„London Boy in Germany“

Deen Da Don dreht Rap-Video in der Kunsthalle: „Bremen ist definitiv Gangster genug“

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Rapper Deen Da Don hat sein neues Video teilweise in der Kunsthalle Bremen gedreht. Warum, hat er uns erzählt.

Das Smartphone klingelt, Deen Da Don nimmt ab: „Yo, ich bin in der Kunsthalle.“ Die Anwesenden sehen sich schmunzelnd an. Der Rapper zwischen den „großen Meistern“ – ein kurioser Anblick. Unerwartet. Genau der Effekt, den der 24-Jährige für sein neues Video wollte. „Das sollte ein kleiner Schock sein. Ich wollte den Kontrast“, sagt der gebürtige Bremer, der eigentlich Nurudeen Kruse heißt und in London erwachsen wurde. Dann sieht er sich um im geräumigen Niederländer-Saal der Kunsthalle und reibt sich die Hände. „Genau so hab' ich mir das vorgestellt.“

Der Song, für den er hier seinen Clip drehen will, heißt „Used to“. Worum es geht? – „Gute Laune, Party machen, Luxus genießen“. Rap-Klischees, irgendwie. Dass er allerdings in ein anderes vorherrschendes Image der Musikrichtung so gar nicht 'rein will, verriet er uns, bevor er sich in der Kunsthalle an die Arbeit machte.

nordbuzz: Moin Deen. Als Rapper bekommt man ja immer schnell ein Gangster-Image aufgebürdet. Du hebst Bremen in Deinen Videos sehr hervor. Ist Bremen denn Gangster genug?

Deen Da Don: Bremen ist definitiv Gangster genug – besonders nachts. Aber ich mache eigentlich keinen Gangster-Rap. Ich brauch' das nicht. Ich will mich nicht als Gangster präsentieren. Wozu auch? Ich mache Straßen-Sound. Hier geht es um gute Laune, Party machen, Luxus genießen. Und wenn ich dann am nächsten Tag nicht so gut drauf bin, mache ich halt einen traurigen Song. Ich versuche, die Momente so festzuhalten, wie es mir geht.

nordbuzz: Nervt es dann nicht, dass man als Rapper schnell in dieses Gangster-Image rutscht?

Deen: Das ist schon ok. Irgendwie gehört es dazu, damit zu spielen. Ich weiß ja, dass es bei mir um etwas anderes geht als die typischen Gangster-Klischees. Meine Contents und mein Straßen-Sound sind vor allem von meiner Zeit in London geprägt.

London gegen Bremen? „Das ist wie eine Großstadt gegen ein Dorf“

nordbuzz: Wie würdest Du London mit Bremen vergleichen

Deen: Das kann man nicht vergleichen. Das ist wie eine Großstadt gegen ein Dorf. Dabei ist Bremen ja selbst eine Großstadt, aber im Vergleich zu London ist es eben sehr, sehr ruhig. In London begegnen Dir einfach so unglaublich viel mehr Menschen, und man kann viel mehr machen als in Bremen. Dafür braucht man dann aber auch vier Stunden von einem Ende zum anderen.

nordbuzz: Welche Stadt ist denn Deine Heimat? 

Deen: Das kann ich gar nicht richtig sagen, ich finde beide Städte total geil. In Bremen bin ich geboren, hier sind viele meiner Freunde. Das macht es auch zur Heimat. Aber London ist halt mein ganzes Sein. Es wäre aber nicht fair, eine Stadt eher hervorzuheben, obwohl ich in London vermutlich mehr fürs Leben gelernt habe.

nordbuzz: Zum Beispiel?

Deen: Wie man mit Menschen umgeht, und wie man nicht mit Menschen umgeht. Was schöne Gegenden sind und auch, was es heißt, wenn eine Gegend nicht so schön ist.

nordbuzz: Und wie geht man nach London-Manier mit Menschen um?

Deen Da Don: Das Wichtigste ist Respekt. Wenn man in London Menschen auf der Straße begegnet, zum Beispiel wenn man zusammen an der Bushaltestelle wartet, ist es normal, dass man sich auch Hallo sagt und vielleicht sogar fragt, wie's geht. Auch ohne, dass man dann eine lange Unterhaltung anfangen würde. Es geht da mehr um gegenseitige Aufmerksamkeit. Hier ist das anders. Hier geht man so oft aneinander vorbei und versucht sich zu ignorieren.

nordbuzz: Was hast Du denn musikalisch in London gelernt?

Deen Da Don: Da hab' ich überhaupt erst gelernt, wie man Texte schreibt, welche Sounds es gibt – auch jenseits des Raps. London hat für jede Musikrichtung eine ausgeprägte Szene. Rap ist da eine richtige Kultur. Und ohne London wäre ich auch bestimmt nie Rapper geworden.

nordbuzz: Was ist Dein Ziel mit Deiner Musik?

Deen Da Don: Das ist doch ganz klar: Ich will davon leben können – nur davon. Und das am besten gestern schon.

nordbuzz: Und realistisch betrachtet, wie schnell kann es gehen?

Deen: Zur Zeit veröffentliche ich ja nur übers Netz. Youtube, Spotify, iTunes, und da bekomme ich auch schon ganz gute Responses. Aber, ich denke, auch wenn man es strategisch gut macht, wenn man konstant Lieder veröffentlicht, muss man schon ein bis zwei Jahre mindestens am Ball bleiben, damit das was werden kann.

  • Das fertige Video zu „Used to“ aus der Kunsthalle präsentieren wir Euch hier natürlich auch, sobald es soweit ist.

Deen Da Don, wer ist das eigentlich?

In Bremen geboren und in Tenever aufgewachsen, fand Nurudeen Kruse schnell Kontakt zur Rap-Musik. Nachdem sich seine Eltern früh in seinem Leben trennten, zog die Mutter mit ihm und seinen beiden Brüdern nach London, wo Deen als Teenager von der UK-Grime-Bewegung zum Texten inspiriert wurde und leider auch auf die schiefe Bahn geriet. Genauer: In die Gang „Ferrier“. Als er nach skurrilen Machenschaften der Gruppe gegen seine Freunde vor Gericht aussagen sollte, schickte ihn seine Mutter zu seinem Onkel in die USA, wo er insgesamt zwei Jahre verbrachte und seinen High-School-Abschluss schaffte. Es ging zurück nach London und im Alter von 19 wieder nach Bremen. Mit der Rückkehr kam auch wieder der Kontakt zu seinem, ebenfalls musikalisch geprägten, Kindesfreund „Deezy Freeman“. Die beiden taten sich zusammen und arbeiten an ihrem Mixtape „Playtime's Over“. Mit dem Produzenten Jazn und Manager Karim machte sich schließlich an das neue Mixtape „London Boy in Germany“. Seine aktuellen Beats holt Deen aus der Trap-Szene. Doch auch für andere Genres möchte er offen bleiben.

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