Bebauungsplan für Zucker-Bunker geändert: „Dieses soziokulturelle Projekt macht Bremen besonders“

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Ort des Geschehens: Aus dem Hochbunker an der Hans-Böckler-Straße in der Überseestadt möchte das Zucker Kollektiv ein Kulturzentrum machen. Nun ist die nächste Hürde genommen.

Machen sich da Auswirkungen des Zucker-Demo-Raves bemerkbar? Erst tat sich ewig wenig, nun geht es auf politischer Seite Schlag auf Schlag. Die Bremische Bürgerschaft hat den Bebauungsplan für den Hochbunker in der Überseestadt geändert. Zuvor hatte es eine Zustimmung zum Verkauf des Gebäudes an den Verein Zucker gegeben, der daraus ein Kulturzentrum mit Elektro-Club machen möchte.

Nun ist der Weg frei. Anderthalb Wochen nachdem ein Demo-Rave massenhaft Bremer für den Zucker Club mobilisierte, wurde am Dienstag von der Bremischen Bürgerschaft mit Stimmen der rot-grünen Koalition und den Linken der Bebauungsplan für das Gelände an der Hans-Böckler-Straße in der Überseestadt im Stadtteil Walle geändert. Das berichtet „buten un binnen“. Dem ging eine monatelange Diskussion voraus. Der Verein Zucker muss allerdings weiterhin befürchten, dass ihm die Suppe von der benachbarten Stadtverkehrsgenossenschaft SVG mit einer Klage versalzen wird. Sie hat ebenfalls Interesse an einem Kauf. Kritik kam nach „buten un binnen“-Angaben von der CDU. Demnach gebe es zu wenig Parkplätze für die Besucher des Techno-Clubs, auch sei die SVG übergangen worden. Für die FDP werde die Geschichte des Bunkers im Zucker-Konzept zu wenig berücksichtigt.

Daraufhin habe Bausenator Joachim Lohse beiden Parteien vorgeworfen Bremen in ein Altersheim verwandeln zu wollen. Lärmbelästigung sei bei den zwei Meter dicken Bunkerwänden nicht zu befürchten. Zudem würde das Zucker-Publikum vornehmlich per Rad anreisen. Für die Attraktivität der Überseestadt bei jungen Menschen sei ein Club wichtig. Er mache die Gegend lebendig. Vom Erfolg einer Möglichen Klage ging Lohse nicht aus. Wenige Tage zuvor hatte die Wirtschaftsdeputation dem Verkauf des Bunkers an den Verein Zucker zugestimmt

Finanzierung und Ausbaupläne liegen nach einem erfolgreichen Crowdfunding längst in der Schublade des Kultur- und Kreativ-Netzwerks, das seit nunmehr sechs Jahre auf der Suche nach einer neuen Bleibe ist. In dem Bunker sollen neben dem Club auch Ateliers, Werkstätten und Bühnen für Konzerte entstehen. Außerdem sind kulturelle Workshops für Menschen unterschiedlicher Herkunft vorgesehen. Auch soll eine Ausstellung die Geschichte des Bunkers aufarbeiten.

Die für Subkultur zuständige Sprecherin der Grünen, Kai Wargalla, begrüßt die Entwicklung. „Bremen hat viele kreative Köpfe, die hochmotiviert urbane Kulturangebote schaffen wollen, und viele junge Leute, die sich genau diese Angebote wünschen und sie wahrnehmen möchten“, so Wargalla. „Diese Menschen wollen wir unbedingt in Bremen halten. Ohne attraktive Angebote verliert Bremen den Wettbewerb um junge und kreative Köpfe. Stadtentwicklung muss eben auch kulturell gedacht werden.“

Mit einem Club für elektronische Musik, Konzerten, Kunst und Kultur entstehe in der Überseestadt ein einzigartiges Kulturzentrum, das für die kreative Szene wichtig sei und zugleich das alte Hafenquartier weiter belebe. Das Zucker bemühe sich seit Jahren konstruktiv, ehrenamtlich und unermüdlich um einen Standort. „Mit dem heute beschlossenen Bebauungsplan haben wir die Weichen gestellt, damit die Pläne des Zucker-Kollektivs endlich verwirklicht werden können“, so Wargalla weiter. „Für Bremen ist das Zucker-Zentrum ebenso ein Riesengewinn wie für die Überseestadt. Dieses einzigartige soziokulturelle Projekt macht Bremen besonders und entfaltet auch eine Strahlkraft weit über die Stadtgrenzen hinaus.“

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