Vier sind Werder Bremen – Die nordbuzz-Kolumne

Von der Weser an die Weltspitze? Warum Gnabry für Werders Image so wichtig ist

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In dieser Ausgabe schreibt Tobias Holtkamp die nordbuzz-Kolumne „Vier sind Werder Bremen“

In der wöchentlichen nordbuzz-Kolumne „Vier sind Werder Bremen“ schreiben unsere Experten im Wechsel über den SVW. Werder-Legende Tim Borowski, TV-Moderatorin Laura Wontorra, Sportjournalist Tobias Holtkamp und Werder-Blogger Lars Kranenkamp (im Netz besser bekannt als Burning Bush) spielen sich die Bälle zu: mal emotional, mal analytisch, aber immer authentisch.

In dieser Ausgabe schreibt Tobias Holtkamp.

Serge Gnabry, 21, ist Gold wert für Werder, in vielerlei Hinsicht. Er ist der nächste außergewöhnliche Sportler, der Bremen bald als Superstar verlässt – nachdem er in Grün-Weiß reifte und die wichtigsten Sprossen der Karriereleiter genommen hat. Das ist schön für den Verein und super wichtig für den Spieler.

Viele Versuche, den Schritt nach ganz oben zu schaffen, zu einem der wenigen, weltweit wirklich bedeutenden Riesenklubs, hast du auf deiner Reise durch den Fußball selbst als herausragendes Talent nicht. Jede Entscheidung muss sitzen. Stillstand ist Rückschritt.

Tobias Holtkamp (38) ist Digitalchef bei _wige Media in Köln. Vorher war er in der Chefredaktion von Sport Bild, bei Transfermarkt und leitete den Sport bei Bild.de. Seine ersten Fußball-Berichte schrieb er mit 15 als Freier Mitarbeiter beim Weser-Kurier.

Gnabry kann froh sein, in der Ausbildung beim FC Arsenal auf seinen gestandenen Landsmann Per Mertesacker getroffen zu sein. Der ebenso unaufgeregte wie gewissenhafte Norddeutsche, der es mit harter Arbeit bis zum Kapitän unter Arsène Wenger schaffte, hat auf seinem Weg schon viele Möchtegern-Messis erlebt. Mertesacker weiß, worauf es ankommt, und worauf eben nicht. Frühestmöglich dem Ruf des ganz großen Geldes erliegen? Das ist leider einfach und führt sehr oft sehr schnell Richtung Abstellgleis. Frag‘ mal Mertesacker, ob er Marko Marin 2012 zur Unterschrift beim FC Chelsea geraten hätte. Und Marins gibt es viele.

Per Mertesackers Rat an Gnabry war: Spielen, spielen, spielen

Mertesacker, von 2006 bis 2009 bei Werder Teamkollege vom heutigen Sportchef Frank Baumann, hat sich Gnabrys Karriereplanung angenommen, gemeinsam mit einem Freund aus Hannover, Chef der Agentur Spielerrat, berät er das deutsche Ausnahmetalent, nachhaltig wie vertrauensvoll. Mertesackers Rat an Gnabry war: Spielen, spielen, spielen. Am besten in einem ruhigen Umfeld, mit viel Geduld und ohne Machtspiele. Werders Bereitschaft, in den Jung-Nationalspieler zu investieren, kam wie gerufen und war das perfekte Puzzlestück für die Gnabry-Seite.

Dass der gebürtige Stuttgarter dem Werder-Spiel derart schnell seinen Stempel aufdrücken würde, konnte allerdings auch Mertesacker nicht ahnen. „Im Frühjahr wird man erst den besten Serge Gnabry sehen", glaubt Bundesliga-Legende Horst Hrubesch, der Gnabry als DFB-Trainer über Jahre erlebte und im August zu Olympia-Silber in Brasilien führte. Hrubeschs Einschätzung klingt fast wie eine Drohung an die, die Anfang 2017 auf Werder treffen.

Im Vertragswerk gibt es eine Ausstiegsklausel, die auch im nächsten Sommer schon greift

Dass Gnabry länger als eine Saison im Werder-Trikot spielt, kann man in meinen Augen ausschließen. Im Vertragswerk mit Laufzeit bis 2020 gibt es eine Ausstiegsklausel, die auch im nächsten Sommer schon greift. Die genaue Höhe ist nicht bekannt, in verrückten Dimensionen à la Julian Draxler oder Leroy Sanè liegt sie allerdings nicht, Gerüchten zufolge gar nicht weit über den von Werder gezahlten fünf Millionen Euro und damit im Kleingeldbereich der Top-Klubs. Der FC Bayern hat bereits Interesse hinterlegt und im Zuge des Transfers zu Werder auch schon Gespräche mit Gnabrys Agentur geführt. Im Idealfall, wenn er so weiter macht wie in den ersten Saisonwochen, trägt Serge Gnabry ab Juli das Bayern-Trikot. Sportdirektor Michael Reschke traut ihm eine Entwicklung wie Joshua Kimmich, ebenfalls 21 und schon eine Größe in der A-Nationalmannschaft, zu.

Der Bremer Schlüssel öffnet auch ganz große Türen

Dass Gnabry nicht nach Bremen kam, um hier sein Fußballerleben zu verbringen, darf keinen überraschen oder enttäuschen. Im Gegenteil, als Bremer und Werder-Fan sollte man glücklich sein, dass der Verein seinen europaweiten Ruf als Sprungbrett in die oberste Etage mit Gnabry wieder mal klar unterstreicht. Mesut Özil nutzte Werder für den Satz in die Weltspitze, Kevin De Bruyne bewies seine überragenden Fähigkeiten ebenfalls regelmäßig. Beide zählen heute zu den größten Namen im Sportlerzirkus, Trikots mit ihren Namen zählen zu den meistverkauften auf dem Planeten.

Gut möglich, dass dem jüngsten Beispiel Gnabry zukünftig wieder andere folgen und Werder als Schaufenster wählen, in dem sie den Fußball-Reichen ihre Qualitäten darbieten. Wenn sie clever sind und geduldig. Der Bremer Schlüssel, das hat sich herumgesprochen, öffnet auch ganz große Türen.

Hier findet Ihr alle bisherigen Ausgaben der nordbuzz-Kolumne „Vier sind Werder Bremen“ – und hier gibt‘s weitere Werder-News.

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