„Was ist buzz“: Streifzug durch Bremen

Experte erklärt: Darum sind die Altbremer Häuser etwas ganz Besonderes

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Die Altbremer Häuser prägen viele Stadtteile in Bremen.

Fragt man einen Bremer, wie er gerne wohnen würde, ist die Antwort fast immer die gleiche: „So ein schönes Altbremer Haus, das könnte ich mir schon gut vorstellen.“ Aber warum eigentlich? Was hat es mit den Altbremer Häusern auf sich? Und was ist das überhaupt genau, ein Altbremer Haus? In unserer Serie „Was ist buzz“ gehen wir der Frage nach.

In Schwachhausen, im Viertel oder in Walle: Ganze Straßenzüge werden in diesen Stadtteilen von Altbremer Häusern geprägt. Wer aber denkt, diese Bebauung sei etwas völlig normales, der irrt sich gewaltig. Denn es handelt sich um einen Sonderweg, den Bremen zwischen 1850 und 1920 gegangen ist, erklärt Dipl.-Ing. Rainer Voigt. Bereits seit Anfang der 80er Jahre beschäftigt er sich mit den Altbremer Häusern, zunächst aus beruflichen Gründen, später auch aus privatem Interesse. „Ob Hamburg oder Berlin, überall wurden in der damaligen Zeit große Mietskasernen gebaut. Das war in Bremen aber verboten, auch die Hinterhofbebauung war nicht zugelassen“, so Voigt. Die Folge waren als Einfamilienhäuser geplante Reihenhäuser, die noch heute ganz leicht an vielen Eigenschaften erkannt werden können – und prägend für das Stadtbild sind.

Gebaut wurde zum Beispiel in die Tiefe, nicht in die Breite. Denn: Die Kosten für die Straße mussten vom Eigentümer getragen werden. Altbremer Häuser können deswegen teilweise nur fünf Meter breit sein, maximal zehn bis zwölf. Der Stil der Fassade bewegt sich übrigens je nach Baujahr irgendwo zwischen Klassizismus, Historismus und Jugendstil.

Der Clou mit den zwei großen Räumen

Altbremer Häuser verfügen in der Regel über ein Souterrain, das über ein kleine Treppe von der Straßenseite erreicht werden kann, den früheren Lieferanteneingang. Nach hinten hinaus, zur Gartenseite, sind sie dagegen meist ebenerdig. Warum? „Sie wurden damals auf dem ursprünglichen Niveau der Straße errichtet. Im Laufe der Jahre wurde aber vielen Straßen wegen des Hochwasserschutzes um bis zu eineinhalb Meter aufgeschüttet, sodass quasi nachträglich ein halber Keller entstanden ist“, sagt Voigt. Im Souterrain befindet sich, auch heute noch, klassischerweise die Küche. Dazu gab es Räume für die Dienstboten.

Die einzelnen Reihenhäuser wurden klassischerweise spiegelbildlich aneinandergebaut.

Das tägliche Leben spielte sich dagegen im heutigen Hochparterre ab, bei den betuchteren Bewohnern gerne im Herrensalon, im Rauchsalon oder im Salon der Dame. Die Grundrisse aller Altbremer sind dabei noch heute sehr ähnlich. Es gibt eigentlich immer einen per Außentreppe zu erreichenden Windfang mit angeschlossenem Treppenhaus im Inneren, daneben zwei große Räume, die ineinander übergehen, aber durch eine große Schiebetür getrennt werden können. Der Clou an der Sache laut Voigt: „Durch diese Bauweise waren beide Räume gleichermaßen lichtdurchflutet und die Häuser konnten immer gleich und unabhängig von der Himmelsrichtung gebaut werden – egal, auf welcher Straßenseite sie stehen.“

Das Mittelhaus wurde vom Bauherrn oft selbst bezogen

Im Obergeschoss befanden sich die Schlafräume und bei späteren Häuser auch das Badezimmer, das mangels Kanalisation zuvor im Garten „zwangsbeheimatet“ war. Das Konzept, zwei Räume über eine große zweiflügelige Tür zu verbinden, findet sich auch im Obergeschoss und dem zweiten Stockwerk wieder. In den Arbeitervierteln wurden dagegen auch lediglich eingeschossige Varianten errichtet. Übrigens: Je höher eine Etage lag, desto geringer wurde die exklusive Ausstattung mit Stuck, Parkett und Co.

Ganze Straßenzüge wurden vom jeweiligen Bauherren in Vorratsbauweise errichtet.

Viele der Reihenhäuser, manchmal ganze Straßenzüge, wurden vom jeweiligen Bauherren in Vorratsbauweise errichtet, das heißt, in Vorleistung und auf eigene Kosten. Das Mittelhaus bezog dieser oft selber, weswegen es größer war und aufwendiger gestaltet wurde. Rechts und links davon wurde spiegelbildlich weitergebaut.

Die Nachfrage ist heutzutage gewaltig

Zwar sind einige der Häuser dem Zweiten Weltkrieg oder den städteplanerischen Katastrophen der Nachkriegsjahre zu Opfer gefallen, dennoch gibt es sie noch heute in recht großer Zahl, oftmals bereits unter Denkmalschutz gestellt. Und die Nachfrage ist gewaltig, die Preise sind in den vergangenen fünf bis zehn Jahren explodiert. Kein Wunder: Klassische Stuckelemente, hohe Decken, altes Parkett und historische Türelemente wirken im Exposee wahre Wunder.

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