Vier sind Werder Bremen – Die nordbuzz-Kolumne

„Was ist denn drei Monate nach 'This is Osterdeich'? Nix ist!“

+
Die nordbuzz-Kolumnisten (v.l.): Tim Borowski, Tobias Holtkamp, Lars Kranenkamp und Laura Wontorra.

In der wöchentlichen nordbuzz-Kolumne „Vier sind Werder Bremen“ schreiben unsere Experten im Wechsel über den SVW. Werder-Legende Tim Borowski, TV-Moderatorin Laura Wontorra, Sportjournalist Tobias Holtkamp und Werder-Blogger Lars Kranenkamp (im Netz besser bekannt als Burning Bush) spielen sich die Bälle zu: mal emotional, mal analytisch, aber immer authentisch.

In dieser Ausgabe schreibt Laura Wontorra.

Das, was am letzten Spieltag der vergangenen Saison am und im Bremer Weser-Stadion passiert ist, bleibt wahrscheinlich auf lange Zeit einzigartig. Am 13. August war ich zur 11Freunde-Meisterfeier eingeladen, eines der vielen Klassentreffen der Fußballbranche. Bei Currywurst und Wein wollte ich ein wenig über die alte und die neue Saison schnacken, Kollegen wiedersehen und einen entspannten Sommerabend genießen. Gegen 21.30 Uhr gab es den Preis für die beste Fan-Aktion der Saison. Es konnte nur #greenwhitewonderwall gewinnen, und so war es dann ja auch – gut so!

Laura Wontorra, ganz in der Nähe des Weser-Stadions geboren, bezeichnet sich selbst als fußballverrückt. Kein Wunder bei dem Vater, denn Jörg Wontorra war neben seiner TV-Tätigkeit sogar Aufsichtsrat bei Werder Bremen. Tochter Laura hat ihre Fußball-Liebe jedenfalls zum Beruf gemacht und arbeitet als Fernseh-Moderatorin bei Sport1.

Während der Laudatio von Arnd Zeigler - niemand hätte Sie besser gehalten - ging mir als gebürtige Bremerin, die an der Weser aufgewachsen ist, die mit sechs Jahren zum ersten Mal die Tartanbahn im Bremer Weser-Stadion betreten hatte, das Herz auf. Die Erinnerung an diesen 14. Mai 2016, den 34. Spieltag, die Werder-Fans, wahre Fußball-Fans, die Leid und Glück teilen... Ich will nicht sagen, dass ich Tränen in den Augen hatte, aber nur Gänsehaut reicht auch nicht aus, um die Gefühlslage zu beschreiben.

Warum kann Werder nichts zurückgeben?

Mit mir, Laura, 27, Sportjournalistin, die jede Woche in den Stadien der 1. und 2. Liga dieser Republik unterwegs ist, macht diese Erinnerung etwas. Okay, nennt mich Fußballromantikerin - aber genau deswegen mache ich diesen Job und genau deswegen sollte doch auch jeder Junge mal angefangen haben, Fußball zu kicken. Wo ist also Werders Romantik? Gerät der 14.Mai 2016 für Spieler und Funktionäre so schnell in Vergessenheit, weil das Geschäft zu schnelllebig ist? Wieso reden Führungsspieler wie Zlatko Junuzovic von einer schweren letzten Saison, die man nicht so einfach verdauen kann, statt das Positive mitzunehmen und in die neue Spielzeit zu tragen? Warum muss nach dem zweiten Pflichtspiel schon wieder pure Ernüchterung statt Aufbruchstimmung herrschen? Warum kann Werder nichts zurückgeben? Ja, was ist denn drei Monate nach „This is Osterdeich“? Nix ist!

Ich bitte Euch an dieser Stelle, das Wort Romantik nicht falsch zu verstehen. Ich meine nicht das nostalgische Schwelgen in Erfolgen vergangener Tage, das macht Werder immer noch zu viel. Ich meine die tagesaktuelle Romantik, ich meine die Emotionen, die es braucht, um im knallharten Geschäft Bundesliga zu überleben und mich als Werder-Anhänger abzuholen. Ein Negativ-Beispiel: Thomas Eichin, der einzige „Nicht“-Bremer, wird ausgeschlossen. Dafür mit Baumann ein „Bremer“ zurückgeholt, der mit dem „Bremer“ Skripnik verlängert. Ein cleverer Schachzug für die Werder-Nostalgiker aber auch einer, der dem Business gut tut? Wohl eher nicht!

Hey Werder: It‘s Payback Time!

Wie also kann Werder der Balanceakt zwischen angestaubter Nostalgie, tagesaktueller Romantik und sportlichem Erfolg gelingen? Wenn die sportliche Leitung dazu nicht bin der Lage ist, ist die Mannschaft gefordert. Wer kann Werders Himmelsstürmer auf dem Platz sein? Claudio Pizarro? Um ganz ehrlich zu sein: Ich glaube ich nicht daran, dass wir unseren „Piza“ noch allzu oft auf dem Rasen sehen werden. Laut Werders Führungsetage sollte es zunächst Max Kruse sein, jetzt ist es Serge Gnabry: Seht her, alle wollten ihn, wir haben ihn! Dass dabei der Kader auf 35 Profis aufgebläht wurde und einzelne Spieler in die U23 abgeschoben werden, geht fast verloren. Frank Baumann lässt sich für die tolle Transferpolitik feiern, obwohl eine klare Kaderstruktur und eine Spielidee nicht zu erkennen sind. Von Teamgefühl und „Wir sind Werder Bremen“ keine Spur.

Das Feuer scheint erloschen und ich weiß ehrlich gesagt nicht, wer es aktuell wieder zum Lodern bringen kann. Ich hoffe sehr, dass der Verein demnächst mit einer Idee um die Ecke kommt, denn „WIR“, der 12. Mann, hat nach #greenwhitewonderwall eine bessere Saison verdient. Hey Werder: It‘s Payback Time!

Vier sind Werder Bremen – Hier geht es zu allen Kolumnen

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren