Vier sind Werder Bremen – Die nordbuzz-Kolumne

Wontorra: „Ein Investor? Lieber den Effzeh zum Vorbild nehmen“

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Diese Woche: Laura Wontorra in der „Vier sind Werder Bremen“-Kolumne.

In der wöchentlichen nordbuzz-Kolumne „Vier sind Werder Bremen“ schreiben unsere Experten im Wechsel über den SVW. Werder-Legende Tim Borowski, TV-Moderatorin Laura Wontorra, Sportjournalist Tobias Holtkamp und Werder-Blogger Lars Kranenkamp (im Netz besser bekannt als Burning Bush) spielen sich die Bälle zu: mal emotional, mal analytisch, aber immer authentisch.

In dieser Ausgabe schreibt Laura Wontorra.

„Ein gewonnener oder zwei verlorene Punkte?“ – Ich weiß nicht, wie oft ich diese Frage in meinem noch jungen Reporterleben schon gestellt habe. Aber im Fall des Nordderbys hätte ich die Antwort aus Bremer Sicht wohl selbst nicht gewusst. Werder ist vier Tage nach dem Nordderby weder Fisch noch Fleisch. Bremen bleibt das Scheunentor der Liga, macht zu viele individuelle Fehler, zeigt sich dennoch kämpferisch und kommt zweimal zurück! Das 2:2 im Nordderby: Erfolg oder Niederlage? Was ist dieser eine Punkt in Hamburg gegen den Erzrivalen wert? Der erste Schritt raus aus der Krise war es jedenfalls nicht.

Nouri noch nicht abschreiben

Wirklich schade finde ich, dass der Nouri-Effekt so schnell verflogen ist. Wenn der Trainer jetzt, wo Max Kruse, Claudio Pizarro und Philipp Bargfrede wieder mit an Bord sind, nicht langsam die Kurve kriegt, könnte es echt eng werden. An dieser Stelle möchte ich übrigens ausdrücklich davor warnen, zurück in alte Denk-Muster zu verfallen: Thomas Schaaf sollte keine Option sein. Das ist wie 'ne aufgewärmte Suppe – sie schmeckt eben nicht so gut wie beim ersten Mal. Sollte der Trainer abermals gewechselt werden, braucht es sicherlich jemanden mit mehr Erfahrung, mit mehr Cleverness im Abstiegskampf. Abschreiben würde ich Alexander Nouri allerdings noch nicht. Ich denke, er hat einen Plan, halte ihn nach wie vor für einen guten Trainer. Und wenn die Ergebnisse trotzdem ausbleiben? Dann ist Nouri für mich auch jemand, der problemlos wieder ins zweite Glied rücken kann. Warum ihn dann nicht zum Co-Trainer machen?

Braucht Werder vielleicht doch einen Investor?

Laura Wontorra, ganz in der Nähe des Weser-Stadions geboren, bezeichnet sich selbst als fußballverrückt. Kein Wunder bei dem Vater, denn Jörg Wontorra war neben seiner TV-Tätigkeit sogar Aufsichtsrat bei Werder Bremen. Tochter Laura hat ihre Fußball-Liebe jedenfalls zum Beruf gemacht und arbeitet als Fernseh-Moderatorin bei Sport1.

So oder so: Der Trainer ist nicht Werders Hauptproblem. Im Gegenteil, jahrelange Misswirtschaft, der katastrophale Stadionbau und interne Machtkämpfe haben aus dem ehemaligen Champions League Teilnehmer das Werder gemacht, das wir heute erleben. In den letzten Jahren hat sich der Verein irgendwie über Wasser gehalten. Immer wieder wurde die Tradition beschworen, Gedanken an einen Investor im Keim erstickt und die Fans in Kanzlermanier mit einem „Wir schaffen das“ ruhig gehalten. Aber ist das der richtige Weg? Braucht Werder vielleicht doch einen Investor? Mit dieser Frage beschäftige ich mich wirklich tagtäglich. Der HSV wäre ohne die Kühne-Millionen wahrscheinlich schon dreimal abgestiegen, und das wohl krasseste Beispiel überhaupt, RB Leipzig, zeigt gerade eindrucksvoll, was mit Investorengeld alles möglich ist. Aber: Es gibt Gegenbeispiele, auch im deutschen Profifußball. 1860 München steckt seit der Einflussnahme von Investor Hasan Ismaik noch tiefer im Dilemma als vorher. Und dann wäre da ja noch die emotionale Schiene: Mit einem Investor wäre es mit der Fußballromantik an der Weser wohl schnell vorbei.

An Teams orientieren, die gezeigt haben, dass es einen Weg aus der Krise gibt

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass sich Bremen nicht an den großen Mannschaften mit fetten Konzernen im Hintergrund messen lassen sollte. Und vielleicht braucht es nicht einmal einen wirklich finanzkräftigen Investor. Werder sollte sich lieber an Teams orientieren, die gezeigt haben, dass es einen Weg aus der Krise gibt. Werder sollte sich ein Beispiel am 1. FC Köln nehmen. Und das sage ich jetzt nicht, weil ich einen persönlichen Bezug zu diesem Verein habe. Nein, ich finde ganz einfach, dass Köln in den letzten drei Jahren bewiesen hat, wie wichtig Kontinuität, Ehrlichkeit und Ruhe im Verein sind. Der Abstieg aus der Bundesliga und der feinsäuberliche Wiederaufbau haben aus dem ehemaligen Karnevalsverein Köln einen Klub gemacht, der dieses Jahr um die internationalen Plätze spielt. Manager Jörg Schmadtke und seine Helfer haben den Effzeh wie eine kleine zarte Pflanze gezüchtet, die nun ihre ganze Strahlkraft entfalten kann. Warum sollte Werder das nicht auch gelingen? Nach Möglichkeit auch gerne ohne den Gang in die 2. Liga.

Vier sind Werder Bremen - Die nordbuzz-Kolumne

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