Club, Kultur, Kino und mehr: Wie das dreizehn°-Festival die Bremer Wollkämmerei neu belebt

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Katrin Windheuser und Anne Angenendt wollen der Bremer Wollkämmerei in Bremen-Blumenthal mit dem dreizehn°-Festival neues Leben einhauchen.

Auf dem Gelände der Bremer Wollkämmerei entsteht vom 31. August bis 2. September mit dem dreizehn°-Festival ein Kultur-Ort der besonderen Art. In und zwischen alten Fabrik-Hallen an der Weser erwarten 5.000 Besucher Konzerte, Club-Nächte, Theater, Kino und vieles mehr auf sechs Bühnen. Inklusive Campingplatz. „Gute Kunst, gute Gesellschaft, sehr gutes Wetter“, so das Credo der Veranstalter, die derzeit an einem namenhaften Lineup feilen. Die beiden Initiatorinnen Katrin Windheuser und Anne Angenendt haben uns vorab tiefe Einblicke ins Festival-Innenleben gegeben.

Namen wollen die beiden noch nicht verraten, nur so viel: „Wir arbeiten auf Hochtouren am Lineup, es wird erlesen“, sagt Anne. Urlaub in der eigenen Stadt soll es für die Bremer quasi werden. Die Besucher sollen nach dem Wochenende erfüllt nach Hause gehen. Und dafür wird auf dem zweieinhalb Hektar großen Veranstaltungsgelände outdoor wie indoor reichlich geboten. „Das kulturelle Spektrum vom dreizehn° umfasst Live-Musik, Club-Nächte, Theater, Kino, Literatur, Ausstellungen, Workshops, Vorträge, Diskussionen, Performances, Installationen und Exkursionen in den Stadtteil“, zählt Katrin auf. „Wir betrachten alle vertretenen Sparten als gleichrangig“, ergänzt Anne. „Es ist weder ein Theaterfestival mit Tanz noch umgekehrt, das gefällt mir persönlich so gut. Die verschiedenen Formate werden alle wertgeschätzt.“

Die Leute sollen für das kommen, was sie anspricht und gleichzeitig viel Neues entdecken. Besucher erwartet ein Festival zwischen Backstein und Wasser. Mit dem Gelände haben die Initiatoren einen Schatz gehoben. Eine Mischung aus Industriecharme und Lost Places Atmosphäre umhüllt die Gemäuer der Bremer Wollkämmerei, kurz BWK. Gemäuer, die nur darauf warten mit buntem Leben gefüllt zu werden. Gleichzeitig wird hier Bremer Festival-Pionierarbeit geleistet. Eine derartige Veranstaltung mit Zeltplatz scheint ein Novum für die Stadt. Ambitioniert, aber überfällig.

Bei einem Organisationsteam von fünf, sechs Leuten laufen die Fäden zusammen, rundherum gibt es viele Unterstützer. Zu den Initiatoren gehören Katrin und Anne. Beide haben einschlägige Vorerfahrungen. Katrin organisierte 2013 und 2014 das Freifeld-Festival und arbeitet im Cine K, beides in Oldenburg. Außerdem war die 34-Jährige verantwortlich für das Kinderprogramm der Breminale. Anne war 2011 während ihrem Kultur- und Politikstudium Mitbegründerin vom Verein Kultur im Bunker. Zu weiteren Stationen der 30-Jährigen gehören das Viertelfest und zweieinhalb Jahre ZwischenZeitZentrale.

Teile des Organisationsteams: Benjamin Lanz, Katrin Windheuser und Anne Angenendt (v.l.)

„Ich habe mich immer schon gerne mit Kultur und öffentlichem Raum beschäftigt“, sagt sie. „Auch angrenzend an die Stadtentwicklung.“ Dinge, die nun ebenfalls ins dreizehn°-Festival einfließen. „Das Gelände ist der Knüller“, beschreibt Katrin begeistert die Industrie-Brache. Ende des 19. Jahrhunderts schlug die Fabrik an der Weser ihre Zelte auf, mit eigenem Pier und zu Hochzeiten einigen Tausend Arbeitern. „Eine historische Achse auf dem Areal wurde mit EU-Mitteln saniert, die Gebäude sind in ganz unterschiedlichem Zustand“, erklärt Anne. Inzwischen sind erste Firmen eingezogen, etwa ein Oldtimer-Schrauber-Club oder eine Schreinerei. Sie fügt hinzu: „Das Gelände ist wahnsinnig schön und hat eine atemberaubende Kulisse für ein Festival, aber auch eine teils düstere Historie, wenn man an die Zwangsarbeiter im zweiten Weltkrieg denkt.“ Das und weitere Teile der BWK-Geschichte wollen sie auch beim dreizehn° sichtbar machen.

Neben der Freifläche wird das Festival in der moderneren Halle 221 sowie der Alten Fliegerhalle von 1929 stattfinden. „Die heißt so, weil sie an einen riesigen Flugzeug-Hangar erinnert“, sagt Anne. Außerdem gibt es eine Wiese, die als Campingplatz genutzt wird und idyllisch an Wätjens Park grenzt. „Ich bin Anfang 2017 durch einen Tipp auf die BWK aufmerksam geworden, als wir nach einem neuen Freifeld-Gelände suchten“, erinnert sich Katrin. Anschließend kontaktierte sie die ZZZ und sprach mit dem Ortsamtsleiter. Im Herbst wurde es dann konkreter. Seitdem klopft das Team ab, wie sich das Areal bespielen lässt.

dreizehn°-Festival: Impressionen vom Gelände der Bremer Wollkämmerei

Unentgeltlich von der Wirtschaftsförderung Bremen zur Zwischennutzung zur Verfügung gestellt, will sich das Festival über Förderungen, Sponsoring und den Eintritt finanzieren. Der liegt für das Wochenende reguläre bei 49 Euro inklusive Campingplatz. Wenn man kann, kann man mehr zahlen. Wer nicht so viel hat, kann eine Vergünstigung bekommen. Auch wird es möglich sein für ein Ticket beim Aufbau zu helfen, Updates dazu folgen. Außerdem soll es Tageskarten geben. „Die Anreise ist ganz einfach mit öffentlichen Verkehrsmitteln“, sagt Katrin. „Die Anbindung ist besser als man denkt, auch nachts.“ Und Anne ergänzt: „Man kann aber auch wunderbar eine Fahrradtour aus der Neustadt entlang der Weser nach Blumenthal machen.“

In der Fliegerhalle wird eine Experimentierbühne stehen. Dort finden tagsüber Dinge statt, die man auf Anhieb vielleicht nicht erwarten würde. Jazz und klassische Musik zum Beispiel. Nachts wird das Gewölbe dann zum Elektro-Club. „Wir haben Künstler einladen, die überregional bekannt sind, uns aber auch in Bremen, speziell Blumenthal, umgeschaut und kooperieren mit örtlichen Initiativen“, sagt Katrin. Dabei beziehen sie insbesondere Experten wie das Quartiersmanagement oder den Kulturraum Nunatak mit ein. „Wir freuen uns, dass wir so herzlich willkommen geheißen wurden“, sagt Anne.

Dass dies nicht selbstverständlich ist, ist den beiden bewusst. „Bremen und seine Bewohner sollte solch eine Kultur insgesamt noch mehr wertschätzen“ findet Anne. „Es braucht Flächen, wo Festival-Kultur ausgelebt werden kann.“ Damit meint sie aktuell auch den Anderswo-Nachfolger Irgendwo, der trotz Support aus Politik und Stadtteil derzeit in der Neustadt auf der Kippe steht. „Wir bekommen in Blumenthal super Unterstützung, die würden wir auch anderen Initiativen wünschen, wie der Kompletten Palette in Hemelingen, dem Zucker in der Überseestadt oder eben dem Irgendwo in der Neustadt.“ Für sie ist das leidenschaftliche Kulturarbeit. Die nächsten Nachbarn des dreizehn° sind Firmen. Anwohner sind erst weiter weg zu finden. Dennoch wollen sie die Menschen in der Umgebung ansprechen und einladen.

„Wir achten darauf, dass Musik nachts nur indoor stattfindet“, sagt Anne mit Blick auf Konflikte in anderen Ecken der Stadt. Kennen lernen kann man die Organisatoren übrigens schon am 9. Juni. Da wird es parallel zu La Strada eine Aktion auf dem Blumenthaler Marktplatz geben. „Wir freuen uns darauf ins Gespräch zu kommen und verkaufen Tickets“, sagt Katrin. „Wir hoffen auf die Lust der Anwohner, die Reaktionen sind bisher sehr positiv.“ Ab Anfang Juni werden sie außerdem ein temporäres Festivalbüro am Marktplatz in Blumenthal einrichten und sind für Interessierte ansprechbar.

Bleibt abschließend noch ein Frage. Was hat es mit dem Namen dreizehn° auf sich? „Als wir über einen passenden Namen nachdachten, meinte einer, wir benennen es einfach nach der Durchschnittstemperatur der Weser“, klärt Katrin auf. „Das sind 13 Grad und dabei blieb es dann. Interessanterweise ist die nächtliche Durchschnittstemperatur in Bremen im August auch 13 Grad, das eignet sich bestens zum tanzen.“

Aktuelle Infos unter www.dreizehngradfestival.de und hier.

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