Vier sind Werder Bremen – Die nordbuzz-Kolumne

Borowski: „Bei der Trainersuche nichts überstürzen“

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Die nordbuzz-Kolumnisten (v.l.): Lars Kranenkamp, Laura Wontorra, Tim Borowski und Tobias Holtkamp.

In der wöchentlichen nordbuzz-Kolumne „Vier sind Werder Bremen“ schreiben unsere Experten im Wechsel über den SVW. Werder-Legende Tim Borowski, TV-Moderatorin Laura Wontorra, Sportjournalist Tobias Holtkamp und Werder-Blogger Lars Kranenkamp (im Netz besser bekannt als Burning Bush) spielen sich die Bälle zu: mal emotional, mal analytisch, aber immer authentisch.

In dieser Ausgabe schreibt Tim Borowski

Dass Werder Bremen nach der Partie gegen Mainz erneut mit leeren Händen dastand, ist wirklich sehr ärgerlich. Nicht nur, weil die Punkte mit Blick auf die Tabelle und die Stimmung im Verein unbedingt notwendig gewesen wären. Auch, weil die Grün-Weißen bis zur 60. Minute ein wirklich starkes Spiel abgeliefert haben: gute Spielzüge, kreative Ideen und schöne Spielverlagerungen. Das war im Vergleich zu den anderen Partien in dieser Saison schon viel besser anzusehen, keine Frage. Auch der Support durch die Fans war wieder außergewöhnlich. Das Problem aber ist: Im Moment müssen die Spieler einen immensen Aufwand betreiben, um gute Spiele auf Augenhöhe abzuliefern. Und das geht mit einem herben Kräfteverlust einher. Beispiel Mainz: Die ersten 60 bis 65 Minuten waren so intensiv, dass man danach einen leichten Einbruch verspüren konnte.

Erstaunlich, was Izet Hajrovic in der ersten Halbzeit gezeigt hat

Tim Borowski (36) spielte elf Jahre als Profi für den SV Werder Bremen, seinem einzigen Bundesliga-Verein, abgesehen von einem kurzen Intermezzo beim FC Bayern München. 2004 gewann der ehemalige deutsche Nationalspieler mit Werder das Double. Bei der WM 2006 wurde er mit dem DFB-Team Dritter, 2008 Vize-Europameister.© Carsten Heidmann Fotografie

Ein Grund für den starken Beginn der Bremer kann durchaus der Trainerwechsel gewesen sein. Denn im Idealfall sorgt ein neuer Coach für frische Impulse. Der eine oder andere Spieler gibt vielleicht mehr Gas, um in die Mannschaft hineinzukommen beziehungsweise drin zu bleiben. So war es zum Beispiel erstaunlich, was Izet Hajrovic in der ersten Halbzeit gezeigt hat. Sein Tor war wunderschön und wird wahrscheinlich nominiert bei der Wahl zum Tor des Monats. Das sind die Momente, in denen die Spieler Hoffnung schöpfen. Manche treten definitiv ein bisschen befreiter auf, vielleicht auch, weil sie sich zuvor nicht genug wertgeschätzt fühlten. Es ist schon erstaunlich, was da alles eine Rolle spielen kann.

Ich selbst habe zu meiner aktiven Zeit auch einen Trainerwechsel während der Saison miterlebt. Damals folgte bei den Bayern Jupp Heynckes auf Jürgen Klinsmann. Allerdings war es ein Wechsel, der sich schon länger angebahnt hatte. Deswegen lässt sich die Situation mit der in Bremen schlecht vergleichen. Im Team hatte die Chemie nicht so richtig gestimmt, es war relativ schnell Unruhe im Kader, viele Spieler waren unzufrieden. Wenn ein Trainer diese Probleme erkennt, darauf eingeht und die richtigen Schlüsse zieht, kann er erfolgreich sein. So wie Jupp Heynckes, der mit uns noch die Vize-Meisterschaft feiern konnte.

Ist egal, ob der neue Coach einer mit Stallgeruch oder einer von außen ist

Wer auch immer der neue Trainer bei Werder wird, sollte auf jeden Fall bestmöglich dem internen Anforderungsprofil entsprechen. Deswegen möchte ich mich auch gar nicht an irgendwelchen Spekulationen beteiligen oder Namen in den Raum werfen. Entscheidend ist aus meiner Sicht ganz einfach: Kann er junge Spieler entwickeln? Kennt er die Philosophie von Werder Bremen und kann sie umsetzen? Wenn ja, ist es egal, ob der neue Coach ein alter Hase oder noch relativ neu im Geschäft, einer mit Stallgeruch oder einer von außen ist. Er muss ganz einfach ein guter Trainer sein, das breite Spektrum zwischen Coaching und psychologischen Faktoren beherrschen, hungrig und talentiert sein sowie mit den Medien umgehen können. Dieses Anforderungsprofil ist natürlich erheblich, aber das sollte der neue Trainer in groben Zügen schon mitbringen. Damit der Verein an ihm auch in den kommenden Jahren Spaß haben wird.

Deswegen wünsche ich mir, dass Werder nicht schnellstmöglich eine Trainerlösung findet, sondern lieber auf Nachhaltigkeit setzt. Damit meine ich zum Beispiel, dass auch das Nachwuchskonzept integriert werden sollte, dass junge Spieler eingebunden werden und Chancen bekommen, sich zu präsentieren. Dadurch macht sich Werder für andere junge Akteure interessant, siehe Serge Gnabry. Ich würde mir bei der Suche die nötige Zeit nehmen und nichts überstürzen. Auf eine Woche mehr oder weniger kommt es nicht an, auch wenn in dieser Zeit natürlich die Spiele absolviert werden müssen.

Hier findet Ihr die weiteren Ausgaben der nordbuzz-Kolumne „Vier sind Werder Bremen“ von Lars Kranenkamp, Laura Wontorra, Tim Borowski und Tobias Holtkamp.

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