig von verschiedenen Manufakturen aus Deutschland an. Aber die Besonderheit bei uns bleibt weiterhin das Marmeladen-Abo. Und natürlich ein grandioser Kundenservice.

Wer steckt hinter Daily Marmelade? 

David, Marco, Franziska und Kolja. David und Marco hatten die Idee mit dem Marmeladen-Abo während ihrer Studentenzeit und haben sie weiterentwickelt. Franziska fing mit einem Praktikum an und unterstützt Marco jetzt im grafischen Bereich. David kümmert sich um die wichtige Technik im Hintergrund. Und auch Kolja war während des Studiums Praktikantin bei Daily Marmelade und hat mittlerweile die Projektleitung übernommen.

David, Malte und Marco im Grünen. Die Idee zu Daily Marmelade kam den Gründern in der Studenten-WG.

Wie kam es dazu und wie läuft es? 

Die ursprüngliche Idee zum Marmeladen-Abo hatte David in seiner Studenten-WG in Dresden. Schnell war eine einfache Webseite gebaut und die ersten Abos verkauft. Das sprach sich herum und so bekam Daily Marmelade immer mehr Kunden. Das Unternehmen, das hinter dem ganzen steht, ist unsere Agentur werk85, die David und Marco mit Malte – einem weiteren Freund – gegründet haben. Dort setzen wir hauptsächlich Kundenwünsche im Bereich e-Commerce und App-Entwicklung um. Und eines unserer eigenen Projekte ist Daily Marmelade.

Warum ist Daily Marmelade in Bremen aktiv? 

David und Marco sind gebürtige Bremer. Zwar kam David die Idee des Marmeladen-Abos in Dresden, doch nach dem Studium ging es zurück in die alte Heimat, von wo wir seither allmonatlich die Abos verschicken und uns neue Ideen ausdenken, wie wir Daily Marmelade noch bekannter machen können.

Wohin soll es mit Daily Marmelade gehen? 

Zu mehr leckerer Abwechslung auf dem Frühstückstisch, denn die bekannten Supermarkt-Produkte gibt es bei uns nicht zu kaufen. Wir sind stets auf der Suche nach neuen, hochwertigen Produkten die von kleinen Manufakturen hergestellt werden. 

Mehr Infos unter www.daily-marmelade.de

vekoop will eine Führungsrolle beim Thema Nachhaltigkeit spielen 

Was ist vekoop? 

vekoop ist ein Food-Startup und bietet seit Sommer 2013 einen Onlineshop für vegane Lebensmittel – davon über 80 Prozent in Bio-Qualität. Das breite Sortiment aus mittlerweile weit über 2.000 rein pflanzlichen Produkten, bietet alles zur gesundheitsbewussten Ernährung: Für Allergiker, Vegetarier, Veganer, Flexitarier und alle, die sich gerne bewusst ernähren! Der Shop hilft dank eines umfangreichen Filtersystems dabei, zielgenau die gewünschten Produkte zu finden. Das endlose Lesen von Produktverpackungen und das am Ende schlimmstenfalls erfolglose Herumirren in Supermarktgängen ist damit Vergangenheit! vekoop beliefert dabei nicht nur Endkunden – auch Gastronomie und Hotellerie finden hier Zutaten für eine moderne und nachfrageorientierte Speisekarte.

Wer steckt hinter vekoop? 

Hinter vekoop stehen zunächst die beiden Gründer Timo Schliep und Sebastian Brandstetter. Timo brachte als langjähriger Veganer schon viel Produktwissen mit, was Sortiment-Gestaltung und das Thema Ernährung betraf. Sein betriebswirtschaftliches Studium und die vorhergehende langjährige Arbeit im Vertrieb bildeten weitere elementare Grundsteine. Die beiden Gründer haben sich im Master-Medienstudium an der Uni Oldenburg kennen gelernt. Die in Studium, Praktika und Nebenjob vertieften Marketing-, IT-, Webdesign- und Bildbearbeitungs-Kenntnisse waren Grundlagen für Shop-Erstellung und die Vermarktung. Heute sind wir natürlich nicht mehr zu zweit und freuen uns, ein tolles und starkes Team hinter uns zu haben!

Die vekoop-Gründer Timo Schliep und Sebastian Brandstetter lernten sich an der Uni Oldenburg kennen.

Wie kam es dazu und wie läuft es? 

Die beiden Gründer haben sich an der Uni Oldenburg im Rahmen eines Gründungsseminars zusammengefunden. Dort entstand die Idee und der erste Kontakt zum Gründungs- und Innovationszentrum (GIZ) der Uni. Wir bekamen den Tipp, uns mit Businessplan beim Gründerpreis GründerCampus Niedersachsen zu bewerben. Durch den Gewinn sowie eine erfolgreiche Teilnahme an einem – unter anderem von Google gesponserten Crowdfunding-Wettbewerb der Uni Berlin – konnten wir einen großen Teil der Anfangsfinanzierung bewerkstelligen. Schließlich gewannen wir noch die Erstellung eines Onlineshops durch eine Bremer Agentur, was den letzten Anstoß gab. Die Agentur ging leider gegen Ende unserer konzeptionellen Phase insolvent, sodass wir den Shop selbstständig erstellt haben. Rückblickend war das ein entscheidender Faktor, da wir so einen enorm hohen Grad an internem Know-How aufbauen konnten, um den Shop nach unseren und den Wünschen unserer Kunden zu gestalten. Gegründet haben wir schließlich parallel zum Ende des Studiums und online sind wir mittlerweile seit drei Jahren – mit stetigem Wachstum, was den Kundenstamm, Paketzahlen und das Sortiment betrifft!

Warum ist vekoop in Oldenburg aktiv? 

Mit Oldenburg verbindet uns natürlich unser Master-Studium und Oldenburg ist damit auch die Geburtsstadt unseres Startups. Wir haben hier von Anfang an große Unterstützung erhalten, vor allem durch das GIZ, aber auch durch die Stadt. Uns ist man hier überall aufgeschlossen und freundlich entgegen getreten, auch, als es den veganen Trend noch nicht so stark gab und das Thema Lebensmittel im Internet eigentlich noch keins war. Das hat uns von Anfang an begeistert und man merkt, dass in der Stadt ein tolles Klima für Startups herrscht. Die Gründungsphase fiel noch in die Endphase unseres Studiums, sodass wir ganz selbstverständlich vor Ort Räumlichkeiten für Büro und Lagerflächen gesucht haben. Perfekt für den Start sind wir in der Lager- und Bürofläche eines alten Supermarktes nördlich des Klinikums untergekommen und haben diese Entscheidung nie bereut. Da unser Platzbedarf von Jahr zu Jahr wächst, sind wir nun in der Konzeption einer neuen Fläche – Oldenburg möchten wir dabei treu bleiben!

Wohin soll es mit vekoop gehen? 

vekoop möchte vegane und nachhaltige Spezialitäten sprichwörtlich in alle Munde bringen, um die Welt ein bisschen leckerer und gesünder zu gestalten. Unser Ziel ist es, den Lebensmittelkauf online für alle möglich zu machen. Unsere Vision ist dabei ein unkompliziertes Einkaufserlebnis zu schaffen und daran arbeitet unser gesamtes Team leidenschaftlich. Wir wollen das Thema Nachhaltigkeit noch stärker im Unternehmen verankern. Wir nutzen natürlich Ökostrom, verschicken in gebrauchten Kartons und gehen nachhaltig mit allen unseren Ressourcen um. Hier wollen wir immer eine Führungsrolle spielen. Genauso werden wir die Filter auf unserer Webseite noch viel besser machen, aber dazu können wir leider noch nicht viel verraten – nur so viel: Da lohnt sich dann für jeden ernährungsbewussten Genießer ein Blick ins Sortiment! Die Einfachheit des Shoppens ist ebenso unsere Maxime wie unser zukünftiges Ziel, genauso wie der faire Umgang mit allen Partnern – und das gilt für unsere Hersteller, die kleinen Manufakturen wie die großen Bio-Pioniere, aber natürlich vor allem für unsere Kunden. Wir werden auch weiterhin immer ein offenes Ohr für Wünsche und Vorschläge haben und daran wachsen!

Mehr Infos unter www.vekoop.de 

Die „Spairs“-Macher finden, in Bremen kann man unaufgeregt gute Geschäfte machen – hoffnungslos hanseatisch 

Was ist Spairs? 

„Spairs“ ist eine Art Memory-Spiel, allerdings nicht für die Augen, sondern für die Ohren. Der Spieler hört kurze Sounds aus bestimmten Themenbereichen und muss diese paarweise zuordnen. Klingt erstmal einfach, ist es vom Konzept her auch, aber die Realität ist dann eine andere, das ist schon tricky bei größeren Feldern.

Wer steckt hinter Spairs? 

Hinter dem Spiel „Spairs“ stecken in erster Linie nur zwei Personen, der Programmierer und „Digital All-Rounder“ Robin Kuhlmann und ich, Stefan Meichau, als Ideengeber und Gestalter der App. Die Agentur nachtlicht-media gibt es uns schon seit dem Jahr 2000. Allerdings ist das in erster Linie ein kleines Netzwerk von Freelancern um eine Person herum, die seit Anbeginn alles etwas strukturiert, zusammenhält und aufbaut – das bin ich. Erst seit 2015 ist mit Robin Kuhlmann jemand zu uns gestoßen, mit dem wir uns der Konzeption und Umsetzung von Apps widmen können, weil er das technische Knowhow und das Feuer mitbringt.

Stefan Meichau ist Ideengeber und Gestalter von „Spairs“.

Wie kam es dazu und wie läuft es? 

Ich komme aus einem Angestelltenverhältnis in einer Eventagentur, nach dem diese damals vor 17 Jahren pleite ging, habe ich mich eher notgedrungen selbstständig gemacht. Zuerst vor allem als Dienstleister für die Organisation von Messen, Konzerten und Kongressen, über die Jahre wurde dann aus nachtlicht-media eine kleine Full Service Agentur. Aktuell haben wir die Schwerpunkte eher im Bereich Corporate Design, Webprojekte und Social Media. Nur den „Sommer in Lesmona“ in Bremen Nord organisieren wir noch jedes Jahr.

Warum ist Spairs in Bremen aktiv? 

Derzeit bestehen alle involvierten Personen mehr oder weniger aus Bremern, wir haben hier angefangen und hatten irgendwie nie das Bedürfnis, die Stadt zu wechseln. Klar gibt es in Metropolen wie Hamburg und Berlin vermeintlich größere und exklusivere Kunden, aber für diese sind wir schon personell gar nicht aufgestellt. Und das Interesse, Dienstleister für diese zu sein hält sich ehrlich gesagt auch in Grenzen. Wir haben einen coolen Mittelstand und ich finde einfach, hier in Bremen kann man unaufgeregt gute Geschäfte machen –hoffnungslos hanseatisch halt.

Wohin soll es mit Spairs gehen? 

Wir haben mit „Spairs“ ja nun erstmalig App-Luft geschnuppert und sind schon etwas angefixt. Gern wollen wir dieses Geschäftsfeld ausbauen und werden hier neben eigenen Apps auch gern Firmen als Dienstleister für die Umsetzung externer App-Ideen zur Verfügung stehen. Das ganze Business steckt unserer Meinung nach trotz bereits überbordender App-Stores noch in den Kinderschuhen und der Bereich „mobile“ wird unser Leben weiterhin noch viel massiver beeinflussen als es jetzt bereits der Fall ist.

Mehr Infos unter: www.spairs-game.com 

Fünf Fragen an Gründer aus Bremen und Oldenburg: Alle Ausgaben der Startup-Serie 

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