Startup von Studenten der Uni Bremen

Coffee-to-go in umweltfreundlich – Die Cup2date-Story: „Ich dachte, da muss man was machen“

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Coffee-to-go, aber umweltfreundlich: Walter Steinhauer (l.) und Kevin Kück von der Uni Bremen mit ihren Cup2date-Pfand-Bechern im Café Yellow Bird.

23 Millionen Coffee-to-go-Becher wirft Bremen laut BUND jährlich weg, Deutschland 2,8 Milliarden. Ein Gruppe Studenten sorgt nun für Furore in und um Bremer Cafés. Stetig kommen neue Locations zu ihrer Cup2date-Initiative hinzu – einem Pfand-Becher-System fürs Heißgetränk unterwegs. Uns erzählten die Cup2date-Gründer ihre Geschichte.

Coffee-to-go gehört zum urbanen Lebensgefühl und prägt das Stadtbild – in den Händen von Touristen, hetzenden Geschäftsleuten und Flaneuren – sowie in und neben überquellenden Mülleimern. Kevin Kück, Walter Steinhauer und ihre Kommilitonen haben etwas dagegen: Cup2date-Pfand-Becher, die in derzeit 27 teilnehmenden Läden bequem zurückgegeben werden können.

Wie kommt man auf die Idee, wie setzt man sie um und wie verdient man Geld damit? 

Wir treffen Kevin Kück und Walter Steinhauer im Neutsädter Café Yellow Bird, um uns die Erfolgsgeschichte von Cup2date erzählen zu lassen. Wie kommt man auf die Idee, wie setzt man sie um und wie verdient man als Startup-Gründer am Ende Geld damit? Beide sind 26 Jahre alt, beide studieren im Master am LEMEX an der Uni Bremen – dem Lehrstuhl für Mittelstand, Existenzgründung und Entrepreneurship. Dort entwickelten sie gemeinsam mit Kommilitonen das Konzept. Die Kernkompetenzen in der Gruppe reichen von Finanzen über Marketing bis hin zu Logistik und Akquise. „Wir ergänzen uns da sehr gut, aber wenn es hart auf hart kommt, machen alle alles“, sagt Walter.

Im Gründungsmanagement Modul sollten sie ihre Ideen pitchen, Gruppen bilden, weiter tüfteln. Walter hatte den Einfall mit dem Pfand-System für Coffee-to-go-Becher. Im Team entwickelten sie das Geschäftsmodell, betrieben Marktforschung und kümmerten sich ums Marketing. Die Sache mit dem Müll treibt den 26-Jährigen schon länger um. „Da ich am Hauptbahnhof wohne, gibt es keinen Tag, an dem ich nicht Menschen ohne Becher sehe. Das war mir ein Dorn im Auge und ich dachte, da muss man was machen.“

„Die Menschen sind langfristig zu faul und umständlich eigene Becher mitzubringen“ 

Schon vor einem Jahr hatte er mit Kommilitonen den „Bring dein Becher Tag“ initiiert. Dabei gab es in Cafés Rabatt bei mitgebrachten Trinkgefäßen. Ein erfolgreiches Projekt, aber auch eine Erkenntnis: „Das lief gut, aber die Menschen sind langfristig zu faul und umständlich eigene Becher mitzubringen.“ Auch gab es Schwierigkeiten mit den Hygienevorschriften: „Starbucks füllt beispielsweise erst in eigene Becher und dann in mitgebrachte um. Das ist Greenwashing vom Feinsten.“ So wurde schließlich ein ganzes Pfand-System daraus. Einfach, bequem, easy zu verstehen, ideal, um ein allgegenwärtiges Problem zu lösen.

„Es war schön das alles auf Papier zu haben, aber wir wollten es in echt ausprobieren“, erzählt Walter weiter. „Dafür brauchten wir externe Hilfe, Leute mit Ahnung und Kontakten.“ Also gingen die Gründer zur Hilfswerft. Die Experten für Social Entrepreneurship halfen dabei Sponsoren für den Start zu finden. Das Logo wurde von einer Webdesignerin aus dem Bekanntenkreis entwickelt, die Manschetten-Designs ebenfalls. Bei einer Facebook-Abstimmung setzte sich der universelle Bremen-Skyline-Entwurf mit großem Abstand durch. Künftig sollen Entwürfe von Bremern selbst dazu kommen, dieser emotionale Touch und das Lokalkolorit sind ihnen wichtig. „Wir haben uns eine Identität zum Projekt überlegt und sind einen Tag mit der Kamera und Bechern durch die Stadt gelaufen“, sagt Kevin. „Diese Aufnahmen haben einen Nerv getroffen und gingen durchs Netz.“

Was dann geschah, übertraf ihre Erwartungen 

In einer Testphase überprüften sie, ob Cafés überhaupt an einem solchen Modell interessiert sind und fanden 13 Partner. Größere Ketten waren zunächst schwer für das Pilotprojekt zu begeistern. Eine Woche unter realen Bedingungen testen, das hatten sie sich vorgenommen. Auch, um ehrliches Kundenfeedback zu bekommen. Was dann geschah, übertraf ihre Erwartungen. „Am ersten Tag wurden wir direkt von Radio Bremen ins Studio eingeladen“, sagt Kevin. Auch andere lokale und überregionale Medien berichteten. „Innerhalb von 24 Stunden gab es krasse Rückmeldungen und wir merkten, das kommt an, die Pilotwoche funktioniert.“ Das Harbor Café hatte in der ersten Woche schon keine Becher mehr. Im Viertel traf die Idee einen Nerv. Viele Teilnehmer hatten den Wunsch weiter zu machen, neue kamen auf die Studenten zu und wollten einsteigen. Kurzer Hand ging das Projekt in die Verlängerung.

„Andere Städte hatten zuvor bereits versucht etwas ähnliches einzuführen. Aber das waren Insellösungen und nur Mini-Netzwerke“, sagt Kevin. „Wir versuchen auf lange Sicht etwas überregionales zu etablieren, Leute sollen sich damit identifizieren, es soll Lifestyle werden.“ Finanzieren soll sich das System über Werbung auf den Bechern. Nach der erfolgreichen Testphase gingen um die 800 der in München produzierten Gefäße in den Umlauf, jeweils mindestens 500 Mal verwendbar.

„Best Business Model“-Preis, eigenes Büro, Interesse von der Politik 

„Wir waren uns sicher, das System funktioniert und macht Sinn, dass es aber derart gut klappt, hat uns schon überrascht“, sagen die jungen Gründer. „Immer mehr Cafés kommen auf uns zu, das ist der Hammer!“ Gute Kritiken gab es auch beim Final Pitch im Kraftwerk City Accelerator im Postamt 5. Eine Jury lokaler Unternehmen bewertete Startups wie bei der TV-Show „Die Höhle der Löwen“. Am Ende gewann Cup2date „Best Pitch“ und „Best Business Model“ sowie den zweiten Platz für „Best Business Idea“. Kurz darauf bezogen die Studenten Arbeitsplätze im dortigen Coworking-Space, um in den Semesterferien und neben der Uni weiter am System zu feilen. Damit war das Seminar offiziell beendet, nun steht das Ziel: organisch wachsen.

Doch damit nicht genug. „In der Pilotwoche hat uns ein SPD-Abgeordneter angeschrieben“, berichtet Kevin. „Der hatte aus der Zeitung von uns erfahren. Wir haben uns dann im Senat auf einen Kaffee getroffen und ausgetauscht.“ Seit längerem war seitens der Politik ein eigenes System geplant. Nachdem Cup2date im Umlauf war, bewegte sich auf einmal etwas. Die Bürgerschaft beschloss eine eigene Variante und ein Engagement auf Bundesebene. „Man hat uns da als Positiv-Beispiel genommen“, meint Kevin.

„Es zaubert einem immer wieder ein Lächeln ins Gesicht“ 

Ein Fokus liegt nun auch eine Ausbreitung auf Bremer Randgebieten und Bremerhaven. In diesen Pendler-Gebieten geht besonders viel mobiler Kaffee über die Ladentheke. „Das diese fehlenden Standorte schon von Nutzern angemerkt wurden zeigt: das Konzept kommt an. Auch dort, wo es besonders gebraucht wird“, sagt Kevin. Kritisch gesehen wird in Sachen Müll bisweilen noch der Plastikdeckel. Doch diesen in den Pfand-Pool mit aufzunehmen sei schwierig. „Momentan ist der Einweg-Deckel das Hygienischste, aber wir sind an einer Lösung interessiert“, erzählt Walter.

„Weil es so gut ankommt und weil wir uns so sehr damit identifizieren, geben wir weiter Gas. Wir sind glücklich, wie es läuft“, sagt der Ideengeber und strahlt. „Es zaubert einem immer wieder ein Lächeln ins Gesicht, wenn man Menschen mit den Bechern durch die Stadt laufen sieht.“

Eine Karte mit allen teilnehmenden Cafés und Bäckern gibt es hier bei nordbuzz

Aktuelle Infos zu Cup2date bei Facebook und auf www.cup2date.de.

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