Vier sind Werder Bremen – Die nordbuzz-Kolumne

Borowski: „Frankfurt? Da war doch was...“

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In der wöchentlichen nordbuzz-Kolumne „Vier sind Werder Bremen“ schreiben unsere Experten im Wechsel über den SVW. Werder-Legende Tim Borowski, TV-Moderatorin Laura Wontorra, Sportjournalist Tobias Holtkamp und Werder-Blogger Lars Kranenkamp (im Netz besser bekannt als Burning Bush) spielen sich die Bälle zu: mal emotional, mal analytisch, aber immer authentisch.In dieser Ausgabe schreibt Tim Borowski.

Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt heißt es am Sonntag im Weser-Stadion. Werder gegen Frankfurt? Natürlich, da war doch was. Vor ziemlich genau einem halben Jahr sicherten sich die Grün-Weißen in buchstäblich letzter Minute den Klassenerhalt gegen die Hessen. Ich war live im Stadion, als die Menschenmassen nach dem Spiel vor Freude auf den Platz gestürmt sind. Das hat mich an das Double in der Saison 2004 erinnert, als die Fans ebenfalls vor Freude auf den Rasen gerannt sind und friedlich mit uns Spielern gefeiert haben.

Und auch die Szenen vor dem Frankfurt-Spiel waren unbeschreiblich: Ich kann mich noch gut dran erinnern, welchen Support die Werder-Anhänger geleistet haben, ein sensationelles Bild. Die Spieler haben gemerkt, dass die Unterstützung da ist, dass sie frei aufspielen können. Das war extrem wichtig, der Druck wurde ihnen genommen, damit auch die Verkrampfung. Keine Frage, das 1:0 gegen Frankfurt im Mai 2016 war eine gefühlte Meisterschaft, pure Emotion, ein Gänsehautmoment.

Die sportliche Situation ist eine komplett andere

Tim Borowski (36) spielte elf Jahre als Profi für den SV Werder Bremen, seinem einzigen Bundesliga-Verein, abgesehen von einem kurzen Intermezzo beim FC Bayern München. 2004 gewann der ehemalige deutsche Nationalspieler mit Werder das Double. Bei der WM 2006 wurde er mit dem DFB-Team Dritter, 2008 Vize-Europameister.

Jetzt aber ist die sportliche Situation eine komplett andere als damals. Natürlich wird eine Verbindung zum letzten Spiel hergestellt, die alten Bilder werden herausgeholt. Auf dem Platz wird das aber kaum Bedeutung haben. Es ist kein Alles-oder-Nichts-Spiel, die Saison ist noch lang. Wichtig ist die Partie für Werder natürlich trotzdem. Nach den zuletzt erfolglosen Spielen gilt es, wieder in die Spur zu finden. Darauf muss der Fokus liegen. Vor diesem Hintergrund macht es Hoffnung, dass mit Philipp Bargfrede, Max Kruse und vielleicht auch Claudio Pizarro drei wichtige Spieler nach ihren Verletzungen vor der Rückkehr stehen.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass Philipp schon immer die Gabe hatte, selbst nach langen Verletzungen sofort wieder präsent zu sein und der Mannschaft zu helfen. Deswegen sollte sich die Frage nach seinem Einsatz eigentlich gar nicht stellen. Klar: Er hat eine lange Leidenszeit hinter sich. Viele Profis brauchen dann ihre Spiele, um den Rhythmus zu finden. Aber das ist bei ihm nicht der Fall, er hat das immer erstaunlich gut hinbekommen. Bei Max und Claudio muss man abwarten, wie fit sie sind. Aber selbst, wenn ihre Luft nur für 60 Minuten reicht, sollte der Trainer sie bringen – dann eben für 60 Minuten. Sie bringen einfach Qualität und Erfahrung mit, die Werder gut tut. Darauf sollte man nicht verzichten.

Gnabry – so macht Fußball Spaß

Und dann ist da ja auch noch Serge Gnabry. Für ihn war der Gang in die Bundesliga wichtig, es tut ihm ganz offensichtlich gut, wieder mehr im Fokus zu stehen. Der Wechsel zu Werder war genau der richtige Schritt zur richtigen Zeit. Mein Rat: Er sollte seine derzeitige Situation genießen. Er erhält die Wertschätzung von allen Seiten im Moment zurecht, weil er einfach ein guter Kicker ist. Ich sehe ihn auch gerne auf dem Platz. Diese Kleinigkeiten in seinem Spiel, die Bewegung schon vor der Ballannahme, das Umspielen des Gegners durch minimale Bewegungen, sein Tempo – so macht Fußball Spaß. Dazu scheint sein Umfeld bodenständig zu sein, das sollte er beibehalten, um den letzten Feinschliff in sein Spiel zu bringen. Wenn er seinen Ehrgeiz und Hunger konserviert, wird er sicherlich nochmal besser werden.

Die Länderspielpause sehe ich übrigens nicht als allzu großes Problem, gerade in Bezug auf die Offensive. Natürlich wäre es schön gewesen, wenn sich Serge, Max, Claudio und die anderen hätten einspielen können. Aber: Gute Spieler finden schnell einen Draht zueinander, einen gemeinsamen Nenner. Sie sehen schnell, wie der andere tickt, welche Ideen er hat. Natürlich ist es für jeden Trainer schöner, wenn alle Spieler vor Ort sind, um gewisse Abläufe und taktische Dinge einzustudieren. Aber das ist ja kein neues Problem.

Frankfurt ist total schwierig zu bespielen

Jetzt also Frankfurt. Ein Gegner, der momentan total schwierig zu bespielen ist. Seit seinem Amtsantritt hat Trainer Niko Kovac einen echt guten Job gemacht. Ihr Auftreten ist stark, auch Fredi Bobic scheint im Hintergrund gute Arbeit zu leisten. Es wird auf jeden Fall ein spannendes, kein einfaches Match werden. Aber die Werder-Rückkehrer haben eine besondere Qualität. Insofern bin ich mit Blick auf Sonntag nicht nur optimistisch, denn das bin ich immer, sondern vielmehr realistisch-optimistisch.

Hier findet Ihr alle bisherigen Ausgaben der nordbuzz-Kolumne „Vier sind Werder Bremen“ – und hier gibt‘s weitere Werder-News.

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