Weg von Werder? Besser wird’s nicht!

Top-5 der Werder-Stars, denen ein Wechsel kein Glück brachte

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Ailton

Die Vorbereitung auf die nächste Bundesliga-Saison hat begonnen, am Sonntag sind die Profis von Werder Bremen zum ersten Trainingslager nach Neuruppin aufgebrochen. Nicht mit dabei sind zwei Leistungsträger der vergangenen Saison: Anthony Ujah ist zum chinesischen Erstligisten Liaoning FC gewechselt, Jannik Vestergaard hat sich Borussia Mönchengladbach angeschlossen. Gute Entscheidungen? Abwarten!

Natürlich kann ein Wechsel die Karriere ankurbeln, siehe Özil, Mertesacker & Co. Da gibt es jede Menge Beispiele. Aber, ohne missgünstig sein zu wollen: Es gibt auch genügend Gegenbeispiele, getreu dem Motto: „Weg von Werder? Besser wird’s nicht!“ Und damit wir uns über die aktuellen Weggänge nicht ganz so doll ärgern müssen, haben wir haben die Top-5 unserer ganz persönlichen Weg-von-Werder-Wechsel-Fehler zusammengetragen.

Platz 5: Andreas Herzog

Andreas Herzog

In Bremen genießt Andreas „Andi“ Herzog Heldenstatus. Steht er doch wie kein Zweiter für die glorreiche Ära des Vereins Anfang der 1990er Jahre. Gleich in seiner ersten Saison 1992/93 holte der Spielmacher mit Werder die Meisterschaft, 1994 den Pokalsieg. Gemeinsam mit Trainer Otto Rehhagel wagte er zur Spielzeit 1995/96 den Schritt zum Rekordmeister nach München. So richtig rund lief es für ihn dort trotz des Gewinns des UEFA-Pokals allerdings nicht. „Zu meiner Zeit war der FC Bayern noch der FC Hollywood in Hochblüte, ein Topverein, bei dem es großartig, aber auch sehr schwierig war für mich. Ich konnte mein Leistung, die ich noch in Bremen gebracht hatte, nicht wiederholen. Das hat mich enttäuscht“, sagte Herzog später im Interview mit der Münchener „Abendzeitung“. Nach nur einem Jahr beendete er sein Engagement bei den Bayern, kehrte nach Bremen zurück und gewann 1999 den DFB-Pokal ein zweites Mal.

Platz 4: Aaron Hunt

Aaron Hunt

Zehn Jahre lang hat Aaron Hunt das grün-weiße Trikot der Bremer getragen. Und entschied sich 2014, es gegen das andere grün-weiße einzutauschen, nämlich jenes vom VfL Wolfsburg. Ein gute Entscheidung? Finanziell vielleicht, aber sportlich blieb dem bei den Werder-Fans nicht immer unumstrittenen Mittelfeldstrategen der Durchbruch versagt. 15 Einsätze in der Bundesliga, zwei Tore, keine Vorlage – das hatten sich alle Beteiligten sicherlich ein wenig anders vorgestellt, Verletzungen hin oder her. Es folgte nach drei Spielen der Saison 2015/16 die Flucht, pardon, der Wechsel zum Hamburger SV. Auch dort liest sich die Bilanz wenig berauschend: 21 Einsätze, ein Tor, drei Vorlagen.

Platz 3: Franco di Santo

Franco di Santo

Es hätte das neue Traumpaar im Werder-Sturm 2015/16 werden können: Anthony Ujah und Franco di Santo. Die ersten Testspiele der vergangenen Saison waren vielversprechend, doch während der Vorbereitung, genauer gesagt direkt am Tag der Fans, verließ di Santo die Werderaner nach zwei Jahren in Richtung Schalke. Seine dortige Bilanz ist bislang, positiv formuliert, ausbaufähig. „Ist er ein sechs Millionen Euro teures Missverständnis?“, fragte zum Beispiel die „WAZ“ zum Ende der letzten Saison. Nur zwei Tore in 25 Ligaspielen stehen zu Buche, immerhin deren fünf in sieben Europa-League-Auftritten. Dennoch fand sich Franco di Santo öfter auf Bank oder Tribüne wieder, als ihm lieb sein durfte. Dabei hatte er noch nach dem zwölften Spieltag, bis dato noch torlos, im Sport1-Interview angekündigt: „Ich möchte bei Schalke eine bessere Saison spielen als bei Werder Bremen. Bei Werder habe ich 14 Tore gemacht, hier will ich zehn mehr schießen."

Platz 2: Tim Wiese

Tim Wiese

Wer weiß, wie die Karriere von Tim Wiese verlaufen wäre, hätte er seinen Vertrag bei Werder verlängert. Oder hätte er wenigstens das angeblich unterschriftsreife Angebot von Real Madrid angenommen. Doch der Keeper entschied sich für einen Wechsel zur TSG 1899 Hoffenheim – und besiegelte damit das Ende seiner Karriere. „Ich bin froh, in Deutschland zu bleiben. Es ist eine tolle Liga und Hoffenheim ein toller Verein“, sagte Wiese seinerzeit gegenüber der „Bild“. Aber da konnte er auch noch nicht wissen, dass dieser „tolle Verein“ recht zeitnah die mittlerweile in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangene „Trainingsgruppe 2“ für unerwünschte Fußball-Profis aus der Taufe heben würde, dessen prominentes Mitglied Wiese wurde. Insgesamt absolvierte er mickrige elf Pflichtspiele für Hoffenheim und beendete nach diesem Missverständnis seine Fußballer-Karriere. Im Rückblick spricht Wiese übrigens trotzdem vom „besten Deal seines Lebens“.

Platz 1: Ailton

Ailton

Der stämmige Brasilianer war das Gesicht der Meistermannschaft 2004: Publikumsliebling, Torschützenkönig, Gute-Laune-Onkel. Ein echter Typ eben, für den die Fans gerne ins Stadion gegangen sind. Unvergessen die Bilder, wie er nach dem Gewinn der Meisterschaft weinend in den Armen seines damaligen Trainers Thomas Schaaf lag. Denn zu diesem Zeitpunkt stand sein Wechsel zum Liga-Rivalen Schalke 04 bereits fest. Der Anfang vom Ende der großen Ailton-Show. Nirgendwo funktionierte er so wie in Bremen, eine schier endlose Odyssee war die Folge: Auf Vereine wie Besiktas Istanbul, Hamburger SV, Roter Stern Belgrad, MSV Duisburg, Metalurg Donezk und SCR Altach folgten Stationen in Brasilien und China, aber auch in Oberneuland, Uerdingen und Bingen. Endstation war fast folgerichtig das Dschungelcamp. Ailton hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass es sein größter Fehler gewesen sei, Bremen zu verlassen. „Mein Platz bleibt hier“, sagte er nach seinem emotionalen Abschiedsspiel im Spätsommer 2014. Und einen festen Platz in den Herzen der Werder-Fans hat er auch sicher.

Fotostrecke: So schön war es bei Werder

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