Vier sind Werder Bremen – Die nordbuzz-Kolumne

„Ich lege mich fest: Werder und Nouri, das passt“

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Die nordbuzz-Kolumnisten (v.l.): Tobias Holtkamp, Lars Kranenkamp, Laura Wontorra und Tim Borowski.

In der wöchentlichen nordbuzz-Kolumne „Vier sind Werder Bremen“ schreiben unsere Experten im Wechsel über den SVW. Werder-Legende Tim Borowski, TV-Moderatorin Laura Wontorra, Sportjournalist Tobias Holtkamp und Werder-Blogger Lars Kranenkamp (im Netz besser bekannt als Burning Bush) spielen sich die Bälle zu: mal emotional, mal analytisch, aber immer authentisch.

In dieser Ausgabe schreibt Laura Wontorra.

Fans und Spieler hatten sich bereits am Samstag nach Abpfiff am Böllenfalltor entschieden: Alexander Nouri soll's werden. Alexander Nouri ist der richtige Trainer für Werder Bremen. Kein Wunder: In Durchgang zwei schien mir ein Ruck durch die Mannschaft zu gehen. Es muss eine Halbzeitansprache der anderen Art gewesen sein. 2:2 hieß es am Ende, ein Punkt für Werder – und Sonntag folgte die Beförderung von Nouri zum Chefcoach. Voila!

Von selbstbewusster Führung keine Spur, mal wieder

Aber: Mich persönlich – wäre ich in der Situation von Alexander Nouri – hätte die Art und Weise gestört. Denn das war mal wieder typisch Werder… Anstatt sich klar zu bekennen, anstatt den eigenen Mann aus den eigenen Reihen stark zu reden, wirkte die Pressekonferenz auf mich mehr wie ein leises „Ja er wird’s“, nicht wie ein lautes und starkes „Taddada! Mit ihm geht’s voran“. Von selbstbewusster Führung keine Spur, mal wieder.

Laura Wontorra, ganz in der Nähe des Weser-Stadions geboren, bezeichnet sich selbst als fußballverrückt. Kein Wunder bei dem Vater, denn Jörg Wontorra war neben seiner TV-Tätigkeit sogar Aufsichtsrat bei Werder Bremen. Tochter Laura hat ihre Fußball-Liebe jedenfalls zum Beruf gemacht und arbeitet als Fernseh-Moderatorin bei Sport1.

Werder habe sich angeblich mit weit über 80 Trainerkandidaten beschäftigt, dabei „auch über außergewöhnliche Lösungen nachgedacht“, so Sportchef Frank Baumann. Man wollte unbedingt einen bundesligaerfahrenen Trainer. Aber am Ende „habe ihn keiner zu 1000 Prozent überzeugt“. Das klingt nicht gerade nach: „Alexander Nouri bringt das beste Paket mit, wir glauben an ihn.“ Das klingt leider erst einmal nach: „Wir haben keinen Besseren gefunden.“ Für meinen Geschmack hat Baumann hier mal wieder nicht die richtige Wortwahl gefunden. Und auch auf dem Papier scheint es nicht das ganz klare Bekenntnis zu sein: Nouris Vertrag läuft weiterhin bis zum Saisonende und wurde lediglich finanziell angepasst.

Alexander Nouri ist natürlich trotzdem der große Gewinner in dieser Situation, keine Frage. Denn er selbst wirkt so gar nicht wie eine Notlösung. Mir gefällt, dass er nicht sich, sondern den Verein in den Vordergrund stellt. Seine Aussage zum Einjahresvertrag: „Das ist total in Ordnung für mich. Dankbarkeit und Demut tun uns gut“, ist meiner Meinung nach die richtige Kampfansage. Und wer weiß, vielleicht wird man ihm bald von ganz allein einen langfristigen Vertrag anbieten müssen. Nouri scheint jedenfalls mit seinen sozialen Fähigkeiten zu überzeugen. Genau das, was Werder jetzt braucht.

Nouri bringt wichtige Eigenschaften für den „Werder-Trainer 2.0“ mit

Doch wer ist dieser Alexander Nouri überhaupt? Claus-Dieter „Pele“ Wollitz, der mit mir gemeinsam montags die 2. Liga moderiert, den ich schätze und verehre, kennt den 37-Jährigen bestens. Er war sein Spieler, mit ihm feierte er große Erfolge beim VfL Osnabrück. Der Nouri, sagt Pele, sei einer mit Herz. Er sei schon immer wissbegierig gewesen, habe viele Fragen gestellt. Und es sei schon damals abzusehen gewesen, dass er seinen Weg gehen würde.

Ich glaube Pele. Nouri kann Spieler entwickeln und besser machen. Das hat er bei Werders U23 gezeigt, und er bringt somit eine wichtige Eigenschaft für den „Werder-Trainer 2.0“ mit. Zudem haben wir erlebt, dass er eine Mannschaft mitreißen kann. Auch die Meinungsführer der Profis, Kapitän Clemens Fritz und Stellvertreter Zlatko Junuzovic, haben sich für Nouri ausgesprochen.

Er ist ein bescheidener, herzlicher Typ, der Charisma versprüht

Sein Co-Trainer Florian Bruns hat 171 Pflichtspiele für den FC St. Pauli bestritten, ein Verein, der für Emotionen steht wie kein zweiter. Er weiß also ebenfalls, wie wichtig die emotionale Schiene sein kann, besonders dann, wenn sportlich alles aus dem Ruder zu laufen droht. Ob das Gespann Nouri/Bruns mit seiner emotionalen Art nur ein guter Motivator ist, dessen Effekt schnell verpuffen könnte, oder ob man auch inhaltlich richtig was bewegen kann, bleibt natürlich abzuwarten.

Aber ich persönlich glaube, dass Werder mit Nouri einen großen Coup gelandet hat. Gar nicht mal, weil es die interne Lösung ist, die sehr an das Modell Schubert in Gladbach erinnert und daher erfolgversprechend scheint. Nein, Nouri passt ganz einfach zu Bremen. Warum? Er ist ein bescheidener, herzlicher Typ, der Charisma versprüht. Von dem zeitgleich aber noch nicht sofort der kurzfristige Erfolg erwartet wird, er also vielleicht auch ein wenig Druck von der Mannschaft nehmen kann. Ich lege mich fest: Werder und Nouri, das passt.

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