Meinung

„Wie eine Thekenmannschaft“ – Darum ist Borowkas Werder-Schelte überflüssig

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Uli Borowka

Uli Borowka ist ein verdienter Werder-Spieler, keine Frage. Neun Jahre trug er als Verteidiger das Trikot mit der Raute, neun Jahre lang hat er für Werder dazwischengehauen, wenn es nötig war. Das mit dem Dazwischenhauen macht Borowka auch heute noch – allerdings nicht mehr auf dem Platz, sondern medial. 

Wenn es bei Werder besonders schlecht läuft (und das ist zuletzt bekanntermaßen relativ häufig der Fall gewesen), ist ein gewiefter Journalist gut damit beraten, bei der „Axt“ anzurufen. Borowka zeigt Kante und hat eine klare Meinung, Borowka macht deutliche Ansagen, Borowka liefert Schlagzeilen. So auch in der jüngsten Ausgabe der „Sport Bild“.

„Werder spielt wie eine Thekenmannschaft. Wenn das so weitergeht, steigt Bremen ab“, wird Borowka zitiert. Mit letzterem hat er selbstverständlich Recht. Denn es ist ein Spieltag vorüber, Werder hat das erste Bundesliga-Match 0:6 gegen den FC Bayern verloren. Wenn das so weitergeht, holt Werder null Punkte und hat nach 34 Spieltagen ein Torverhältnis von -204! Dass es so weitergeht, ist für Borowka offenbar unausweichlich. Denn den Spielern fehle die Einstellung.

„Was ist nur passiert, dass Du jetzt jede Möglichkeit nutzt, Werder einen mitzugeben?“

Die Werder-Fans sind ob Borowkas Polemik gespalten. Ein Facebook-User schreibt beispielsweise: „Danke Uli, ich bin echt froh, dass Du als ehemaliger Werder Spieler hier schonungslos die Wahrheit aufdeckst!!!“ Ein anderer dazu: „Lieber Uli Borowka, früher warst Du mein Liebling bei den Grün-Weißen. Ich lass' heute noch die 6 und Borowka flocken. Was ist nur passiert, dass Du jetzt jede Möglichkeit nutzt, Werder einen mitzugeben? Das war mit Eichin schon nervig genug. Hau' doch mal sinnvolle Verbesserungsvorschläge raus. Das wäre doch mal was...“

Ich meine: Stammtischparolen herauszufeuern, ist einfach, konstruktive Kritik sieht dennoch anders aus. Auch wir freuen uns über Borowkas Aussagen, auch uns liefern sie eine Schlagzeile. Doch was will Borowka damit erreichen? Schlägt ein Werder-Spieler etwa die „Sport Bild“ auf und denkt: „Stimmt, der Uli hat Recht, ich sollte mal meine Einstellung überdenken“? Vermutlich nicht. Borowkas Kritik sorgt kurzzeitig für Amüsement, mehr aber auch nicht. Aber klar, wenn Werder am Sonntag gegen den FC Augsburg sechs Dinger kriegt, steuern die Bremer auf den Abstieg zu, mit null Punkten und einem Torverhältnis von -204. Dann rufen wir selbst für eine knackige Schlagzeile bei Uli an,der heute für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war. Oder es bleiben tatsächlich weitere 32 Spieltage und der Klassenerhalt ist immer noch möglich.

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