„Base“, „Front“ und „Flyer“

Selbstversuch Cheerleading: Beim Training der Bright Delights Oldenburg

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Die Bright Delights trainieren zweimal in der Woche in Oldenburg, um bei den Heimspielen der EWE Baskets eine spektakuläre Show abzuliefern. 

Wir alle kennen das Klischee: Cheerleader haben kurze Röcke, immer ein Dauerlächeln im Gesicht und sind die Vorzeige-Mädels eines jeden amerikanischen High-School-Streifens. Doch dass diese Sportart mehr als eine nett anzuschauende Tanzeinlage in hübschen Outfits ist, habe ich beim Training mit den Bright Delights ab der ersten Minute gespürt. Wie hart die Oldenburger Cheerleader der EWE Baskets für ihre Auftritte in der Arena trainieren und warum sie eine große Familie sind, lest Ihr im Erlebnisbericht. 

Bei ihren Auftritten in der EWE-Arena bieten die Bright Delights den Zuschauern der EWE Baskets eine spektakuläre Show. 

Um eins vorweg zu nehmen: Nein, ich wurde nicht in die bauchfreie Cheerleader-Uniform gesteckt und gen Himmel geworfen, um ein lustiges Video zu sehen. Und das ist auch gut so. Cheerleading ist ein Sport, der leider noch allzu oft belächelt wird. Doch dahinter steckt viel Übung, ausgeklügelte Technik und ein starkes Gemeinschaftsgefühl. „Wir sind eine große Familie“, erzählt Fennia. „Gegenseitiges Vertrauen ist die Grundlage beim Cheerleading. Schließlich gibt man dem anderen im wahrsten Sinne des Wortes sein Leben in die Hände.“ Große Worte, in denen viel Wahrheit steckt. Das werde ich in der nächste Stunde am eigenen Leib spüren. Fennia ist seit Jahren Cheerleaderin und trainiert die „Pewees“, die kleinen Nachwuchs-Cheerleader in Oldenburg. Sechs Jahre sind die jüngsten Mitglieder der Sweet Delights, die auch in diesem jungen Alter bereits eigene Stunts trainieren.

Senior-Trainerin Jacky begrüßt mich beim Training herzlich und schickt mich direkt zum Aufwärmen mit Fennia. „Sich vor den Übungen zu dehnen ist ein absolutes Muss“, erzählt sie mir, „damit wird Verletzungen vorgebeugt.“ Wir drehen ein paar Runden durch die prall gefüllte Halle. Rund 42 junge Mädels und Jungs sind heute beim Training in Oldenburg dabei. „Es sind auch drei weitere Neue hier“, sagt Fennia „du bist also nicht der einzige Neuling heute.“ Klingt beruhigend, denke ich. 

„One, two, three – ready“: Die ganze Halle zählt

Beim „Lib“ schlüpfte ich in die Rolle der „Second-Base“ unten rechts, während Pola als Flyer oben posierte.

Mit den Basics geht es los – mein Einsatz. Zusammen mit Maxi, Pola, Jenny und Luisa probiere ich mich an dem ersten Stunt – so werden die unterschiedlichen Sprünge und Figuren genannt. „Wir fangen einfach mal mit einem Elevator an“, sagt Luisa „ich bin die Main-Base, du die Second-Base, Maxi ist der Back, Jenny Front Spot und Pola ist der Flyer. Auf three geht es los. Okay?“ Wie bitte? Base, Back, was war das nochmal? Und wenn sie runter fällt? Auch wenn es von außen so einfach aussieht: Cheerleading ist eine Mischung aus Kraft und Technik – das lerne ich gleich bei dem ersten Stunt. Nach einer kurzen Einweisung zählt Maxi an: „One, two, three, four, five, six, seven, eight!“ Pola stellt ihre Füße in Luisas und meine Hände und auf Maxis Kommando heben wir sie an ihren Beinen gen Hallendecke – wow, das ging schnell. Voller Körperspannung geht Pola oben in Pose, bevor wir sie langsam wieder herunterlassen. Fertig – ganze acht Sekunden hat mein erster Stunt gedauert. 

Was von außen relativ einfach aussieht, ist mittendrin richtig anstrengend. Das wird mir auch mein Muskelkater am nächsten Tag nochmals vor Augen führen. Kein Wunder, dass die Mädels und Jungs der Bright Delights zweimal die Woche trainieren. Neben den Einheiten, in denen die Basics geübt werden, absolvieren sie regelmäßiges Tanztraining und üben die Choreographie für die anstehende Meisterschaft. Dass Jacky mit ihrer Truppe durchaus erfolgreich ist, spiegelt sich nicht nur im Applaus während der Auftritte bei den Heimspielen der EWE Baskets wider. Die Bright Delights sind auch amtierender Regionalmeister Nord im CCVD (in der Kategorie Senior Limited Coed Cheer Level 5), Landesmeister in Niedersachsen und haben den fünften Platz bei den Deutschen Meisterschaften belegt. 

Natürlich arbeiten die Bright Delights auch im Training weiter an ihrer Choreographie für die Meisterschaft. Im Februar 2017 werden sie erneut an den Start gehen: 

„Elevator“-Stunt: Per Fahrstuhl in Pose

Bei ihren Auftritten in der EWE-Arena kommen auch die allseits bekannten Pom-Poms zum Einsatz.

„Am Anfang fand ich die ganzen Cheerleader-Begriffe auch sehr verwirrend“, erzählt mir Luisa, die seit mehr als einem Jahr dabei ist. Während die Base das Hauptgewicht hält, zählt und damit das Tempo und die Kommandos vorgibt, stehen die „Main-“ und „Second-Bases“ beim „Elevator“ an dessen Seiten und fassen die Füße des „Flyers“, um diesen hochzustemmen. Jeder ist in seiner Position verantwortlich für eine bestimmte Aufgabe – Cheerleading ist absoluter Teamsport.  

„Für mich ist Cheerleading eine gute Ergänzung zum Kraftsport“, sagt Maxi.  

Nach ein paar Durchläufen klappt der „Elevator“ schon ganz gut. Ich will mehr. Die nächste Disziplin: Ein „Lib" mit „Cradle“. Sprich: ein Hochstemmen mit anschließender spezieller Abbautechnik. Statt Pola langsam gen Boden gleiten zu lassen, soll sie hochgeworfen und dann kurz vor dem Boden aufgefangen werden. Zur Sicherheit wird Fennia dazugerufen: als „Spotter“ sichert sie den Stunt zusätzlich ab, falls Pola fallen sollte. „Achte auf einen geraden Rücken“, ermahnt mich Maxi bevor es los geht, „du musst die Kraft aus den Beinen holen.“ Mit Kraft kennt sich Maxi sich aus. Seitdem seine Schwester ihn mit zum Training schleppte, ist er bei den Bright Delights dabei und nutzt Cheerleading als Ergänzung zum Krafttraining im Studio.  

Und dann passiert es – wir stemmen Pola an ihren Füßen hoch, werfen sie mit einer Extraportion Schwung gen Hallendecke, ich verliere den Überblick und Pola den Halt. Im Fall erwischt ihr Fuß mein Gesicht - autsch! „Das passiert“, sagt Luisa nach dem Schreck-Moment, „wer noch nie gefallen ist, ist kein richtiger Cheerleader.“ Gott sei Dank passiert nichts schlimmeres. Kurze Trinkpause, dann geht es direkt weiter. Üben, üben, üben lautet die Devise.  

Fazit: Im Training mit den Bright Delights habe ich einen Fußabdruck im Gesicht, mächtigen Muskelkater und rote Handflächen kassiert und beschlossen, dass diese Sportart wohl nie meine wird. Aber die Jungs und Mädels haben mir gezeigt, was es wirklich heißt, ein Cheerleader zu sein. Hartes Training, ein selbstverständliches Vertrauen untereinander und der Stolz motiviert die jungen Sportler zu Höchstleistungen. Damit begeistern sie nicht nur die EWE-Baskets-Fans, sie räumen auch allerhand Wettbewerbs-Preise ab. Doch am Ende zählt nur eins: das Team. „Die Uniform ist der ganze Stolz eines jeden Cheerleaders“, erklärt mir Fennia. Die kurzen Röcke und Schleifchen würden nicht nur hübsch aussehen – sie symbolisieren den Teamgeist, die Gemeinschaft. Klingt pathetisch, war aber beim Training in der Oldenburger Halle zu sehen und spüren. Chapeau! 

 

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