SVW-Profi im nordbuzz-Interview

Bargfrede über Werder Bremen: „Ich will hier nicht mehr weg“

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Philipp Bargfrede im Gespräch mit nordbuzz-Redakteur Timo Strömer

Philipp Bargfrede sieht erholt aus – das intensive Reha-Training nach Meniskussriss und Entzündung im Knie lässt sich der 27-jährige Werder-Profi nicht anmerken. Im Gegenteil: Im Interview mit nordbuzz-Redakteur Timo Strömer gibt sich Bargfrede entspannt, smart und in Plauderlaune. Schnell ist klar: „Bargi“ ist heiß auf sein Comeback und gleichzeitig ein cooler Typ.

nordbuzz: Hi Philipp, was macht das Knie?

Philipp Bargfrede: Es geht voran. Ich trainiere zwar noch individuell, aber ich stehe wieder auf dem Platz – das ist auch für den Kopf wichtig. Nur im Kraftraum zu arbeiten, ist auf Dauer nichts für mich. Ich bin auf einem guten Weg und momentan sehr zufrieden.

nordbuzz: Wann ist wieder zu 100 Prozent mit Dir zu rechnen?

Bargfrede: Mit Prognosen bin ich vorsichtig, aber ich hoffe, noch in der Vorbereitung wieder voll einsteigen zu können.

nordbuzz: Während sich die Mannschafts-Kollegen im Urlaub gesonnt haben, hast Du bei schlechtem Wetter in der Reha geschuftet. Ist das nicht frustrierend?

Bargfrede: Nö, frustriert zu sein, bringt mich nicht weiter. Ich habe einen Großteil der Reha am Chiemsee gemacht und die Gegend ist auch nicht die schlechteste - da lässt es sich gut aushalten. Ich habe in der Reha zwar deutlich mehr gearbeitet als geurlaubt, aber ich weiß ja, wofür ich das tue.

nordbuzz: Du bist seit 2004 Werderaner und hast Deinen Vertrag zuletzt bis 2018 verlängert. Ungewöhnlich für einen Profi, so lange bei einem Klub zu bleiben …

Bargfrede: Stimmt, aber ich fühle mich hier sehr wohl, für mich passt hier alles. Werder ist mein Verein, Bremen eine tolle Stadt. Ich will hier nicht mehr weg!

Philipp Bargfrede sieht trotz Reha erholt aus.

nordbuzz: Was bedeutet Bremen für Dich?

Bargfrede: Bremen gehört zu meinem Leben und hat einiges zu bieten. Trotz der Größe ist Bremen familiärer als andere Großstädte, zumindest empfinde ich das so. Und es ist nicht nur die Stadt die besonders ist, sondern auch die Leute hier. Fast jeder verbindet Bremen mit Werder, das schafft ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl, von dem wir als Mannschaft profitieren. Was die Fans aufbringen, ist nicht selbstverständlich.

nordbuzz: Das besondere an den Werder-Fans in drei Wörtern?

Bargfrede: Drei Wörter reichen da nicht aus. Was die Fans insbesondere in den letzten Jahren geleistet haben, ist mehr als großartig. Ich habe sogar das Gefühl, dass die Unterstützung im Laufe der Jahre immer mehr geworden ist. Ganz ehrlich: Ohne die Fans wäre es mit dem Klassenerhalt noch enger geworden, vielleicht sogar mit einem bösen Ende.

nordbuzz: Du bist in Zeven geboren und in Heeslingen aufgewachsen. Ist man dann nicht eigentlich eher Hamburger als Bremer?

Bargfrede: Nee, das hält sich die Waage. Fünf Kilometer gen Hamburg und Du bist im HSV-Land, fünf Kilometer in Richtung Bremen beginnt dagegen das Werder-Universum - da gilt Hamburg schon als verbotene Stadt (lacht).

nordbuzz: Das heißt, Du hättest in der Jugend mit ein bisschen Pech genauso gut beim HSV landen können?

Bargfrede: Die erste Kontaktaufnahme von Werder gab es schon, als ich 13 oder 14 Jahre alt war, damit war der Weg nach Bremen schon früh geebnet. Vom HSV kam nichts und ich bin nicht böse darüber, wie es gelaufen ist.

nordbuzz: Reden wir über die neue Saison: Warum wird alles besser als in der letzten?

Bargfrede: Klar, wir hoffen alle, dass es besser läuft und wir eine ruhigere Saison erleben, aber wir wissen, dass es nicht leichter wird und die Konkurrenz bekanntlich auch nicht pennt. Ich bin selbst gespannt, was noch auf dem Transfermarkt passiert und wen wir noch holen. Trotzdem bin ich zuversichtlich.

„Frank Baumann weiß genau, was er tut“

nordbuzz: Aber gerade scheint es so, als würden Werder die Spieler ausgehen. Wenn das so weitergeht, kennst Du bald die Hälfte der neuen Mannschaft nicht mehr…

Bargfrede: (lacht). So ist das ja nun auch nicht und genau das ist der Punkt: Es werden neue Spieler kommen. Natürlich schmerzt ein Verlust wie der von Jannik (Vestergaard ging zu Borussia Mönchengladbach, Anm. d. Red.), aber wenn ein Spieler sich verbessern und Champions League spielen kann, ist ein Wechsel nachvollziehbar: Ich bin mir jedenfalls sicher, dass wir neue, gute Leute dazubekommen und dann eine starke Truppe zusammenhaben.

nordbuzz: Demnach hast Du viel Vertrauen in die Geschicke von Manager Frank Baumann…

Bargfrede: Absolut. Ich kenne ihn jetzt schon sehr lange, er weiß genau, was er tut. Ich sehe zu, dass ich wieder fit werde, Frank Baumann stellt den Kader zusammen. So hat jeder seine Aufgaben und jeder hat Vertrauen in den anderen.

nordbuzz: Mit den Verkäufen von Vestergaard und Anthony Ujah hat Werder rund 25 Millionen Euro eingenommen, die könnte Baumann direkt reinvestieren. Angenommen Du könntest 25 Millionen für einen einzigen Spieler ausgeben. Wen würdest Du holen?

Bargfrede (überlegt): Tim Wiese bekommst Du für das Geld ja nicht mehr (lacht). (überlegt weiter) Da wir noch Verteidiger brauchen, würde ich versuchen, Sergio Ramos von Real Madrid zu holen – bei einem Angebot von 25 Millionen gehen die Leute bei Real aber vermutlich nicht mal ans Telefon...

nordbuzz: Angenommen Du müsstest 25 Millionen an einem Tag für dein persönliches Vergnügen ausgeben. Was machst Du mit dem Geld?

Bargfrede: Ich brauche keine 25 Millionen Euro um glücklich zu sein und mich zu vergnügen.

„Ein Tattoo würde mir nicht stehen – dafür bin ich nicht der Typ“

nordbuzz: Empfindest Du Dich eigentlich selbst als reich?

Bargfrede: Natürlich verdienen wir Profi-Fußballer viel Geld, aber was bedeutet reich? Viel wichtiger ist es doch – und das ist jetzt wirklich kein dahergesagter Spruch – glücklich und zufrieden zu sein. Klar ist es beruhigend, keine finanziellen Sorgen zu haben, aber das alleine macht sicher nicht glücklich. Ich habe einen tollen Sohn, eine großartige Frau und wir sind gesund – was will ich mehr?

nordbuzz: Vielleicht schnelle Autos, teure Uhren oder sonstige Statussymbole?

Bargfrede: Ich mag schnelle Autos und schöne Uhren, aber ich würde schon sagen, dass ich eher der bodenständige Typ bin.

nordbuzz: Und zurückhaltend?

Bargfrede: Inwiefern?

nordbuzz: Viele Tattoos, wilde Frisuren und andere Hingucker gehören ja schon beinahe zum Standard im Profi-Fußball. Die sucht man bei Dir vergeblich …

Bargfrede: Mag sein, aber ich bin ja nicht der einzige, der keinen Wert auf solche Dinge legt. Ich wüsste auch gar nicht, was ich mir stechen lassen sollte und ich glaube, ein Tattoo würde mir sowieso nicht stehen – dafür bin ich nicht der Typ.

nordbuzz: Mit Verlaub, Du bist eher der Schwiegersohntyp. Stört Dich das Image?

Bargfrede: Nein, gar nicht und mit meinen Schwiegereltern komme ich tatsächlich sehr gut aus (lacht). Ich muss einfach nicht ständig im Mittelpunkt stehen, das ist nicht meins. Ich mache solche Dinge wie Facebook oder Instagram nicht, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass das wirklich jemanden interessiert. Ich suche nicht die Öffentlichkeit und bin gerne mit der Familie zuhause.

Ein Tipp an werdende Väter? „Locker bleiben!“

nordbuzz: Dein Sohn wird bald zwei Jahre alt. Wie hat sich Dein Leben seit der Geburt des Kindes verändert?

Bargfrede: Auf jeden Fall positiv, aber so viel hat sich für mich gar nicht verändert. Meine Frau und ich sind relativ entspannte Eltern, lassen vieles auf uns zukommen und genießen einfach die Zeit mit der Familie.

nordbuzz: Wickeln, füttern, nachts aufstehen – macht der Papa alles selbst?

Bargfrede: Klar, ich mache alles selbst, aber meine Frau macht das besser – also lasse ich ihr regelmäßig den Vortritt (lacht).

nordbuzz: Ist schon Talent erkennbar? Hat Bargfrede-Junior den Huf seines Vaters?

Bargfrede: Wir haben zu Hause ein kleines Tor aufgestellt und er tritt schon gegen den Ball, aber gerade hat er das Malen und die Musik für sich entdeckt.

nordbuzz: Wie viele Kinder sollen es noch werden?

Bargfrede: Mal abwarten, aber es kommen bestimmt noch welche dazu.

nordbuzz: Ein Tipp an alle werdenden Väter?

Ganz entspannt plaudert Bargfrede auch über Persönliches.

Bargfrede: Locker bleiben!

nordbuzz: Wie gelingt das?

Bargfrede: Wir versuchen, uns nicht zu stressen und Zeit für uns zu nehmen, wenn das Kind schläft. Bei einem gemeinsamen Essen zum Beispiel.

Nordbuzz: Apropos. Du bist jetzt auch Gastronom. Erzähl mal ...

Bargfrede: Gemeinsam mit Bekannten habe ich vor etwa eineinhalb Jahren in Zeven ein Restaurant eröffnet – das „Mehde Gold“. Mehde ist der Fluss, der durch Zeven fließt. Wir haben einen tollen Küchenchef, kochen ausschließlich mit hochwertigen, regionalen Produkten und haben vom Schnitzel bis zum Rinderfilet wirklich gute Gerichte auf der Karte. Wer Zeit und Lust hat, sollte also mal vorbeischauen...

nordbuzz: Steht Philipp Bargfrede persönlich hinterm Tresen und zapft Bier?

Bargfrede: Nicht immer, aber das kann schon vorkommen.

nordbuzz: Wer nichts wird, wird Wirt….

Bargfrede: (lacht) So sieht`s aus!

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