Nichtraucher – ein Selbstversuch

Drei Monate rauchfrei: Ich bin oft mies gelaunt, weniger lebensfroh und fetter

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Schluss mit dem Rauchen! Die letzte Kippe ist drei Monate her – ein erstes Fazit.

Nichtraucher zu sein, war für mich lange keine Option. Ich habe sehr gerne geraucht: Mit 17 fand ich’s cool, mit Mitte 20 angemessen lässig. Jetzt bin ich Mitte 30 und würde mir gerne eine anstecken, aber ich tue es nicht. Nach dem ersten Teil meines Selbstversuches mit fünf Tipps zum Nichtrauchen, kommt hier der zweite. 

Etwas mehr als drei Monate sind geschafft! Drei Monate habe ich keine Zigarette angefasst, drei Monate habe ich gelitten, die Sucht ausgehalten und gewartet, dass es besser wird. Und jetzt? Es ist immer noch grausam! Ich bin weit davon entfernt, ein glücklicher Nichtraucher zu sein, vielmehr bin ich ein Raucher, der nicht mehr raucht. So habe ich mir das alles nicht vorgestellt, dennoch halte ich durch – mindestens zwölf Monate, das ist der Plan.

Ist ja schließlich kein Heroin, sollte doch problemlos möglich sein – falsch!

17 Jahre lang habe ich geraucht – im Vergleich dazu sind drei Monate ohne Kippe lächerlich, klar. Da stimmt das Verhältnis nicht, das ist mir bewusst. Dennoch habe ich erwartet, dass ich meine Sucht besser und vor allem schneller kontrollieren kann. Ist ja schließlich kein Heroin, sollte doch problemlos möglich sein – falsch!

Es gibt einfach zu viele Momente, die wie für eine Kippe gemacht sind: Nach einem guten Essen, zum Bier, beim Warten, als Belohnung, als Genuss, zur Entspannungsoptimierung. Anfang des Jahres war ich im Urlaub, mal runterfahren und so: Am Pool liegen, gut essen, mir 'nen Schwipps antrinken, nix tun, chillen. Klingt super, macht mir ohne Kippenkonsum aber tatsächlich nur halb so viel Spaß! In meinem Kopf ist Entspannung unweigerlich mit genussvollem Rauchen verknüpft. Oder anders: Ohne Zichten taugt sogar Urlauben nix! Um das zu verdeutlichen, folgt die Top-5 der Dinge, die ohne Zigarette (danach) deutlich weniger Spaß machen (der Tweet wurde im besagten Urlaub abgesetzt).

So erinnere ich mich beispielsweise daran, wie ich vor einem eindrucksvollen Frühstücksbuffet stand, die anfängliche Begeisterung aber binnen Sekunden der Erkenntnis gewichen ist, dass das Beste an einem geilen Frühstück eigentlich die Kippe danach ist. Mir ist ernsthaft der Appetit vergangen. Umso bemerkenswerter, dass ich, seitdem ich rauchfrei bin, einiges an Kilos zugelegt habe. Muss wohl was mit dem veränderten Stoffwechsel zu tun haben. Hinzu kommt, dass ich noch immer extrem launisch bin. Nicht explizit dann, wenn der Verzicht besonders schwer fällt, sondern eher grundsätzlich. Ich gerate schnell in Rage, bin aufbrausend, dauergenervt und regelmäßig unangemessen in der Ansprache gegenüber Kollegen, Mitmenschen und Freunden. Kurzum: Ich bin oft ein Arsch. Womöglich war ich das auch schon als Raucher, aber seitdem ich auf Nikotin verzichte, fällt es sogar mir selbst unangenehm auf.

Auch nach mehr als drei Monaten ist die aktuelle Situation unverändert unakzeptabel

Insofern fällt mein Nichtraucher-Fazit nach etwas mehr als drei Monaten alles andere als gut aus: Ich bin oft mies gelaunt, weniger lebensfroh und fetter – na super! Für jemanden , der nie geraucht hat und demzufolge nie nikotinabhängig war, dürften meine Schilderungen übertrieben, ja nahezu lächerlich erscheinen, das verstehe ich. Aber ich leide wirklich, auch nach mehr als drei Monaten ist die aktuelle Situation unverändert inakzeptabel. Ich habe mir ein Ziel gesetzt: Ein Jahr lang werde ich definitiv keine Zigarette anfassen, erst dann werde ich final entscheiden, wie es mit dem Verzicht weiter geht – oder eben nicht. Natürlich hoffe ich auf Besserung, sollte sich aber keine Veränderung einstellen, habe ich noch ein paar Pfeile im Köcher: Handauflegen, Akupunktur und Hypnose. Ich halte durch und Euch auf dem Laufenden!

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