Viel Eleganz und Leichtigkeit in kleinen Portionen

Erster Eindruck: Das taugt das neue Restaurant Charles in der Bremer City

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Restaurantleiter Michel Mierswa und Küchenchef Tristan Hennig mit dem Charles im Rücken.

Das neue Restaurant Charles in der Bremer Innenstadt ist Geschmackssache – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Speisen sind hier keiner bestimmten Küchentradition oder Kochkultur verpflichtet, vielmehr ordnen sich die Gerichte nach den fünf Geschmacksrichtungen – süß, sauer, salzig, bitter und umami. Wir waren für einen ersten Eindruck zu Besuch in der Langenstraße.

Süße Seeteufelbäckchen, saure Radieschen-Buttermilchsuppe, salzige Tiefseegarnelen, bitteres Safran-Risotto oder umami Rinderfilet – so die klangvollen Einträge auf der Karte. Laut Menü „verheißungsvolle Versprechen“ oder „kleine kulinarische Abenteuer“ – Herkunft und Handwerk, Kreativität und Inspiration, diese Stichworte stehen im Vordergrund. Das macht neugierig. Fünf Gerichte gibt es pro Kategorie, dazu Biere und Weine, angerichtet in durch elegantes Interieur exquisit-leger anmutende Atmosphäre. Dass es sich um kein reines Restaurant handelt verrät die Getränkekarte. 25 Gerstensäfte, querbeet durch die Braulandschaft, darunter reichlich Craft Biere und vier Sorten vom Fass, auch alkoholfreies – das hat Seltenheitswert. Ebenfalls je 25 verschiedene Weine gibt es, europaweit offen und weltweit aus der Flasche.

„Wir haben was Neues für Bremen gestartet“

„Wir haben was Neues für Bremen gestartet. Konzept, Aufbau, Zusammenstellung, das gibt es so nicht“, sagt Geschäftsführerin und Gesellschafterin Paulina Solar, Ende dreißig, die auch das Café Engel im Viertel betreibt. Restaurantleiter ist Michel Mierswa, Anfang dreißig. Küchenchef Tristan Hennig – Mitte zwanzig – hat sein Fach in London bei Sternekoch Gordon Ramsey gelernt. Eine weitere von drei Gesellschaftern ist Giorgia Petersen-Hoetzel. Sie sagt: „Das Charles richtet sich an Leute, die Lust und Spaß am Essen haben.“ Dabei werde extremer Wert auf Qualität gelegt, auch bei den Mitarbeitern, so Solar. „Die Zutaten sind alle frisch und werden morgens angeliefert“, sagt Hennig. „Wir verwenden keine Fertigprodukte, es stammt alles aus dem Haus, man muss also kein schlechtes Gewissen haben.“

Blick ins schick eingerichtete Charles.

Lounge-Atmosphäre, offene Küche kosmopolitisches Flair 

Die Hintergrund-Musik im großzügigen Hauptraum des Charles versprüht Lounge-Atmosphäre. Im Erdgeschoss gibt es einen offenen Küchenbereich mit Blick auf den Koch und sein Team bei der Essenszubereitung. Große Fenster bieten Aussicht auf das geschäftig-großstädtische Treiben vor der Tür. Der Anblick einer aus überdimensionalen internationalen Zeitungsausschnitten gefertigten Collage versprüht kosmopolitisches und weltoffenes Flair. Diese Fläche soll künftig für Ausstellungen genutzt werden. Über eine Wendeltreppe gelangt man ins Séparée auf der Empore eine Etage höher. Dort kann man in Gesellschaft einer entsprechend geschlossenen Gesellschaft an einer langen Tafel tafeln und auf schweren Clubsesseln thronen. Etwa 60 bis 70 Personen finden im Charles insgesamt Platz, um Voranmeldungen für Geburtstage, Hochzeiten und andere Feierlichkeiten wird gebeten.

„‚Fine Dining‘, ohne, dass der Koch an die Decke geht“ 

„Wir wollten den Charme des alten Mobiliars des Vorgänger-Restaurants ‚Presse Bar Cuisine‘ behalten und neue Akzenten setzen“, sagt Petersen-Hoetzel. So hängt unter der hohen Decke noch der alte Kronleuchter, ein Einzelstück. Er ergänzt sich mit einer neuen gülden-bronzenen Wand. Sitzpolster stammen aus dem ehemaligen 3nach9-Talkshow-Studio und boten schon zahlreichen Promis und Persönlichkeiten Platz. Im Außenbereich sitzend lässt sich tagsüber die Stadt erleben, abends wird es dort ruhig. Sonne ist eigentlich immer da, wenn sie denn scheint. Eine Mischung aus Chic und Eleganz, mit gewisser Leichtigkeit und Entspanntheit, so das Ziel von Solar. Beim Service lautet die Losung, kompetent, aber nicht aufgesetzt zu erscheinen. Die Zielgruppe mischt sich aus gehoben und rustikal. Rustikalität ist trotz aller propagierten Raffinesse auch das Prinzip bei den Mahlzeiten. „Bodenständigkeit findet sich im Essen wieder, hier wird nicht mit der Pinzette gekocht“, sagt Hennig. „Endlich ‚Fine Dining‘, ohne, dass der Koch an die Decke geht“, beschreibt es Petersen-Hoetzel und freut sich.

Gruß aus der Küche: Häppchen vom Lachs.

Erster Eindruck: Die Entscheidung fällt aufs Safran-Risotto 

Die Entscheidung für den kulinarischen ersten Eindruck fällt aufs Safran-Risotto mit Kaffeetomaten für 12 Euro und wird von einer freundlichen jungen Dame zu Protokoll genommen. Ruckzuck steht im Anschluss ein Gruß aus der Küche auf dem Tisch. Ein Häppchen vom Lachs. Muss man natürlich mögen, aber die Geste zählt. Abermals wenig später wird das Safran-Risotto gebracht. Farbenfroh, aldente, saftig, mit Parmesan und Schnittlauch, geschmackvoll ohne übertriebene Würzung kommt es daher. Und von erstaunlich überschaubarem Ausmaß. Dem Koch geht es darum die Gerichte durch Eigengeschmack wirken zu lassen. Das gelingt. Lecker ist es zweifelsohne, zum satt werden – je nach Ausprägung des Hungers – weniger. Laut Konzept werden kleinere Portionen serviert, um dem Gast mehrere Geschmackserlebnisse zu ermöglichen und auf Entdeckungsreise zu gehen. So wird es eben eine Mahlzeit zum Zelebrieren. Nach dem Kauf des Abiball-Anzugs mit den Eltern beispielsweise. Mit den Geschäftspartnern oder wenn es beim Treffen mit alten Bekannten mal etwas Besonderes sein soll.

Safran-Risotto, nicht viel, aber lecker.

Fazit: Geschmackssache zum auf den Geschmack kommen 

Ob sich das Charles bei der Einkaufsstraßen-Laufkundschaft etablieren kann, wird sich zeigen müssen. Das Schlachte-Publikum wird das edel-rustikale Restaurant sicher mit Kusshand annehmen. Und auch als Horizonterweiterer fühlt man sich hier nicht fehl am Platz. Fazit: Je nach Perspektive des Geldbeutels gehobene Preise und anspruchsvolle Atmosphäre sind Geschmackssache, aber beim köstlichen Essen sind wir auf den Geschmack dieser nicht alltäglichen Gastronomie gekommen. Dass die Geschmäcker verschieden sind, kommt dem Charles eindeutig zugute. Ein Blick über den Tellerrand lohnt.

Bleibt abschließend noch eine Frage zu klären: Was hat es mit dem Namen Charles auf sich? „Nix“, sagt Solar. Petersen-Hoetzel versichert, gesucht, aber keinen Bezug gefunden zu haben. Eins kann Hennig indes lachend versichern: „Es hat nichts mit dem britischen Königshaus zu tun. Dann ginge es hier ja um die klassische englische Küche und das will kein Mensch essen.“

Charles, Langenstraße 31, 28195 Bremen; Mo-Sa, 10-22 Uhr 

Frühstück: Mo-Fr, 10-12 Uhr; Sa, 10-15 Uhr 

Lunch: Mo-Fr, 12-15 Uhr (anschließend Kaffee und selbstgebackener Kuchen)

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