Kattner auf Kufen

Pirouetten im Paradice? Von wegen – ein Selbstversuch beim Eiskunstlauf

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Zu Besuch bei „Skate Emotion“ in Bremen.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Mit Pirouetten hab' ich es nicht so. Und von Rittberger und Toeloop bin ich sowieso meilenweit entfernt, schon immer gewesen. Ich glaube, das letzte Mal war ich beim Hamburger Alstereisvergnügen 1997 auf Schlittschuhen unterwegs. Höchste Zeit also, dass ich mich endlich mal wieder auf – in meinem Fall recht dünnes – Eis begebe. Aber natürlich nicht einfach so. Eiskunstlauf ist das Stichwort, ein bisschen Herausforderung muss schließlich sein. Und weil ich bei diesem Selbstversuch auf Nachhilfe angewiesen bin, habe ich mich bei der Bremer Showgruppe „Skate Emotion“ zum Training eingeladen.

Geht ja gut los, dieses Eiskunstlaufen. Weil ich schon seit vielen Jahren keine eigenen Schlittschuhe mehr habe, hat mir „Skate Emotion“-Trainerin Fairouz Fokke dankenswerterweise welche mitgebracht. Problem: Ich komm' nicht rein (und, wie sich noch zeigen soll, noch viel weniger wieder raus). Aber nachdem ich den Kampf gewonnen habe, kann es endlich losgehen. Am Anfang noch recht wackelig auf den Beinen, Kategorie frisch geschlüpftes Reh, drehe ich „schnell“ meine Runden auf dem uns zugeteilten Drittel in der Bremer Eishalle „Paradice“. Allerdings nur linksherum. Nach rechts kann ich nicht vernünftig.

Dann wird es ernst: Die Trainingsgruppe ist für heute vollständig, acht Frauen plus Trainerin fahren um mich herum. Bei Vollbesetzung sind es aktuell zwölf Frauen. Männer? Fehlanzeige! „Wir würden uns sehr über männliche Verstärkung freuen“, sagt Fairouz. „Aber vielleicht trauen die sich nicht, weil es neben der Athletik viel um Kunst und Eleganz geht.“ Ehrlich Männer? Das kann doch kein ernsthaftes Argument sein. Wie viele von Euch Typen treiben sich denn bitteschön bei Tanzkursen rum? Eben! Ich selbst würde den Job ja machen, aber: a) habe nicht mal einen Grundkurs im Tanzen gemacht; und b) bin ich ein ausgemachter Choreografie-Legastheniker. Klar, Eiskunstlauf könnte ich vielleicht noch lernen, aber das tänzerische Freestyle-Gen kriegste aus mir nicht raus.

Aber zurück aufs Eis. Solange es nicht gerade rückwärts geht, bin ich im Rennen. Leider geht es sehr häufig rückwärts. Und Fairouz sagt auffallend häufig: „Das machen wir heute mal ganz langsam.“ Aber was soll mir schon passieren, wenn ich von Profis rechts und links eingehakt mein nicht für möglich gehaltenes Kufen-Comeback gebe? Tatsächlich haut es mich am ganzen Abend nur ein Mal aufs Eis, ausgerechnet in dem Moment, als ich meine Handschuhe holen will, damit es nicht so weh tut, wenn es mich mal aufs Eis haut. Trotzdem: Eine vorzeigbare Bilanz.

Dinge, die ich überhaupt nicht auf die Kette kriege: Pirouetten

Pirouetten? Gar nicht mein Ding!

Dass ich als absoluter Laie nicht in der Lage bin, eine einstudierte Formation mitzufahren – geschenkt. Aber hin und her, ein bisschen im Kreis: Nach wenigen Minuten habe ich das Gefühl, mich langsam zu akklimatisieren. Nicht auszudenken, wenn die Kufen meiner Schlittschuhe jetzt noch anständig geschliffen wären. Aber verspüre ich da nicht sogar anerkennende Blicke, höre ich nicht das ein oder andere Lob? Möglich, andererseits sind alle offenkundig froh, als ich eine Pause einlege, damit das Training endlich richtig losgehen kann.

Auf die Liste der Dinge, die ich überhaupt nicht auf die Kette kriege, muss ich bald darauf auch das leidige Thema Pirouetten schreiben. Was beim Zuschauen so spielend leicht aussieht, eine einfache Drehung um die eigene Achse, stellt mich vor unlösbare Probleme. Und überhaupt: Von der ganzen Dreherei wird mir schnell schwindelig. Kein Plan, wie die anderen das einfach so wegstecken. Dafür kann ich hochspringen und landen, ohne zu stürzen, auch mit einer 180-Grad-Drehung. Ist doch auch schon was.

Solange es nicht rückwärts geht (und nicht so schnell vorwärts), bin ich dabei.

Eine Verstärkung für das Team bin ich in meiner Verfassung sicher nicht

Nach einer Stunde Training mit der Showgruppe „Skate Emotion“ stelle ich fest: Eine Verstärkung bin ich für das Team in meiner Verfassung sicher nicht. Aber der Spaßfaktor ist enorm, zumindest für mich. Mein Rat lautet daher: Lernt Schlittschuhlaufen, belegt vielleicht einen der Kurse für Erwachsene, und macht mit. Neue Gesichter sind gerne Gesehen, versichert Fairouz. Bis März steht die Eisfläche im „Paradice“ noch zur Verfügung, danach wird auf Füßen im Spiegelsaal bei 1860 an den neuen Choreografien gefeilt. Alle weiteren Infos findet Ihr hier.

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