Das Brot ist der Star

Erster Eindruck: Das taugt die French-Connection-Baguetterie im Viertel

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Das Baguette „Double Trouble“ im „French Mystery“-Brot.

French Connection ist in Bremen keine unbekannte Baguetterie, doch die Neueröffnung in der Lüneburger Straße bietet Anlass einmal das Angebot und die Waller Kette unter die Lupe zu nehmen. Wie schmeckt‘s, wie sieht‘s aus und was steckt eigentlich hinter French Connection? Ein erster Eindruck.

In der Bremer Baguetterie-Kette French Connection verbirgt sich ein zunächst vielleicht unerwartetes Know-How. Bereits seit über 25 Jahren beschäftigt man sich hinter den Kulissen in der Hansestadt mit dem backen von Baguettes. Ab 1998 begann sich dann der heute 42-jährige Eyüp Erdem mit dem Aufbau einer Baguetterie zu befassen. 2007 war der Bremer türkischer Abstammung schließlich soweit den ersten kleinen Laden in der Neustädter Pappelstraße auf 20 Quadratmetern zu eröffnen. Zehn Jahre später gibt es nun 14 Filialen in Bremen, Berlin, Hamburg oder Köln, selbst in Holland ist French Connection vertreten. Aber auch in Oldenburg, Bremerhaven, Ottersberg und Walsrode. Noch immer wird die familieneigene Backstube in Walle betrieben.

Die neueste French Connection Filiale liegt in der Lüneburger Straße 31, Ecke Hamburger/ St. Jürger Straße.

Um den Standort an der Lüneburger Straße auf der Grenze zwischen dem Viertel und Peterswerder musste er sich besonders bemühen. „Ich habe vier, fünf Monate darum gekämpft, es gab fast 30 Mitbewerber“, sagt Eyüp. „Aber wir sind keine typische Gastronomie, haben Heimspiel und damit den Vermieter überzeugt.“ Nach dreieinhalb Monaten Kernsanierung war die neueste French Connection Filiale fertig – barrierefrei und schick durchdesignt. Früher gab es in den Räumlichkeiten mal eine Sparkasse, zuletzt ein Café und eine Galerie. Jetzt kann man hier in stimmiger Atmosphäre Baguettes, Crêpes, Galettes, Salate oder Burger essen. Geplant sind zudem Flammkuchen und Aufläufe.

Junges dynamisches Team

Diese Filiale ist zusammen mit der am Airport die neueste und größte. Eine Art Flagship-Store, wenn man so will. „Wir haben viel Arbeit in den Laden gesteckt“, sagt Patrick. „Über jedes Detail wurden zwei Nächte geschlafen.“ Zusammen mit Store-Managerin Vanessa und einem dritten Partner ist er Teilhabern an diesem Ladenlokal. Sie alle sind gerade einmal Anfang bis Mitte Zwanzig. Ein junges Team von acht Leuten, das teilweise noch mit den Aufgaben wachsen muss. Bei einem ersten Besuch in der Eröffnungswoche ging noch manches drunter und drüber. Teilweise wurden Bestellungen vergessen oder verwechselt, Curry Soße war ausverkauft, die Wartezeiten lang. „Wir haben zwar mit viel Andrang gerechnet, aber nicht mit so viel. Die Leute haben bis draußen gestanden. Das war krass“, sagt Vanessa überwältigt. „Viele Kunden haben uns in der Gegend vermisst, manche waren in den ersten drei Wochen nach der Eröffnung jeden Tag da.“ Sie selbst managt den Laden neben ihrer Ausbildung, Patrick hat als Azubi bei French Connection gejobbt.

Teilhaber Patrick, Store-Managerin Vanessa und Baguette-Beleger Marvin hinter dem French Connection Tresen in der Lüneburger Straße.

Retro-Vintage-Look und 20 Sorten Baguette 

Nun sind sie selbst Betreiber einer Filiale, die sich sehen lassen kann. Das Interieur wurde gemeinsam mit einem Ladenbauer gestaltet, Mobiliar stammt aus Griechenland und Italien. Rustikal, mit viel Holz und im Retro-Vintage-Look. Hipster dürften sich wohl fühlen. Fast ein bisschen zu perfekt, um richtig authentisch zu wirken. Doch auch der Atmosphäre muss Zeit gegeben werden, sich einzupendeln. Eine offene Küche direkt hinterm Bestell-Tresen sorgt für Transparenz, hier kann man zuschauen, wie das eigene Essen zubereitet wird. Zuvor besteht die Wahl zwischen etwa 20 verschiedenen, frisch belegten Baguettes, fünf selbstgemachten Soßen und fünf Sorten von Hand gebackenem Brot. „Am besten laufen ‚French Mystery‘ und das ‚Fitness Brot‘ mit Dinkel und Chia“, sagt Eyüp. „Vollkorn auch, man merkt, wie die Kunden auf ihre Ernährung achten.“ In der Waller Backstube wird laut Eyüp Wert auf natürliche Zutaten gelegt, auf Konservierungs- und sonstige Zusatzstoffe verzichtet und den veganen, mit Grander-Wasser gebackenen Broten 24 Stunden Zeit zum reifen gegeben. Preislich reicht die Spanne im Laden von 5,90 Euro für ein Kleines, bis 7,90 für manch großes Baguette. Ganze 60 Zentimeter schlagen mit bis zu 15,90 zubuche. 

Erster Eindruck: So schmeckt‘s 

Das Lieblingsbaguette des Chefs? Ein „Double Trouble“. Klar, dass das beim Probieren für den ersten Eindruck herhalten muss. Belegt mit Schinken, Salami, Kräuterbutter, Eisbergsalat und Käse, gehört diese Standard-Variante zu den einfacheren Kreationen. Geschichtet auf dem pikanten „French Mystery“-Brot, das 70 verschiedene Gewürze enthalten und einer wochenlangen Experimentierphase entstammen soll. Die genaue Zusammensetzung bleibt standesgemäß geheim. Komplettiert wird die Mahlzeit schließlich von der scharfen „Teufels“-Soße. Und was soll man sagen, das Gesamtkonzept überzeugt. Krosses, aber nicht bröckeliges Brot mit einer angenehmen Schärfe. Fluffig, fast saftig und keinesfalls Gummi artig kommt die Teigware daher und wird durch die ebenfalls pikante Soße ergänzt. Diese beiden Zutaten sind ganz klar der Star. Baguettes solcher Konsistenz finden sich selten. Die große Ausführung macht äußerst Satt, ohne dabei jedoch zu erschlagen.

Das Baguette „Double Trouble“ im „French Mystery“-Brot.

Patente Lieferung mit Anlaufschwierigkeiten 

Um diese Qualität bis zu Hause zu sichern, hat Eyüp in – nach eigenen Angaben – dreijähriger Arbeit eigens eine Verpackung entwickelt. Bis zu einer Stunde sollen die Baguettes es in der Plastik freien Papp-Box aushalten, ohne dabei matschig oder pappig zu werden. Teilweise kämen Kunden sogar mit der Verpackung zurück, um neue Baguettes zu holen – dann gibt es zehn Prozent Rabatt. Für Nicht-Selbstabholer liefert French Connection auch nach Hause – der Umwelt zuliebe mit dem E-Bike. Allerdings in überschaubarem Umkreis, um die Zielorgabe von etwa 30 Minuten Lieferzeit zu wahren. Dies musste für die Viertel-Filiale jedoch wegen Überlastung um vier Wochen verschoben werden. Ersteinmal wollen sie ihre Abläufe optimieren, dann kann online, per App oder telefonisch bestellt werden.

Die eigens entworfene Papp-Box hält unterwegs frisch, ist wiederverwendbar und nachhaltig.

Fazit 

Neben Abstrichen für die anfänglich holprigen Abläufe und die je nach Geschmack vielleicht etwas zu gewollte Einrichtung, sammelt French Connection vor allem Pluspunkte für den Geschmack, die Freundlichkeit und die vielen durchdachten Besonderheiten, wie die Papp-Boxen, das Elektrofahrrad oder die offene Küche.

French Connection, Lüneburger Straße 31, täglich geöffnet von 11 bis 22 Uhr, am Wochenende ab 12 Uhr. Geheimtipp: Zwischen 15 und 17 Uhr ist am wenigsten Andrang, zum Abend dann jede Menge.

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