Im Bremer Viertel

Römer-Opening – Erster Eindruck: Mehr Club, weniger Kneipe

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Bereits um 23 Uhr bildete sich am ersten Römer-Opening-Abend eine lange Schlange im Bermudadreieck im Bremer Viertel.

Das Römer-Opening-Wochenende ist passé. Zeit für einen ersten Eindruck. Nach etwa einem Jahr Sendepause hat der traditionsreiche Kneipen-Club im Bremer Viertel nun wieder geöffnet – mit neuen Betreibern und ziemlich durcheinander gewirbeltem Innenleben. Neue Bar, neue Sitze, neue Garderobe, neuer Raucherraum, neue Beleuchtung, neue Soundanlage. Aber der Reihe nach.

Als am Freitag, 16. Februar, um 23 Uhr der Startschuss fiel, schlängelt sich bereits eine lange Schlange durch das berühmt-berüchtigte Bermudadreieck. Viele Neugierige scheinen es kaum abwarten zu können und drängen sich bereits zu dieser, für Bremer Nachtschwärmer eher ungewöhnlich frühen Uhrzeit, ungeduldig hinter den vorsorglich aufgestellten Absperrgittern. Eine zähe Dreiviertelstunde und faire sechs Euro später zeigt sich drinnen, was die neuen Betreiber in ihrer Facebook-Ankündigung mit „ordentlich auf den Kopf gestellt“ meinten.

Direkt hinter der Kasse am Einlass befindet sich nun eine Garderoben-Kabine. Dort wo zuvor Tische und Stühle für Kneipen-Flair sorgten, befindet sich jetzt ein stufiges Holzpodest. Eine platzsparende Variante mit zusätzlichen Sitzgelegenheiten. Jedoch ohne allzu viel Gemütlichkeit auszustrahlen. Die Bar gegenüber ist kürzer und knickt am Ende ab – erneuter Platzgewinn. Sie wird durch puristische Glühbirnen spärlich beleuchtet. Das Personal trägt Hosenträger und serviert neben fantasievollen Cocktail-Kapriolen auch Haake Beck zu 2,50 Euro. Dort, wo hinter dem Tresen früher die Jacken hingen, befindet sich nun ein abgetrennter Raucherbereich. Die auf Anhieb gut besuchte Tanzfläche wirkt dank neuer Beleuchtung weitläufiger. Sie ist über einen torartigen Bogen erreichbar und wird von einer scheinbar deutlich wuchtigeren Anlage mit fetten Elektro-Bässen beschallt. Am Opening-Wochenende finden sich mit Audio Stunts & Mahumba und Kid Simius lokale und überregionale Größen an den Reglern.

Die Backsteinwände sind in modernem Industrie-Charme gehalten und mit Holzornamenten verziert, ebenso die Bar und das DJ-Pult. Was früher in einer „halbfertig“ Atmosphäre daher kam, ist nun reichlich durchgestylt. Unverkennbar sind innenarchitektonische Parallelen zum Burgerladen Honigdachs, der neben der Kneipe Im Lu zur Familie gehört. Fast im ursprünglichen Zustand sind hingegen die Toiletten verblieben, zumindest was die Tags und Inschriften an den Wänden angeht. Was noch an früher erinnert? Der Pullover des Türstehers mit dem alten Römer-Logo. 

Während draußen für ein Opening obligatorisch angestanden wird, herrscht drinnen eine angenehme Fülle mit ausreichend Bewegungsfreiheit. Einzig im Nadelöhr zwischen Bar und neuem Podest wird es teilweise drängelig. Was bleibt unterm Strich? Eine auf den ersten Blick professionelle und clevere Nutzung der schlauchförmigen Räumlichkeiten, die erst einmal wirken muss. Aber auch der Eindruck: mehr Club, weniger Kneipe, mehr Hochglanz, weniger Viertel-Zwielicht. Der moderne Chic ist Geschmackssache, ebenso der Elektro-Schwerpunkt. Eine neue (alte) Adresse in der Ausgehlandschaft ist jedoch per se erstmal spannend und trägt zur Lebendigkeit bei. In diesem Sinne: Willkommen zurück im Bremer Nachtleben, Römer!

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