Vier sind Werder Bremen – Die nordbuzz-Kolumne

Borowski: „Als Spieler ärgerst du dich selbst am meisten“

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Die nordbuzz-Kolumnisten (v.l.): Laura Wontorra, Tim Borowski, Tobias Holtkamp und Lars Kranenkamp.

In der wöchentlichen nordbuzz-Kolumne „Vier sind Werder Bremen“ schreiben unsere Experten im Wechsel über den SVW: Werder-Legende Tim Borowski, TV-Moderatorin Laura Wontorra, Sportjournalist Tobias Holtkamp und Werder-Blogger Lars Kranenkamp (im Netz besser bekannt als Burning Bush) spielen sich die Bälle zu: mal emotional, mal analytisch, aber immer authentisch.

Vor dem Auftaktspiel gegen den FC Bayern München meldet sich Tim Borowski zu Wort.

Jetzt bin ich also an der Reihe. Eine Kolumne zu schreiben, finde ich spannend, auch wenn das Timing angesichts des frühen Pokal-Aus in Lotte besser sein könnte: Ich bin durch und durch Werderaner, fiebere bei allen Spielen mit, freue mich über Siege und ärgere mich sehr über Niederlagen. Auch ich habe mich auf den Saisonstart in Lotte gefreut und auch ich bin enttäuscht, aber schon vor dem ersten Bundesliga-Spiel Untergangsstimmung zu verbreiten, finde ich absolut unangemessen.

Bin mit Werder auch schon in der ersten Pokalrunde ausgeschieden ...

Tim Borowski (36) spielte elf Jahre als Profi für den SV Werder Bremen, seinem einzigen Bundesliga-Verein, abgesehen von einem kurzen Intermezzo beim FC Bayern München. 2004 gewann der ehemalige deutsche Nationalspieler mit Werder das Double. Bei der WM 2006 wurde er mit dem DFB-Team Dritter, 2008 Vize-Europameister.

Natürlich muss Werder bei einem Drittligisten bestehen und einen Pflichtsieg einfahren. Das, was Werder gezeigt hat, war viel zu wenig und phasenweise ideenlos. Hinzu kommt leider noch, dass sich Max Kruse verletzt hat und länger ausfällt - ein rabenschwarzer Sonntag für uns Bremer. Auch meine Laune war anschließend im Keller und der Tag gelaufen. Konstruktive Kritik ist dann völlig in Ordnung. Die Mannschaft mit Gegenständen zu bewerfen und persönlich zu beleidigen, wie das Einzelne in Lotte getan haben, allerdings nicht. Zumal es die Spieler selbst sind, die sich am meisten ärgern, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Ich bin mit Werder auch schon in der ersten Pokalrunde ausgeschieden, das ist natürlich eine sehr unangenehme Situation: Du wachst am nächsten Tag mit einem richtig schlechten Gefühl auf, hast ohnehin schon schlechte Laune und fährst dann ins Weser-Stadion, wo alle anderen auch schlecht gelaunt sind. Die Stimmung ist mies, Du fühlst Dich schuldig und hast ein schlechtes Gewissen. Das will sich jeder Spieler ersparen, es verliert ja keiner mit Absicht.

Wichtig zu hören, was die Fans bewegt

Nun ist es es aber so gekommen: Werder ist ausgeschieden, mal wieder in der ersten Runde. Ich kann den Frust der Fans verstehen und Werder muss sich auch der Kritik stellen, oft ist das sogar hilfreich. Ich kann mich gut daran erinnern, wie wir das Spiel des Jahres, das Nordderby, 0:4 gegen den HSV verloren haben. Das war 2011, wir haben gegen den Abstieg gespielt und in Hamburg alles andere als gut ausgesehen. Die Fans haben vor dem Weser-Stadion bereits auf uns gewartet, um mit uns das Auftreten gegen den HSV zu diskutieren. Wir wussten gar nicht, was auf uns zukommt – wir hatten ein mulmiges Gefühl. Aber der Austausch war für uns als Mannschaft konstruktiv und wichtig, um zu hören, was die Fans bewegt, was sie bedrückt. Mich hat das als Spieler weitergebracht, die Kritik nicht nur in der Zeitung zu lesen, sondern die Probleme mit der Fanbase zu diskutieren.

Doch so brenzlig ist es zum Glück noch nicht. Noch vor dem ersten Bundesliga-Spiel alles infrage zu stellen und Stimmung zu machen, finde ich nicht richtig. Es kann am Freitag ja schon wieder ganz anders aussehen. Ja, jetzt zum FC Bayern fahren zu müssen, ist sicher nicht die beste Konstellation, aber es ist das Eröffnungsspiel, alle schauen zur Primetime auf Werder – es gibt für einen Fußballer eigentlich nichts Schöneres als da aufzulaufen. Die Drucksituation ist da, aber die brauchst Du als Spieler auch. Ich bin sehr gespannt, wie die Mannschaft in München auftritt und gehe nicht davon aus, dass Werder bei den Bayern abgeschossen wird.

2008: Der höchste Werder-Sieg gegen Bayern, ich traf zweimal – für den FCB

Apropos abgeschossen: Ich weiß übrigens noch ganz genau, wie es sich anfühlt mit Bayern zu Hause gegen Werder zu hoch verlieren. 2008 setzte es eine 2:5-Klatsche, die eigentlich 7:0 oder 8:0 für den SVW hätte ausgehen müssen. Das war der höchste Werder-Sieg überhaupt gegen die Münchner und ich werde heute noch oft darauf angesprochen: Denn ich erzielte die beiden Tore für Bayern, sodass Freunde häufig aus dem 5:2 ein 7:0 für Werder machen. Heute kann ich darüber lachen, aber damals war ich stinksauer und habe mich sehr geärgert, weil Werder uns so dermaßen überlegen war. Jetzt freue mich auf das Spiel am Freitag, und hoffe, dass wir die Bayern mal wieder ein bisschen ärgern können.

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