Ein etwas anderer Konzert-Bericht

„Lieblingsstadt, irgendwie“ - So räumten die Toten Hosen in Bremen ab

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Die Toten Hosen. Die Leidenschaft. So war es am Freitag in der ÖVB-Arena in Bremen.

Die Toten Hosen sind ein Mythos. Is‘ so! Ein Konzert der Düsseldorfer Punkband sollte man zumindest ein Mal im Leben mitgemacht haben. Auch nordbuzz-Redakteur Tobias Picker ist am Freitag in Bremen nun endlich in den Genuss gekommen. Und plötzlich fühlte er sich an einen Jahre alten, leidenschaftlichen Flirt in einer Hamburger Rockkneipe erinnert. Hier kommt sein etwas anderer Konzertbericht aus der Bremer ÖVB-Arena.

Das mag jetzt ein komischer Vergleich sein, aber irgendwie waren die Toten Hosen für mich mittlerweile ein bisschen so wie Metallica oder Kiss. Nicht wegen der Musik, natürlich, sondern weil das auch so eine Band ist, die man unbedingt noch sehen muss, so lange es noch geht. Ich hatte bisher jedes Konzert der Toten Hosen verpasst, saß stattdessen staunend vor den Berichten über die Auftritte. Sänger Campino, der sich in schöner Regelmäßigkeit Knochenbrüche zuzieht, die eingestürzte Bühne in Buenos Aires… was zum Teufel geht da ab bei den Konzerten?

Mittlerweile weiß ich es. Ich hab es gesehen, am Freitag in Bremen. Und ich musste unweigerlich an eine Jahre alte Geschichte denken, die mir mal passiert ist. Ein Flirt in einer Rockkneipe auf St. Pauli am Hans-Albers-Platz. Eine schöne Frau aus dem Saarland, die mit ihren beiden Brüdern da war. Ich mochte sie, und sie mochte mich wohl auch. Es lief ordentlich, bis plötzlich „Alles aus Liebe“ von den Toten Hosen aus den Boxen kroch. Sie sprang auf, fand kaum noch Zeit für eine vertröstende Handbewegung, und hoppelte Richtung Tanzfläche. Da traf sie mit ihren Brüdern zusammen, sie fielen sich in die Arme und jubelten als wären sie gerade Welt- und Europameister gleichzeitig geworden. Und sie feierten diesen Song, diese Band, wie wahrscheinlich im unterkühlten Hamburg überhaupt noch nichts gefeiert worden war. Diese Leidenschaft hat mich tief beeindruckt. Hinterher sagte sie mir, das würden sie immer so machen. Immer, wenn die Toten Hosen laufen. Das muss so sein.

Diese Leidenschaft

Tatsächlich habe ich diese Leidenschaft am Freitag in der Bremer ÖVB-Arena an so ziemlich jeder Ecke des Saals in irgendeiner Form wiedergefunden. Ich bin kein Freund von Superlativen, aber es kann sein, dass es unter all den vielen Konzerten, die ich überall in Deutschland gesehen habe, das bisher leidenschaftlichste war. Und wenn ich jetzt noch mal den Metallica-Kiss-Toten-Hosen-Vergleich ziehe, merke ich schnell, dass das mit den Hosen doch noch ganz anders sind. Die gibt es zwar auch schon seit einer Ewigkeit, aber sie haben sich auf gleichbleibendem Niveau weiterentwickelt.

Hier werden die neuen Nummern genauso gefeiert wie die alten. Es ist kein Relikt wie etwa Kiss, die abends nur auf die Bühne steigen, um – wie in einem Museum – die Hits aus den 70ern wieder und wieder in den Raum zu blasen. Legende hin oder her. Bei den Toten Hosen – eben auch eine Legende – wird „Wannsee“ genauso gefeiert wie „Opelgang“, ein Song von 2017 geht genauso durch die Hallendecke wie einer von 1983. Das ist unglaublich!

Bremen: „Schon irgendwie die Lieblingsstadt“

Und ein Profi wie Sänger Campino weiß natürlich, wie er ein Publikum von sich überzeugt. Doch irgendwie glaubt man ihm an diesem Abend, dass es tatsächlich wahr ist, wenn er sagt, dass „Bremen schon irgendwie die Lieblingsstadt“ sei. Die heimliche zumindest. Campino erzählt, dass sie hier ihren ersten Auftritt hatten, zum ersten Mal Applaus für ihre Musik bekamen und das erste Video mit „buten un binnen“ drehten. Außerdem werde man auch den heutigen Freitagabend „nie mehr vergessen“, schließlich feiere Gitarrist Kuddel gerade seinen 25. Hochzeitstag auf der Bühne in Bremen. Dazu gibt‘s ein Tablett mit Schnaps, „symbolisch“ bekommen einige Fans vor der Bühne einen Shot. Das kommt gut an. „Wir können jetzt aber nicht mit der ganzen Halle saufen“ entschuldigt sich Campino und zockt „Eisgekühlter Bommerlunder“. Immerhin: an anderer Stelle bietet er noch an, mit allen Gästen in der Halle ins „Aladin“ weiter zu ziehen. „Gibt es das eigentlich noch? Früher war das mal geil. Und die freuen sich sicher, wenn wir da jetzt alle hingehen.“

Sehr charmant. Sehr brüderlich. Ich habe schon den Eindruck, dass das genau das Gefühl ist, das die Hosen ihren Fans mit auf den Heimweg geben wollen. Wir gehören hier alle zusammen. Mal „ein Abend ohne iPhone und Kamera. Nur Ihr und wir an genau diesem geilen Abend.“ Das wirkt. Und ich bleibe dabei: So viel Leidenschaft ist selten in den Konzertsälen dieses Landes, sowohl auf als auch vor der Bühne.

Fotos vom Abend: Die Toten Hosen rocken Bremen

 

Am Samstagabend spielen Die Toten Hosen noch mal in der ÖVB-Arena. Und 2018 kommen die Jungs dann zum Open-Air auf die Bürgerweide.

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