Interview vor Rückkehr ins Weser-Stadion

Petersen: „Die Zeit in Bremen war viel zu schön, als dass ich nachtragend sein könnte“

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Freiburg-Stürmer Nils Petersen: „Ich habe Werder immer die Daumen gedrückt und werde das auch weiterhin tun, am Samstag mache ich aber eine Ausnahme.“

Wir erwischen Nils Petersen beim Frühstück. Der Stürmer des SC Freiburg hat sich trotz der DFB-Pokal-Niederlage gegen den SV Sandhausen (6:7 n.E.) Zeit für ein Interview mit nordbuzz genommen. Es ist eine besondere Woche für den 27-Jährigen: Am Samstag (15.30 Uhr) kehrt er erstmals nach seinem Wechsel von Werder nach Freiburg ins Weser-Stadion zurück. Petersen will dabei keine Rücksicht auf seinen Ex-Klub nehmen: „Ich habe Werder immer die Daumen gedrückt und werde das auch weiterhin tun, am Samstag mache ich aber eine Ausnahme.“

nordbuzz: Hi Nils, Ihr seid frisch aus dem Pokal ausgeschieden, Du hast im Elfmeterschießen einen übers Tor gehauen. Wie ist Deine Stimmung?

Nils Petersen: Sie könnte besser sein. Es ist wirklich ärgerlich, dass schon in der zweiten Runde für uns Schluss ist, aber das müssen wir schnell abschütteln. Samstag geht’s weiter.

nordbuzz: Du hast mit Deutschland Silber bei den Olympischen Spielen in Brasilien gewonnen, im Finale gegen den Gastgeber hast Du den entscheidenden Elfmeter verschossen. Ist da vielleicht doch was hängengeblieben?

Petersen: Das glaube ich nicht. Der verschossene Elfer in Rio hat mich eine ganze Zeit lang beschäftigt, aber irgendwann ist's auch mal gut. Gegen Sandhausen habe ich in der regulären Spielzeit ja auch einen reingemacht – es ist also nicht so, dass ich da in irgendeiner Weise verunsichert bin. Als ich zum Punkt gegangen bin, habe ich jedenfalls keine Sekunde an das Olympia-Finale gedacht.

„Ich freue mich wahnsinnig auf die Rückkehr und kann es kaum erwarten“

nordbuzz: Wie oft hast Du denn in dieser Woche an Deine Rückkehr ins Weser-Stadion gedacht?

Petersen: Schon hin und wieder.

nordbuzz: Mit welchen Emotionen kehrst Du zurück?

Petersen: Mit großen Emotionen. Ich hatte ein sehr schöne Zeit in Bremen, ich habe über 70 Spiele für Werder gemacht, die Stadt lieben gelernt und viele Freunde in Bremen gefunden. Ich freue mich wahnsinnig auf die Rückkehr und kann es kaum erwarten, am Freitag nach Bremen zu fliegen. Aber klar, am Ende geht es um drei Punkte, die wollen wir holen.

nordbuzz: Mit wem aus der Mannschaft hast Du noch Kontakt?

Petersen: Mit Clemens Fritz und Zlatko Junuzovic zum Beispiel aber auch mit vielen aus dem Funktionsteam.

nordbuzz: In Bremen ist Freimarkt, ein gemeinsamer Besuch in Halle 7 ist wohl nicht drin …

Petersen: (lacht) Nee, der fällt dieses Jahr leider aus. Wir sind in einem Hotel in der Innenstadt, durchs Fenster werden wir ein bisschen was davon mitbekommen, mehr aber auch nicht. Allen Bremern wünsche ich dennoch viel Spaß, feiern können die ja gut.

nordbuzz: Stimmt. Was zeichnet die Bremer sonst noch aus?

„Mir ist nie gesagt worden, dass man nicht mehr mit mir plant“

Petersen: Ich bin 2012 neu in die Stadt gekommen und kannte niemanden. Das änderte sich sehr schnell, ich habe mich in Bremen sofort heimisch gefühlt. In Bremen gibt es unheimlich viele nette Menschen. Viele Freunde wollen Freitag ins Hotel kommen, um mich zu besuchen. Ich weiß noch gar nicht, wie ich das einrichten soll.

nordbuzz: In Bremen wurdest Du aussortiert und bist zum SC Freiburg gewechselt. Viele Werder-Fans trauern Dir heute noch nach. Wärst Du gerne in Bremen geblieben?

Petersen: Absolut. Ich war damals für drei Spiele nicht im Kader und mir wurden indirekt Signale gegeben, mir einen neuen Verein zu suchen. Ich hätte es besser gefunden, wenn man offen und ehrlich mit mir gesprochen hätte, das war aber leider nicht der Fall. Mir ist nie gesagt worden, dass man nicht mehr mit mir plant.

nordbuzz: Es hieß damals, du hättest nicht mehr ins System von Werder gepasst. In Freiburg bist Du dann durchgestartet und hast Tore wie am Fließband produziert. Wie groß war/ist die Genugtuung?

Petersen: Mit Genugtuung hat das nichts zu tun. Ich bin auch gar nicht böse darüber, wie das alles gelaufen ist. Dafür war die Zeit in Bremen auch viel zu schön, als dass ich nachtragend sein könnte. Es ist mir aber sehr, sehr schwer gefallen, wegzugehen und ich hatte Sorge, die Wohlfühloase Bremen zu verlassen und womöglich in ein Loch zu fallen. Umso glücklicher bin ich, dass ich in Freiburg eine neue Wohlfühloase gefunden habe. Hier passt alles für mich.

„Weiß noch nicht, ob ich jubele, wenn ich treffe“

nordbuzz: Willst Du Werder am Samstag besonders gerne einen einschenken?

Petersen: Ich will immer Tore machen, unabhängig davon, gegen wen wir spielen. Ich habe Werder immer die Daumen gedrückt und werde das auch weiterhin tun, am Samstag mache ich aber eine Ausnahme. Ich mag Werder, daran wird sich auch nichts ändern, aber wir können die Bremer am Samstag mit acht Punkten hinter uns lassen. Gegen einen direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt wollen wir was mitnehmen, ohne Rücksicht auf Werder. Alles andere blende ich während des Spiels aus.

nordbuzz: Jubelst Du, wenn Du gegen deinen Ex-Club triffst?

Petersen: Das weiß ich noch nicht. Ich bin ein spontaner Mensch, das kommt auf die Situation, das Ergebnis und das Drumherum an.

nordbuzz: Kannst Du Dir eigentlich grundsätzlich eine dauerhafte Rückkehr nach Bremen vorstellen? Nach dem Motto: Neuer Trainer, neues Glück?

Petersen: Ja, natürlich, aber auch zu allen anderen Vereinen, für die ich gespielt habe. Ich habe mich bei allen Clubs pudelwohl gefühlt. Es gibt keinen Verein, von dem ich sage: Da gehe ich nie wieder hin. Ich führe momentan aber ein wunderschönes Leben in Freiburg und ich plane, langfristig zu bleiben. Auf der anderen Seite hätte ich mir auch vorstellen können, länger in Bremen zu spielen – da ist man als Profi auch von den Entscheidungen der Gegenseite abhängig.

nordbuzz: In Freiburg bist Du schon jetzt ein Volksheld, beinahe eine Legende …

Petersen: Ich selber sehe das gar nicht so. Ich bin noch nicht mal zwei Jahre hier. Um eine Legende zu werden, braucht es schon mehr, da gibt es beim SC ganz andere, wie Julian Schuster zum Beispiel. Was der in all seinen Jahren mit Freiburg erlebt hat, ist Wahnsinn. Ich freue mich einfach riesig, wenn ich Fans sehe, die die 18 auf dem Trikot tragen oder sie meinen Namen brüllen – das ist immer etwas Besonders. Ich begreife aber, dass das eine Momentaufnahme ist. Man lernt als Profi auch andere Zeiten im Fußball kennen und deswegen weiß ich das alles sehr zu schätzen – ich genieße das.

nordbuzz: Freiburg steht in der Tabelle besser da als Werder. Ist der SC am Samstag Favorit?

Petersen: Nein, in meinen Augen ist Werder der Favorit. Wir sind der Aufsteiger, es muss der Anspruch von Werder sein, zu Hause gegen einen Aufsteiger zu gewinnen. Werder ist aber keine Mannschaft mehr, vor der wir Angst haben müssen. Insofern muss es ebenso unser Anspruch sein, in Bremen zu punkten.

nordbuzz: Wie geht’s aus?

Petersen: Werder ist momentan eine Wundertüte, aber ich hoffe natürlich auf einen Auswärtssieg. 2:1 für uns.

nordbuzz: Letzte Frage. Was machst Du, um in dieser, für Dich besonderen Woche abzuschalten?

Petersen: Fußball gucken (lacht). Manchmal denke ich, es wäre vielleicht ganz gut, den Fußball auch mal Fußball sein zu lassen und abzuschalten, aber dafür bin ich viel zu verrückt nach dem Sport. Spätestens heute Abend schalte ich wieder den Fernseher an und schaue den DFB-Pokal. Vorher stehe ich am Herd und koche mir etwas – dabei komme ich runter.

nordbuzz: Dann muss ich doch noch mal nachhaken. Welches Gericht von Nils Petersen sollte man probiert haben?

Petersen: Meine bunte Gemüsepfanne mit Putenfleisch ist ein Kracher (lacht).

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Alle weiteren Berichte rund ums Thema Werder gibt es unter: www.nordbuzz.de/sport/werder-bremen. Hier geht es zur wöchentlichen nordbuzz-Kolumne Vier sind Werder Bremen mit Tim Borowski, Lars Kranenkamp, Tobias Holtkamp und Laura Wontorra.

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