Cody: Street Art aus Oldenburg

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Die Street Art von Banksy wird mittlerweile in Museen gezeigt. OZ ist als Sprayer zu trauriger Berühmtheit gelangt. Doch gibt es außer Banksy, Invader, OZ oder anderen großen Namen der Street Art-Szene noch zahlreiche andere Künstler. Einer dieser Künstlern ist Cody. Cody ist überall. Cody ist Oldenburg. Doch wer ist Cody überhaupt und was macht seine Street Art aus? Von Claus Arne Hock

Dieser Text erschien erstmalig auf klarnordisch.de, einem Projekt der Volontärinnen und Volontären der Nordwest-Zeitung.

„Ich bin Oldenburger durch und durch. Tiefverwurzelt und stolz auf meine Stadt“, sagt Cody, Jahrgang „Mitte der 1980er“, im Gespräch mit klarnordisch. Nach ein paar Minuten mit ihm wird klar: Dieser Mann lebt für seine Kunst. Stillsitzen fällt ihm schwer. Aber wenn er einen Stift in der Hand hält, wenn er malen kann, wird er ruhiger und konzentrierter. Oder wenn er in seinem kleinen Garten bei seinem Salat und seinen Kartoffeln ist. „Das ist meine zweite große Leidenschaft“, sagt er.

Eine Cody-Fratze der 3. Generation

Sein Markenzeichen sind die Fratzen, wie er sie selbst nennt, gerne kombiniert mit Schriftzügen oder Symbolen mit Bezug zu Oldenburg. Dabei hat es ein paar Jahre gedauert, bis die „Fratzen“ entstanden sind. „Mittlerweile ist es die dritte Generation“, sagt Cody. Die erste bestand aus ganz unterschiedlichen Gesichtern, die zweite war abstrakter, die dritte: mittlerweile ikonisch und überall im Stadtbild zu finden.

Anfänge in der Grundschule

Stifte über Stifte: Ohne Farben würde in Codys Leben etwas fehlen.

Ungefähr 30 Jahre zurück: Der kleine Cody kann auch schon nicht stillsitzen. Nur, wenn er Mandalas oder ähnliche Bilder ausmalen kann, dann wird er ruhig. Zu dieser Zeit, irgendwann in der ersten oder zweiten Klasse, wird aus dem Grundschüler Cody. „Ich fand meinen richtigen Namen damals doof. Das geht wohl jedem Kind so“, sagt er. Cody fand er viel besser und kritzelte, kaum des Schreibens mächtig, schon die Schultoiletten voll. „Das war so ein Impuls, das musste ich einfach machen“, erinnert er sich. „Impulsgesteuert“, dieses Wort fällt häufiger, wenn Cody über sich selbst spricht. „Was Graffiti sind, das wusste ich damals natürlich nicht.“

Das waren die Anfänge. Irgendwann in der Pubertät, nachdem das BMX-Fahren ihn zeitweise von der Kunst weggebracht hatte, griff Cody zur Spraydose. Es sind die späten 1990er Jahre, Graffiti eroberte auch die deutsche Jugend zusehends. Die Begeisterung für die Kunst bringt Cody auf die Fachoberschule Gestaltung, wo er sein Fachabitur macht. „Es ging mir darum, mich weiter zu entwickeln.“ Die Schule hatte einen guten Ruf und schnell begann der Unterricht, seine Spuren in Codys Kunst zu hinterlassen.

Durchbrochene Linien – eigener Street Art-Stil

Fast alle Outlines sind hier gezogen, aber an manchen Stellen sind die Linien durchbrochen.

Wenn Cody über seine Kunst spricht, fallen Worte wie Viskosität. Zusammengezählt habe er über 20 Jahre Erfahrung mit Schichten, sagt er. Damit meint er: Farbschichten. Welche Farben harmonieren wie miteinander, welche Materialien verhalten sich wie? Fragen, die den Oldenburger immer wieder beschäftigen.

Mit Regeln hat Cody dabei nicht viel am Hut. Bei seinen Graffiti sind die Outlines beispielsweise nicht immer durchgehend, sondern bewusst unterbrochen. „Das kam und kommt nicht bei jedem in der Szene gut an“, sagt Cody. Das könne er nicht machen, das ginge nicht, hätten viele gesagt. Cody machte es trotzdem – und fährt damit bis heute gut. „Meine Kunst liegt aber immer irgendwo zwischen Planung und Zufall, da passt das Geschlossene einfach nicht zu.“

Eine andere Sache, die ihm nicht zusagt: Adrenalin. Deswegen hat er es nicht lange in der Sprayer-Szene ausgehalten. Legale Wände besprüht er heute noch gerne, über die Graffiti auf illegalen Flächen spricht er hingegen ungern. „Es gab ein paar Stellen, die haben mich gereizt“, gibt er zu. Aber: „Ständig über die Schulter gucken müssen, Angst vor der Polizei haben, das ist nichts für mich.“

Aufkleber als Botschafter

Die Burg aus dem Oldenburger Stadtwappen – in der Cody-Variante.

Auch aus diesem Grund bevorzugt Cody Aufkleber, die er in Handarbeit herstellt. Das bedeutet: Die Motive werden gemalt, einfach in schwarz auf weißem Papier. Dann werden die unterschiedlichen Vorlagen auf ein normales Blatt A4-Papier geklebt und der nächste Gang führt zum Copyshop. Wenn die zusammengebauten Vorlagen verfielfältigt sind, kommt auf die Rückseite der Blätter doppelseitiges Klebeband – und erst jetzt wird Farbe aufgetragen, bevor die Sticker schlussendlich auseinander geschnitten werden. So läuft das mit jedem Stickermotiv, nur eine Ausnahme gibt es: Ein Bild hat Cody professionell fix und fertig drucken lassen.

Codys Street Art ist überall in Oldenburg Wenn man einen Blick dafür entwickelt hat, ist es tatsächlich nicht schwierig, Cody überall im Stadtbild zu entdecken. Nicht alle dieser Aufkleber hat der Künstler selbst geklebt, er verschickt regelmäßig seine Klebewerke an andere Street Art-Künstler, Freunde und Fans. Im Gegenzug erhält er selbst Sticker von anderen Künstlern – die wiederum manchmal ihren Weg als Sticker-Bomb ins Stadtbild finden.

Da sowohl der Schriftzug „Oldenburg“ als auch verschiedene Elemente des Oldenburger Stadtwappens auf den Aufklebern auftauchen, haben sich Codys Werke zu so etwas wie Markenbotschaftern entwickelt. Und das über die Hip-Hop-Szene, durch die Cody als erstes einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt wurde, hinaus. Wer sich an das Hip-Hop-Stadtfest „Oldenburg – One Love“ erinnert, der weiß, wovon die Rede ist.

Ein echter Cody prangte damals über der Bühne, jetzt steht das Kunstwerk in einem Oldenburger Skate-Shop. Von diesen größeren Installationen gibt es noch ein paar im Stadtbild Oldenburgs – und noch ein paar mehr in Codys Wohnung. „Eigentlich liegt hier überall was rum“, sagt seine Freundin.

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Kunst statt Leerstand: Raum für Inspiration

Voller Einsatz für die Kunst: „Wenn ich male, dann sehe ich danach immer so aus“, sagt Cody

Dass auch das Stickern nicht legal ist, weiß Cody. „Aber die lassen sich ablösen, das ist doch okay“, sagt er. Besser als das Grau in Grau eines normalen Stadtbildes sei es allemal. Mehr Akzeptanz für Kunst von und für die Straße wünscht Cody sich. Pop-Up-Galerien in Leerständen zum Beispiel, oder leere Immobilien, die von Künstlern für schmales Geld zumindest kurzzeitig zum Leben erweckt werden könnten. „Aber niemand vermietet hier nur für Strom und Heizung. Da wird lieber gar nichts gemacht.“

Und so bleiben wohl Wohnzimmer und Garten auch künftig Codys Atelier. Hier kann er sich austoben. „Ich mache selten Auftragsarbeit. Entweder ich habe Lust, oder eben nicht“, erklärt er. So können Monate ins Land ziehen, bis er mal wieder neue Aufkleber herstellt. Aber wenn es ihn packt, dann stürzt er sich auch richtig in die Arbeit. „Ich erwähnte, dass ich immer sehr impulsgesteuert bin, oder?“, fragt Cody und muss selbst lachen.

Ein Beispiel für die Cody/Mask-Sticker.

Entsprechend nimmt er auch seine Inspirationen aus ganz unterschiedlichen Quellen – und freut sich, wenn er mit anderen Künstlern zusammenarbeiten kann. Der deutlich jüngere Oldenburger „Mask“ ist so ein Beispiel. „Sein Stil ist relativ ähnlich, aber doch ganz anders“, beschreibt Cody die Kunst von Mask. Andere Leute aus der Szene hätten zu Anfang gedacht, dass Cody die „Konkurrenz“ aus der eigenen Stadt missfallen könnte. Aber im Gegenteil: „Ich feier Mask und seine Kunst wirklich sehr.“ Auch deswegen gibt es mittlerweile verschiedene Sticker, die beide Künstler zusammen gestaltet haben.

Street Art: Instagram sprengt Grenzen

Ein paar der von Cody bedruckten Textilien.

Tatsächlich hat Cody es sogar eine zeitlang mit einem Online-Shop probiert. Das funktionierte aber nicht so gut. Was deutlich besser einschlug: Seine Street Art Instagram. „Da sehen einfach viel mehr Menschen meine Kunst“, so Cody. Und über die Bilder-Plattform bekommt er immer wieder Anfragen für Aufkleber – oder Textilien. Denn auch T-Shirts, Hoodies oder Jacken bemalt der Oldenburger. Ja, bemalt! „Wie ich das mache, das verrate ich nicht.“ Nur so viel: Er habe lange daran getüftelt, wie er Textilien so bemalen kann, dass sie mindestens zwei Jahre halten. „Guck mal, wenn du genau hinguckst, dann siehst du die Pinselstriche“, sagt Cody und zeigt auf verschiedene Stellen auf seiner Jeansjacke, auf der hinten eines seiner Motive prangt.

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