Wie es war und wie es sein wird

Sneaker-Liebe stirbt nie: Ein Bremer Blick in die Zukunft des Turnschuhs

Die nordbuzz-Fashion-Experten von links nach rechts: Modebloggerin Fee, „The Lucky Fish“-Inhaberin Eva, Modebloggerin Cherifa und „Glückstreter“-Chef Stefan schreiben abwechselnd im nordbuzz-Mode-Blog.

In „Büsch'n was mit Fashion – Der nordbuzz-Mode-Blog“ schreiben die Fashion-Bloggerinnen Cherifa und Fee, „Glückstreter“-Chef Stefan und „The Lucky Fish“-Inhaberin Eva im wöchentlichen Wechsel über Mode, Trends und Meinungen – oft mit nordischem Touch, immer mit Expertise!

In dieser Ausgabe schreibt Stefan von „Glückstreter“.

Schönes Erlebnis neulich im Laden: Eine Kundin stürzte sich auf einen Schuh und flehte mich förmlich an, ihre Größe zu holen. Damals in den 70ern, sagte sie, hatte sie ihre Mutter angebettelt ihr diesen Schuh zu kaufen. Doch die Mutter blieb stur. Glücklicherweise konnte ich ihr die passende Größe geben. Stolz verließ sie mit ihren neuen Schuhen den Laden und tönte: „Ich gehe damit sofort zu meiner Mutter und reibe ihr unter die Nase, dass ich fast 40 Jahre darauf warten musste.“

Mit dem „Glückstreter“-Shop im Viertel geht Stefan Schrader endgültig in seiner Sneaker-Liebe auf. Die Leidenschaft brennt indes schon immer. Privat verwahrt er nunmehr über 100 Paar Turnschuh-Schätze.  

Das finde ich so beeindruckend an Sneakern, dass immer wieder Leute in den Laden kommen und sagen: Boah, den wollte ich damals unbedingt haben. Oder: Den hatte ich früher und brauche ihn jetzt dringend wieder. Das Kuriose an der ganzen Geschichte: Bei vielen Modellen kann ich selbst ja theoretisch nicht mal mitreden, weil ich noch mit Bauklötzen gespielt hatte, als dieses oder jenes Modell auf den Markt gekommen ist. Und trotzdem stehen immer noch Leute im Laden und suchen nach genau dieser Nostalgie – und zwar täglich. Sneaker-Liebe nenn' ich das, und sie stirbt offenbar nie. Das machen Modelle wie der „Samba“ von Adidas ganz deutlich. Den gibt es schon seit den Fünfzigern, und er ist immer noch präsent. Eine richtige Welle gab's dann natürlich in den Achtzigern. Ein großes Sneaker-Jahrzehnt. Geprägt vom aufstrebenden Basketball-Kult, der von dem Namen Michael Jordan überstrahlt wird. Und auch die aufkommende HipHop-Szene hatte entscheidenden Anteil. Run DMC haben das forciert.

Im Geschäft läuft die Jagd nach nostalgischen Sneakern dann beispielsweise so: Einer kommt mit Handy in der Hand, zeigt mir ein Bild von einem Schuh, und wenn ich genau den nicht habe, geht er auch schon wieder, ohne nach links und rechts zu gucken. Oder die, die hartnäckig dran bleiben. Vor zehn Jahren mal diesen tollen Schuh gesehen, ob's den noch gibt? Kann man das recherchieren?

Samba, Superstar, Gazelle und Co.: Wenn ein Schuh zum Generationen-Ding wird

Das Schöne: Auch für die Zukunft kann man definitiv voraussagen, dass bestimmte Modelle dann eben in zehn Jahren oder mehr wieder voll angesagt sind. Der „Superstar“ von Adidas zum Beispiel kommt ja auch immer wieder. Das war mal ein Basketball-Schuh, dann war es Skate-Schuh, auch ein HipHop-Favourite als Kultur-Statement war es, und dann kam er vor zwei Jahren wieder mit einem großen Schub in der High-Fashion-Szene. Es ist ein und derselbe Schuh, hat aber über Jahrzehnte ganz unterschiedliche Aussagen repräsentiert.

Das Gleiche bei der „Gazelle“ von Adidas. Die war in den 60er-Jahren ein Fußballschuh. In den 70ern hat Stan Smith die Tennisplätze erobert. Heute rockt sein Schuh weltweit die Straßen. Und auch der Fitness-Studio-Look der 80er ist zurück. Aber im Reebok-„Workout“ oder -„Freestyle“ will man nicht mehr schwitzen, sondern gut aussehen.

Was die Zukunft bringt, ist klar

Das alles heißt natürlich nicht, dass nicht auch neue potenzielle Ikonen mit einer guten Basis für die Zukunft auf den Sneaker-Markt kommen. Der „NMD“ vielleicht, der letztes Jahr rauskam und auch sehr gehypt wurde. Da geht die Aufregung jetzt aktuell gerade ein bisschen zurück, bis sie vielleicht erst mal völlig verschwunden ist. Aber ganz sicher steigt die Aufmerksamkeit dann irgendwann auch wieder enorm an. Und hier liegt wohl auch das Geheimnis der Langlebigkeit von kultigen Sneaker-Modellen, dass ganze Generationen Turnschuhe zum Aushängeschild eines Selbstverständnisses erheben.

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